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Heidenspaß und christliche Tradition | BR24

© pa/dpa/Wolfram Kastl

Protest gegen das Tanzverbot

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    Heidenspaß und christliche Tradition

    Soll jeder nach seiner Façon selig werden - aber muss er dazu tanzen? Unser Bericht über die Regensburger "Heidenspaß"-Party am Karfreitag hat eine größere Debatte ausgelöst. Das Thema polarisiert auch anderswo - in Bayern, Deutschland und der Welt.

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    "Tanzen im Auftrag des Bundesverfassungsgerichts", so kündigen die Veranstalter ihre "Heidenspaß"-Party im Münchner Oberangertheater an. Denn vom Bundesverfassungsgericht hatten der Bund für Geistesfreiheit und die Giordano-Bruno-Stiftung im vergangenen November Recht bekommen.

    Der strenge bayerische Schutz des Karfreitags sei verfassungswidrig, so das Urteil. Ein generelles Verbot von Tanzveranstaltungen sei unverhältnismäßig, es müsse auch Möglichkeiten für Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben. Für die Party im Oberangertheater heißt das konkret: Erlaubt ist Tanz mit Live-Musik bis Mitternacht, sofern kein Lärm nach Außen dringt, so die Entscheidung des Kreisverwaltungsreferats München.

    "Besinnung braucht geschützte Zeiten"

    Kritik kommt von den Kirchen. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bedauerte das Urteil. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat kein Verständnis für die Debatte und spricht von einem "wichtigen Kulturgut", an das Leiden Christi zu erinnern. Besinnung brauche geschützte Zeiten, teilt ein Sprecher der Evangelischen Landeskirche in Bayern mit.

    "Für uns Christen hat der Karfreitag eine sehr große Bedeutung. Er erinnert an das stellvertretende Leiden und Sterben Jesu. Für Christen und Nichtchristen soll der Schutz des Karfreitags ein wertvolles Gut sein und bleiben. Es dient der gesellschaftlichen Humanität, sich zu besinnen auf die Fragen nach Leid und Tod, aber auch darauf, was Hoffnung gibt auf neues Leben." Johannes Minkus, Sprecher der Evangelischen Landeskirche

    Tanzverbote an bestimmten Tagen gab es in der Vergangenheit immer wieder, zeitweise auch aus politischen Gründen wie etwa während der beiden Weltkriege. Die heutigen Regelungen sind Ländersache.

    Karfreitag - so still wie der Volkstrauertag

    Neben dem Karfreitag gibt es bundesweite Einschränkungen nur am Volkstrauertag - einem staatlichen Gedenktag - und am Totensonntag. Für alle anderen stillen Tage gilt, was für den Karfreitag immer wieder gefordert wird: Regionale Besonderheiten werden berücksichtigt. So ist Allerheiligen nur in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein stiller Tag. In Niedersachsen herrscht zu Allerseelen ein Tanzverbot in Gemeinden mit über 40 Prozent katholischer Bevölkerung.

    Weltweit Widerstand gegen Tanzverbot

    Die Diskussion ist nicht nur in Deutschland aufgeheizt. In Irland wehren sich Pub-Betreiber gegen das Ausschankverbot am Karfreitag, in der Schweiz hoben mehrere Kantone die Tanzverbote in den vergangenen Jahren auf. Viele Bischöfe und Priester erinnern gerade am Karfreitag an Terror und Kriege, Katastrophen und Hungersnot. Das Leid der Welt steht an diesem Tag im Zentrum. Die Zumutung, 24 Stunden lang aufs Tanzen zu verzichten, ist dagegen doch vergleichsweise klein.