Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Hebammen und Inklusion: Was wurde aus #MeinWunschAnBayern? | BR24

© pa/dpa/Nicolas Armer

Pflegekräfte während eines Warnstreiks im Februar 2019 in Würzburg, auf einem Schild steht: "Hebammen sind es wert, weil ihr sonst allein gebärt"

2
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Hebammen und Inklusion: Was wurde aus #MeinWunschAnBayern?

Zu wenig Hebammen, teils überfüllte Geburtsstationen - das kritisierte die Nürnbergerin Esther Chaudhri vor der Landtagswahl 2018. Und BR24-Nutzer Andreas Vega nahm die Politik beim Thema Inklusion in die Pflicht. Was hat sich seitdem getan?

2
Per Mail sharen
Teilen

Vor einem Jahr haben die Bayerinnen und Bayern einen neuen Landtag gewählt. Im Wahlkampf richteten sich bekannte und unbekannte Menschen mit ihren Erwartungen direkt an die Politiker - im BR-Projekt #MeinWunschAnBayern. BR24 greift die zentralen Anliegen von damals nochmal auf und zeigt, was die Staatsregierung aus CSU und Freien Wählern (FW) seitdem erreicht oder auf den Weg gebracht hat.

Geburtshilfe: Mehr Geld für die Hebammen

Die Forderung? Die zweifache Mutter Esther Chaudhri aus Nürnberg forderte, den "Notstand in der Geburtshilfe" endlich zu beenden. In ihrer Gegend beispielsweise sei eine sichere Geburt nicht in jedem Fall gewährleistet. Viele Frauen würden an Kreißsälen abgewiesen und müssten zu weiter entfernten Kliniken fahren. Laut Chaudhri fehlen Hebammen auch in der Vor- und Nachsorge.

Die Antworten? CSU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Markus Söder erklärte, mit einem bereits aufgesetzten Programm wolle man die Geburtshilfe "auch an kleinen Standorten im ländlichen Raum" erhalten. Darüber hinaus unterstütze man die Hebammen mit einem Bonus von 1.000 Euro pro Jahr. Söder verwies auch auf erste Universitäts-Lehrgänge, um den Beruf zu akademisieren. FW-Spitzenkandidat Hubert Aiwanger - damals noch Oppositionspolitiker - nannte es "einen Skandal, wie mit Hebammen in Bayern umgegangen wird". Die Hebammen seien unterfinanziert und müssten 8.000 Euro Versicherungsprämie zahlen. Diese müsse der Freistaat übernehmen.

Der aktuelle Stand? Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) teilt auf BR-Anfrage mit, dass sich die Zahl der freiberuflichen Hebammen im Freistaat bereits zwischen den Jahren 2016 und 2018 von 2.960 auf 3.018 erhöht habe. "Ein Mangel an Hebammen kann rein zahlenmäßig nicht festgestellt werden", erklärt Huml. Sie verweist zudem auf die einmalige Niederlassungsprämie von 5.000 Euro für freiberufliche Hebammen - eingeführt von CSU und Freien Wählern. Für freiberuflich in der Geburtshilfe tätige Hebammen gibt es zudem den bereits von Söder in seiner Video-Antwort angesprochenen jährlichen Bonus von 1.000 Euro.

Laut Huml werden die Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung mittlerweile "weitgehend durch die gesetzlichen Krankenkassen refinanziert". Damit liege die finanzielle Belastung durch Versicherungsprämien in der Geburtshilfe "bei Nutzung aller Möglichkeiten faktisch bei unter 150 Euro pro Jahr". Laut dem Bayerischen Hebammen-Landesverband werden dagegen in der Regel nur 70 bis 90 Prozent der Versicherungskosten von aktuell gut 8000 Euro jährlich rückerstattet.

Bayerns Gesundheitsministerin sieht die Geburtsversorgung im Krankenhaus auch auf dem Land "auf hohem Niveau gesichert". Gleichzeitig würden Landkreise und Städte im ländlichen Raum seit diesem Jahr mit 21,5 Millionen Euro jährlich unterstützt, um die Defizite kleinerer Geburtshilfe-Stationen auszugleichen. Allerdings seien noch immer zu wenig Hebammen bereit, im Kreißsaal zu arbeiten.

Zentrale Kritik? Ruth Waldmann, gesundheitspolitische Sprecherin der Landtags-SPD, erklärt auf BR-Anfrage zwar: "Alles, was in dieser Notlage hilft, ist willkommen." Aber auch durch die aktuellen Maßnahmen sei die Situation noch lange nicht im Griff. So würden von der Staatsregierung vor allem niedergelassene Hebammen gefördert, "die meisten Kinder werden aber in einer Klinik geboren". Laut Waldmann brauchen die Hebammen "mehr Zeit und Geld, um Mütter und Kinder adäquat zu betreuen und zu versorgen". Und: Die ebenfalls angekündigte Akademisierung der Hebammen-Ausbildung müsse schneller vonstatten gehen.

© BR

Vor der Landtagswahl in Bayern fordert diese Nürnberger Mutter ein Ende des Notstands in der Geburtshilfe. Die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl reagieren auf die Forderung.

Inklusion: Sozialverband übt Kritik

Die Forderung? BR24-Nutzer Andreas Vega drängte darauf, dass Bayern bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung eine Spitzenrolle einnimmt, auch mit Blick auf die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. "Schluss mit der Finanzierung von Sonder-Welten wie Werkstätten und Heimen", forderte Vega. Stattdessen solle man das Geld lieber in ambulante Alternativen stecken.

Die Antworten? CSU-Spitzenkandidat Söder erklärte, man verstärke die Inklusions-Bemühungen an den Schulen intensiv. Dazu wolle man die Wohn-Situation von Menschen mit Behinderung verbessern - genau wie ihre Lage im Alter, "wenn die Eltern nicht mehr da sind". FW-Spitzenkandidat Aiwanger forderte Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und "pädagogische Zweitkräfte" an Schulen, die sich um Kinder mit Behinderung kümmern.

Der aktuelle Stand? Im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern steht recht allgemein: "Wir bringen die berufliche Inklusion weiter voran. (...) Gleichzeitig wollen wir auch weiterhin die Werkstätten als geschützten Lebens- und Arbeitsraum erhalten und stärken." Aktuell wird zudem ein Aktionsplan zur Fortsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention fortgeschrieben.

Auch die Inklusion an Schulen soll laut Koalitionsvertrag weiter gefördert werden, genau wie Förderschulen. Laut Kultusministerium ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Kinder mit Behinderung an bayerischen Regelschulen deutlich gestiegen. Allerdings werden dazu auch Schüler gezählt, die nur einige Stunden in bestimmten Fächern Teil der Klasse sind.

Zentrale Kritik? Der Sozialverband VdK Bayern bemängelt auf BR-Anfrage, dass die schwarz-orange Staatsregierung beim Thema Inklusion bisher "mehr auf dem Papier als in der Umsetzung" auffalle. Zwar sei begrüßenswert, dass die Regierung den "Aktionsplan Inklusion" fortschreibe, allerdings seien die Maßnahmen nur sehr vage und oft ohne überprüfbare Zeitvorgaben formuliert.

In mehreren Bereichen sieht der VdK dringenden Handlungsbedarf. Für die schulische Inklusion braucht es demnach mehr Sozialpädagogen und Psychologen sowie mehr Betreuer, die Kinder und Jugendliche mit Behinderungen an Schultagen begleiten. Zudem müsse die Barrierefreiheit deutlich ausgebaut werden und auch für private Anbieter verpflichtend sein. Stand heute sei zum Beispiel nur ein Drittel der bayerischen Arztpraxen rollstuhlgerecht.

Darüber hinaus müsste laut VdK "mehr Menschen der Übergang aus einer Behinderten-Werkstatt in den regulären Arbeitsmarkt ermöglicht werden". Laut dem Verband ist ein hierfür neu eingeführtes Budget "in den ersten 18 Monaten in Bayern nur von 18 Personen in Anspruch genommen worden, obwohl der Freistaat sich dafür rühmt, die Unternehmen besser zu fördern als die meisten anderen Länder".

© BR

Vor der Landtagswahl in Bayern fordert BR24-Nutzer Andreas Vega: Ein selbstbestimmtes Leben für alle. Die Spitzenkandidaten antworten ihm.