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© BR/Nadine Hauk
Bildrechte: Michael Neubauer/THW Ortsverband Lohr

Neben den Aufräumarbeiten handle es sich vor allem um einen psychosozialen Einsatz, berichtet Paul Justice vom BRK: "So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt. Dieses Leid, so viele Menschen, die so viel verloren haben."

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Helfer aus Unterfranken in Rheinland-Pfalz und NRW im Einsatz

Nach dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind zahlreiche Einsatzkräfte aus Unterfranken vor Ort, um zu helfen. Neben Rettungsdiensten und dem Technischen Hilfswerk sind auch Landwirte aus Unterfranken im Einsatz.

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  • BR24 Redaktion

Sie räumen den Sperrmüll weg, pumpen Schulen leer und versuchen, die Infrastruktur wieder herzustellen: Nach dem verheerenden Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz packen auch Einsatzkräfte aus Unterfranken mit an. Sogar unterfränkische Landwirte sind mit Baggern und Schleppern in die Hochwassergebiete gefahren, um dort zu helfen.

Unterfränkische Landwirte mit Baggern und Schleppern im Einsatz

In Walporzheim sind fünf Landwirte aus Unterfranken gerade dabei, den Sperrmüll aus dem kleinen Dorf im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz heraus zu fahren. Darunter ist auch Stefan Lindner, ein Landwirt aus Waigolshausen im Landkreis Schweinfurt. Lindner beschreibt die Lage in dem 670-Seelen-Dorf als katastrophal. "Jedes Haus war durchflutet, hier liegen immer noch Autos übereinander. Es gibt keine Infrastruktur mehr, Straßen und Brücken sind einfach weg", sagt Lindner gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. In dem Dorf seien mehrere Menschen durch das Hochwasser ums Leben gekommen.

Rettungsdienste oder das Technische Hilfswerk (THW) seien in Walporzheim bisher noch nicht angekommen. "Die Leute sind verzweifelt und dankbar dass wir da sind", sagt der Landwirt. In dem Dorf helfen laut Lindner insgesamt rund 100 Landwirte aus ganz Deutschland. Sie haben sich über "Land schafft Verbindung" in WhatsApp-Gruppen organisiert.

THW Marktheidenfeld koordiniert Einsatzkräfte

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) aus Unterfranken sind in den überfluteten Gebieten in Nordrhein-Westfalen im Einsatz. In Stolberg nahe Aachen koordiniert zum Beispiel das Team aus Marktheidenfeld derzeit mehr als 200 weitere THW-Einsatzkräfte. Strom, Telefon, Mobilfunk und Internet funktionieren im Katastrophengebiet noch nicht überall wieder. Derzeit versuchen die örtlichen Energieversorger zusammen mit dem THW, die Infrastruktur wiederherzustellen. Das THW Marktheidenfeld tauscht heute die ersten seiner 20 Ehrenamtlichen aus und holt vier weitere Kräfte zur Unterstützung dazu.

THW Lohr pumpt Realschule leer

Der THW-Ortsverband Lohr ist mit seiner Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen nach Nordrhein-Westfalen gefahren. Insgesamt sind aktuell 12 THW-Kräfte aus Lohr im Einsatz. Sie haben unter anderem in Heinsberg-Kempen bereits den Wasserpegel in den Kanalrohren gesenkt. Seit Sonntag helfen sie nun zusammen mit einer Mannschaft aus Obernburg in Leverkusen. Hier haben sie bereits eine Tiefgarage leer gepumpt. Derzeit sind sie dabei, den Keller einer Realschule vom Wasser zu befreien. Sollte der Einsatz im Krisengebiet noch über einen längeren Zeitraum andauern, dann werden die ersten Helferinnen und Helfer aus Lohr im Laufe der Woche zurückerwartet. Austauschmannschaften stehen bereit. Neben Marktheidenfeld, Lohr und Obernburg sind auch Einsatzkräfte aus den THW-Ortsverbänden Gerolzhofen und Karlstadt im Einsatz.

Unterfränkische Rettungsdienste mit 170 Helfern im Einsatz

Seit Samstag helfen 170 ehrenamtliche Einsatzkräfte aus Unterfranken in Rheinland-Pfalz. Sie sind in der Landesblindenschule Neuwied untergebracht und koordinieren von dort aus ihre Einsätze. Das unterfränkische Hilfeleistungskontingent besteht aus Einsatzkräften des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), des Arbeiter-Samariter-Bundes und des Malteser Hilfsdienstes. Gemeinsam sind sie unter anderem für die medizinische Versorgung in entlegenen Tälern zuständig. Die Mitglieder der Rettungsdienste sind Ansprechpartner bei kleinen und größeren Verletzungen – sowohl für Privatpersonen, als auch für Bundeswehr oder THW.

Ein Teil der Einheiten wurde heute Morgen zum Einsatz nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gerufen. In der vom Hochwasser besonders heftig betroffenen Stadt sollen sie rund 100 Personen verpflegen: Zunächst mit Getränken und Lunchpaketen, bis die mobile Küche vor Ort ist. Auch bei der psychosozialen Notfallversorgung, die vom Nürburgring aus geleistet wird, unterstützen die Unterfranken. Dort kümmern sie sich um die Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten von psychologischen Fachkräften und fahren diese auch zu den Bürgern in zum Teil schwer erreichbare Orte.

Psychosozialer Einsatz für Rettungskräfte aus Unterfranken

Neben den Aufräumarbeiten handle es sich vor allem um einen psychosozialen Einsatz, berichtet Paul Justice, Sprecher des Hilfeleistungskontingents Unterfranken: "So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt. Dieses Leid, so viele Menschen, die so viel verloren haben – ihre Existenz, ihre Träume, aber auch ihre Verwandten. Mir graut es vor den Folgen." Auch für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer vor Ort gibt es angesichts der erschütternden Eindrücke professionelle Hilfsangebote. Alle seien aber gut vorbereitet und bereits jahrelang im Rettungsdienst aktiv.

Am Montagabend werden die Einsatzkräfte nach 72 Stunden von Helferinnen und Helfern aus Oberfranken abgelöst. Die Einsatzkräfte treten am Dienstagmorgen die Rückreise nach Bayern an.

Wasserrettungszug aus Unterfranken wieder zurückgekehrt

Nach einem Einsatz in der Region Erftstadt in Nordrhein-Westfalen ist ein Katastrophenschutz-Wasserrettungszug mit 34 Einsatzkräften des BRK inzwischen wieder nach Unterfranken zurückgekehrt. Die Einsatzkräfte haben auf einer völlig überfluteten Bundesstraße nach Personen gesucht. Sie waren mit sieben Fahrzeugen und fünf Rettungsbooten im Einsatz. Mit dabei waren Rettungstaucher, Bootsführer und Notfallsanitäter.

Bayerisches Rotes Kreuz bittet, auf Sachspenden zu verzichten

Das Bayerische Rote Kreuz in Würzburg bittet darum, auf Sachspenden zu verzichten. Es mache keinen Sinn, Dinge von Würzburg nach NRW zu fahren. Das Nötigste für die Betroffenen könne man in der nahem Umgebung besorgen. Anstelle von Sachspenden sei es daher deutlich hilfreicher, Geld zu spenden.

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