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Familienzentren gelten in der Corona-Pandemie nicht als systemrelevant und müssen deshalb geschlossen bleiben. Luise Tröger betreibt das "Zwergenland" in Höchstadt und muss nun um ihr Geschäft bangen.

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Hebammen- und Familienzentrum Zwergenland bangt um Existenz

Familienzentren gelten in der Corona-Pandemie nicht als systemrelevant und müssen deshalb geschlossen bleiben. Luise Tröger betreibt das "Zwergenland" in Höchstadt und muss nun um ihr Geschäft bangen.

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Von
  • Frank Strerath

Eigentlich toben Kinder durchs Zwergenland in Höchstadt – doch der Lockdown bremst auch die Kleinsten aus. Es geht gar nichts mehr. Leiterin Luise Tröger bietet vor allem Baby-Massagen an, außerdem arbeiten hier auch Hebammen, Yoga-Lehrerinnen oder Kunsttherapeutinnen.

Stillstand im Zwergenland in Höchstadt

Erst vor zwei Jahren hat sich die junge Frau mit dem Zwergenland selbständig gemacht, es lief auch gut an, schnell hatte sie einen Kundenstamm. Dann der erste Lockdown – im Sommer waren verkleinerte Kurse mit Hygienekonzept und Abstand möglich, doch jetzt herrscht hier wieder Stillstand. Wenn Luise Tröger durch die Turn- und Therapieräume geht, wird sie schon ein bisschen wehmütig. "Das ist schmerzhaft, wenn man hier in den leeren Räumen steht. Und eigentlich will jeder: ich möchte, die Eltern möchten, die Kinder möchten, und es ist einfach nicht möglich. Die Hände sind einem gebunden."

Eltern fragen regelmäßig nach

Der Bedarf ist nach wie vor da – ständig melden sich Eltern und fragen nach, wann es denn wieder weitergeht. Wie etwa Laura Zöbelein mit ihrer einjährigen Tochter Rosalie. "Ich merke einfach, dass Rosalie mittlerweile viel Input braucht, und auch andere Kinder bräuchte, Bewegung bräuchte und ich ihr das Zuhause in dem Rahmen nicht bieten kann." Das sei traurig für ihre Tochter, aber auch für die Mutter selbst. Der Austausch mit den anderen Müttern fehle ihr ebenfalls, der feste Termin in der Woche, an dem sie weiß "da komme ich jetzt raus, sehe und höre jemand anderen und kann uns beiden etwas Gutes tun".

Im Zwergenland können die Kinder tanzen, turnen oder mit Mama und Papa Fitness und Yogakurse machen, bis hin zum Zwergenatelier mit Kunsttherapeutin Susann Belzer. Die legt schon mal den ganzen Raum mit Folie aus, die Kinder können dann nach Belieben mit Fingern, Füßen oder auch Pinseln malen, auf großen Tapeten oder Papierbögen. Diese sinnliche Erfahrung sei wichtig, erklärt Belzer. "Und das sind Sachen, die man zuhause nicht so einfach macht."

Kaum staatliche Hilfen für Familienzentrum

Staatliche Hilfen fließen nur spärlich, von den Ämtern kommen wenig Signale, wie sie hier weitermachen dürfen. Und die aktuellen Verschärfungen des Lockdowns machen Luise Tröger auch keine großen Hoffnungen. Schön wäre es, zumindest so zu öffnen, wie es im Sommer gelaufen sei. "Wir haben die Gruppen verkleinert, wir hatten Hygienekonzepte, es ist hier auch nichts passiert, es gab nie einen Fall oder einen Verdacht oder Ähnliches."

Babypause – kaum möglich

Normale Hebammenpraxen dürfen nach wie vor öffnen, mit großen Einschränkungen und nur das medizinisch Notwendigste anbieten. Das gilt für das Familienzentrum Zwergenland nicht. Das gilt offiziell als "Sportstätte innen" – und die müssen derzeit schließen. Eigentlich wollte Luise Tröger nach Ostern eine Babypause machen, nach der Geburt ihrer Tochter. Doch nun wird sie so bald es geht wieder selbst arbeiten, wenn sie denn darf. Denn finanziell gehe dem Zwergenland sonst bald die Luft aus.

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