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Hebammen klagen: Pflegebonus sei unfair verteilt | BR24

© pa/dpa/Caroline Seidel

Hebammen klagen über unfairen Pflegebonus

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    Hebammen klagen: Pflegebonus sei unfair verteilt

    Gleicher Beruf – ungleiche Behandlung, weil anderer Einsatzort: Viele Hebammen in Bayern bekommen den Pflegebonus nicht ausgezahlt, andere schon. Die, die leer ausgehen, prangern mangelnde Wertschätzung an. Das Gesundheitsministerium bleibt hart.

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    Die einen Hebammen bekommen den bayerischen Corona-Pflegebonus, die anderen nicht. Und das, obwohl sie die gleiche Arbeit machen. Viele empfinden das als mangelnde Wertschätzung.

    Gleicher Beruf - ungleiche Behandlung

    Im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst in Bayern sind die Hebammen bei den Pflegerinnen eingruppiert. Geht es aber darum, wer den von der Bayerischen Staatsregierung beschlossenen Pflegebonus erhalten soll, dann wird unterschieden: Festangestellte Hebammen, die in den Kreißsälen der Kliniken arbeiten, bekommen die 500 Euro nicht - im Gegensatz zu Hebammen, die auf Wochenbettstationen arbeiten.

    Personal zweiter Klasse?

    Ramona und Charlotte verstehen das nicht. Sie arbeiten seit zehn beziehungsweise zwei Jahren an der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität beziehungsweise dem Klinikum Neuperlach in München. Während der vergangenen Monate war ihr Arbeitsaufwand und der ihrer Kolleginnen deutlich höher als sonst. In einem Brief an verschiedene Politiker argumentieren sie, dass Hebammen die Gebärenden bei der Geburt stundenlang im Schutzanzug begleiten. Nicht einmal Pausen für den Toilettengang oder zum Trinken gebe es, um das Ansteckungsrisiko gering zu halten.

    Dazu kommt noch ein größerer bürokratischer Aufwand. Außerdem gibt es unterschiedliche Regelungen, wer außer der Gebärenden überhaupt in den Kreißsaal mit hineindarf. Da werden Hebammen bei der Geburt schnell zum gefühlten Partnerersatz. Dass dies nicht entsprechend honoriert wird, lässt Ramona in dem Brief fragen: "Sind wir Personal zweiter Klasse?"

    Gesundheitsministerium verteidigt Regelung

    Mitte Mai hatte die Staatsregierung sich dagegen entschieden, den Kreis der Berechtigten zu erweitern. Damit bleiben die Hebammen im Kreißsaal außen vor, während diejenigen auf einer Wochenbettstation den Bonus erhalten. Laut Gesundheitsministerium haben Hebammen dann einen Anspruch auf den Pflegebonus, wenn sie "dieselbe Tätigkeit wie eine Pflegekraft ausübt" und dies vom Arbeitgeber auch bescheinigt wurde.

    Bis zum Stichtag am 30. Juni sind mehr als 351.000 Anträge auf den Pflegebonus beim Landesamt für Pflege eingegangen. Dort für Nachfragen telefonisch durchzudringen, erscheint derzeit ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

    Hebammen gehören zu den Verlierern der Krise

    Dass neben den Hebammen auch andere in Kliniken tätige Personen wie Anästhesie-Assistenten oder Medizinisch-Technische Assistentinnen trotz erhöhten Infektionsrisikos den Pflegebonus nicht erhalten, ist für Mechthild Hofner bedauerlich. Die Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbandes hatte sich schon in einem Brief an Gesundheitsministerin Melanie Huml gewandt.

    Die Ministerin habe ihr geantwortet, dass die Hebammen in den vergangenen Jahren bereits mit mehreren Fördermaßnahmen bedacht worden seien und deshalb der Pflegebonus für diese Berufsgruppe im Kabinett nicht durchzubringen sei.

    Freiberufliche Hebammen haben bis zu 70 Prozent Einbußen

    Dabei leiden nach einer Umfrage des Deutschen Hebammenverbandes vor allem die freiberuflichen Hebammen unter starken Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent, weil die Schwangerschaftsvorsorge nicht mehr im Rahmen von Präsenzkursen stattfinden konnte.

    Außerdem forderte Hofner nach den teils schlechten Erfahrungen in der ersten Phase der Coronakrise, dass bei künftigen ähnlichen Situationen Vertreter der Gesundheitsberufe in den Krisenstäben verankert werden.

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