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"Riesensauerei": Kritik an Entlassung von Lehrern im Sommer | BR24

© BR/Dirk Rodenkirch

Auch in Bayern ist die Praxis noch gang und gäbe: Angestellte Lehrer werden vor Beginn der Sommerferien entlassen. Das sei dumm und eine Riesensauerei, empört sich Arbeitsminister Heil in einem Interview.

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"Riesensauerei": Kritik an Entlassung von Lehrern im Sommer

Auch in Bayern ist die Praxis noch Normalität: Angestellte Lehrer werden vor Beginn der Sommerferien entlassen. Das sei dumm und eine Riesensauerei, empört sich Arbeitsminister Heil in einem Interview.

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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat die Praxis einiger Bundesländer kritisiert, angestellte Lehrer vor den Sommerferien in die Arbeitslosigkeit zu entlassen. "Das halte ich für eine Riesensauerei und übrigens auch für dumm", sagte Heil den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe. In dem Interview erinnerte Heil an den enormen Lehrermangel: "Bundesländer jagen sich gegenseitig das Personal ab."

Entlassung von Lehrern: Rheinland-Pfalz geht jetzt anderen Weg

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit steigt die Arbeitslosigkeit unter Lehrern in den Sommerferien regelmäßig stark an und geht danach wieder zurück, weil die Lehrkräfte dann wieder befristet einstellt werden. Besonders auffällig sei das bisher in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Bayern. In Rheinland-Pfalz werden die meisten Lehrer mit befristeten Verträgen in diesen Sommerferien erstmals weiterbezahlt.

Minister Heil verspricht Gesetzesänderung

Arbeitsminister Heil will im Herbst einen Gesetzesentwurf vorlegen, um willkürliche Befristungen einzudämmen. Die Regelungen sollen für private Unternehmen und auch für den öffentlichen Dienst gelten. Heil sagte, er werde keine unterschiedlichen Maßstäbe anlegen. Die öffentliche Hand sei hier in der Vergangenheit kein Vorbild gewesen. Auch Kettenverträge, also viele befristete Verträge nacheinander, soll es dem Minister zufolge künftig nicht mehr geben.

Minister Heil: Methode schreckt Lehrer ab

Wenn Lehrer schlechte Bedingungen vorfänden, würden sie abgeschreckt, anstatt sie für den Beruf zu begeistern, sagte Arbeitsminister Heil: "Ich erwarte, dass die Länder damit grundsätzlich aufhören."

Zugleich erklärte er, viele Bundesländer hätten diese Methode inzwischen abgestellt. Insgesamt verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit eine leicht rückläufige Tendenz.

Bayerns Kultusminister verspricht Sonderprogramm

Allein in Bayern melden sich etwa 800 bayerische Lehrer jedes Jahr Anfang August arbeitslos. Der Freistaat spart sich mit der Methode viel Geld: Er stellt zusätzliche Lehrer vier Wochen nach Schulbeginn oder später befristet als Vertretungslehrer ein und lässt ihre Verträge mit dem Beginn der Sommerferien enden. Anfang Juni teilte das bayerische Kultusministerium dem Bayerischen Rundfunk mit:

"Da in den Sommerferien keine Vertretungen anfallen können, kann diese kleine Gruppe der kurzfristig beschäftigten Lehrkräfte auch nicht über die Sommerferien hinweg weiter beschäftigt werden." Günther Schuster, bayerisches Kultusministerium

Zahlen nennt das Kultusministerium jedoch nicht. Immerhin will Kultusminister Michael Piazolo (FW) die Zahl dieser Lehrer mit einem Sonderprogramm zum kommenden Schuljahr reduzieren. Trotzdem wird es auch zukünftig befristete Lehrerstellen gegeben, etwa um Erkrankungen, Schwangerschaften und Elternzeiten abzufangen.