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Bio-Hühner brauchen zwingend einen Auslauf. Sonst sind es keine Bio-Hühner! Was tun aber, wenn zwischen dem neuen Stall und der Wiese eine kleine Straße liegt? Dann hilft wohl nur eine Hühnerbrücke! 4O Meter lang und vier Meter hoch!

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Hennen-Training auf der Hühnerbrücke im Ries

Bayerns erste Hühnerbrücke steht im Nördlinger Ries. Letztes Jahr ist die 40 Meter lange Brücke an einem Bio-Legehennenstall eröffnet worden. Jetzt ist eine neue Hühnerrasse eingezogen, doch die ist scheu. Deshalb gibt es jetzt regelmäßig Training.

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Von
  • Tobias Hildebrandt

Vollautomatisch öffnet sich pünktlich um neun Uhr die Tür vom Hühnerstall zur Brücke. Schon huschen die ersten zehn, zwölf Hühner aus dem Stall die Brücke hinauf und auf der anderen Seite hinunter auf die Wiese. Ein paar Dutzend weiterer Hennen folgen nach und nach. Das alles unter den kritischen Augen von Dominik Spegel. Der Bio-Landwirt sagt, er wünsche sich, dass noch mehr Hühner regelmäßig die Brücke benutzen. Doch seine neue Hühnerrasse ist scheuer als andere. Für den Nachmittag kündigt der Bauer deshalb ein Hennen-Motivationstraining an.

Straße als Hindernis zwischen Stall und Wiese

Die Hühnerbrücke steht im Wallersteiner Ortsteil Birkhausen. Es gibt sie, weil Bio-Hühner zwingend einen Auslauf brauchen. Doch zwischen dem neuen Stall, den Dominik Spegel in die alte Hofstelle im Ortskern gebaut hat, und der Wiese liegt eine kleine Straße. Der Bio-Bauer sagt, gerade Landwirte sollten beim Thema Flächenfraß ein Vorbild sein. Deshalb sei es ihm wichtig gewesen, erst die vorhandenen alten Gebäude zu nutzen, bevor er auf die grüne Wiese baue. Und so hat der Landwirt vor gut einem Jahr zum großen Teil in Eigenregie die 40 Meter lange Brücke gebaut. Genehmigt von den Behörden und auch von seinem Bio-Anbauverband "demeter" für gut befunden.

Umstellung auf Zweinutzungsrasse

Zuerst hat der Landwirt eine Standard-Hühnerrasse gehalten. Die braun gefiederten Hennen ließen sich durch wenig aus der Ruhe bringen. Jetzt hat er umgestellt auf die Zweinutzungsrasse "Sandy". Zweitnutzung heißt: Die männlichen Küken werden nicht – wie normalerweise üblich – nach der Geburt in den Brütereien vergast – sondern leben als Masthähnchen weiter.

Ohne Brücke klappt es besser

Dominiks Frau Yuliya betreibt auf der anderen Seite der Wiese mittlerweile den zweiten Hühnerstall der Spegels. Auch dort leben die "Sandys". Wenn man durch den Stall geht, merkt man sofort: Die Tiere sind ängstlicher, weichen eher zurück als man das sonst von Hühnern kennt, die an den Menschen gewöhnt sind. Im zweiten Stall braucht es keine Brücke: Die Hühner können durch mehrere große Klappen direkt auf die Wiese laufen. Das klappt deutlich besser.

Eintagsküken werden aufgezogen statt vergast

Dominik Spegel will auch im Hühnerbrücken-Stall an der Rasse "Sandy" festhalten. Sein Hof nimmt am "demeter"-zertifizierten Programm "Mein Bruderhahn" teil. Statt als Eintagsküken vergast zu werden, kommen die Tiere zu einem Mäster. Weil die Tiere nicht zu einer der klassischen Masthähnchen-Rassen gehören, dauert die Aufzucht länger und kostet deshalb mehr. Das Fleisch wird zum Beispiel zu Geflügel-Bolognese oder Currywurst verarbeitet. Einen Teil davon verkauft Dominik Spegel auf seinem Hof selbst.

Hennen-Training mit Leckerlis

Der Nachmittag an der Hühnerbrücke: Das Hennen-Training startet. Mitarbeiterin Lamiya kriecht durch die überdachte Brücke, die mit den Blechen an den Seiten schon fast wie ein Tunnel auf Stelzen aussieht. Sie streut Leckerlis: Weizenkörner. Tatsächlich können viele der 1.200 Hühner nicht widerstehen: Sie picken die Körner auf und folgen Schritt für Schritt ihrer Trainerin.

Hühner sollen an der frischen Luft Picken und Scharren

Mit einem Stück Karton in den Händen kriecht danach Landwirt Dominik Spegel über die Brücke und schiebt die Hennen vor sich her. Die Hühner können jetzt nur noch in eine Richtung: auf die Wiese. Noch zwei Wochen regelmäßiges Training, hofft der Bio-Bauer, dann werden auch die ängstlichen "Sandy"-Hühner verstanden, haben wo es zur Wiese gehe. Denn auch die Brückenhühner sollen möglichst das tun, was Hühner am liebsten tun: picken und Scharren an der frischen Luft.

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