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Hausärzte beginnen mit Corona-Impfungen | BR24

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Bildrechte: picture alliance/dpa | Nicolas Armer

Die Corona-Impfung beim Hausarzt hat begonnen

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Hausärzte beginnen mit Corona-Impfungen

Die Impfkampagne gegen das Coronavirus tritt in eine neue Phase ein: die Hausärzte haben mit den Impfungen begonnen. Doch die Anzahl der Impfdosen ist zunächst gering - auch nach der jüngsten Entscheidung der Stiko.

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Von
  • Katharina Pfadenhauer

Friedrich Kiener hat alles bestellt, was er an Impfstoff kriegen kann. Noch heute Früh holt der Münchner Hausarzt seine 20 Impfdosen in der Apotheke ab. Er weiß, dass die Leute dringend auf die Impfdosen warten: "Ich glaube, auch die Kollegen, die sonst eher zurückhaltend sind mit Impfungen in ihren Praxen, die scharren mit den Hufen, weil alle Menschen wollen, dass eine gewisse Normalität wieder entsteht."

Dass der Impfstoff ziemlich schnell verteilt sein wird, darüber macht sich Kiener keine Sorgen, seine Warteliste sei lang. Lang war aber auch die Vorbereitungszeit: Weil man als Hausarzt keinen Zugriff auf das bayerische Impfportal habe, konnte Kiener nicht überprüfen, wie viele seiner Patienten bereits geimpft sind. Also musste er alle abtelefonieren. "Es wäre da wesentlich einfacher für uns gewesen, im Impfportal zu schauen, wer schon geimpft worden ist von unseren Patienten und wer nicht", so der Münchner Hausarzt.

Impfpriorisierung soll unbürokratischer werden

In Deutschland stehe Datenschutz noch immer vor allem, selbst in einer Pandemie, wie wir sie aktuell erleben, kritisiert Kiener. Er könne das nicht verstehen, dass Hausärzte keinen Zugang zum Impfportal bekommen. Denn immerhin sei die Ärzteschaft so etwas, wie "die Wiege" allen Datenschutzes. "Nämlich die ärztliche Schweigepflicht, die gab es schon, bevor es irgendwelche elektronischen Daten gab."

Immerhin soll es jetzt laut Staatsregierung bezüglich der Impfpriorisierung deutlich unbürokratischer werden. "Bürokratie und Pandemie passen nicht zusammen", erkannte beim gestrigen Impfgipfel auch der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Die Hausärzte sollen selber entscheiden, ob sie künftig zuerst jüngere chronisch Kranke oder ältere gesunde Menschen impfen wollen.

Söder: 20 Prozent Impfrate in Bayern Anfang Mai

"Wir machen Riegel- und Ringimpfungen", betont auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Das heißt: Impfen nicht nach starren Kategorien, sondern flexibel nach Infektionsgeschehen und ärztlichem Ermessen.

Bislang habe Bayern 2,7 Millionen Impfdosen bekommen, von denen mehr als 2,2 bereits verimpft worden seien, erläuterte der Ministerpräsident.

Grafik: Der Stand der Impfungen in Deutschland und Bayern

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Eine Arztpraxis in Augsburg Inningen hat heute begonnen zu impfen - mit Astrazeneca: Wie lief der erste Tag? Gab's Anlaufschwierigkeiten? Sind die Patienten verunsichert? Und wie viele Impfinteressenten waren überhaupt da?

Impfstoff-Bestellungen "sehr aufwendig"

Für die bayerischen Apotheken bedeutet das einen logistischen Kraftakt, sagt der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann. Über die dosiergenaue Bestellung beim Großhandel, über die Verteilung und Lagerung in den Apotheken bis hin zur Auslieferung zu den einzelnen Praxen: Der Bestellprozess sei extrem aufwendig, weil einmal aufgetaute Impfstoffe teils nur wenige Tage haltbar sind, so Hubmann.

Innerhalb von einer Woche habe man einen "ausgeklügelten Bestellprozess" auf Bundesebene entwickelt. "Es war ein sehr aufwendiges Verfahren, aber nur das hat gewährleistet, dass innerhalb kürzester Zeit und vor Ostern Hausärzte impfen können - und das als einziges Bundesland überhaupt", sagt Hubmann.

Apothekerverband: Gerechte Impfstoff-Verteilung schwierig

Auch die gerechte Verteilung des bislang noch immer knappen Impfstoffes sei schwierig, so Hubmann. "Wir müssen den wenigen Impfstoff, den wir haben, so zuteilen, dass möglichst alle eine gewisse Menge Impfstoff bekommen und dann auch wirklich damit impfen können." Deshalb müssten die Ärztinnen und Ärzte ihre Bestellungen auch jeweils eine Woche vor Lieferung aufgeben.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Wolfgang Krombholz, geht davon aus, dass nun deutlich schneller mehr Menschen geimpft sein werden. Nur wenn Hausärztinnen und Hausärzte mit dem Impfen beginnen, könne laut Krombholz sichergestellt sein, dass "wir schneller fertig sein werden mit den Impfungen." Und davon hänge Krombholz zufolge auch die weitere Vorgehensweise in der Pandemie ab.

Hausärzte entscheidend bei Erreichen von Herdenimmunität

Auch der Münchner Hausarzt Friedrich Kiener, Leiter im Impfzentrum Oberschleißheim, glaubt, dass auf diese Weise schneller eine Herdenimmunität erreicht werden könne und stellt hierzu ein Rechenbeispiel auf: Rund 50.000 Hausärztinnen und Hausärzte würden künftig in Deutschland gegen das Coronavirus impfen. Kiener zufolge sei es realistisch, dass die Ärztinnen und Ärzte am Tag 20 Patientinnen und Patienten impfen. "Das wären dann in einem Monat 20 Millionen, wenn sie das ganze drei Monate durchführen, haben wir 60 Millionen Deutsche allein nur in den Hausarztpraxen geimpft."

Theoretisch zumindest. Die Unbekannte in dieser Gleichung ist aber der Impfstoff. Und genau hier gab es wenige Stunden vor dem hausärztlichen Impfstart eine Art "Impf-Notbremse": Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt den AstraZeneca-Impfstoff nun noch für über 60-Jährige.

Bayerischer Gesundheitsminister: "Impfstoff trotz allem wirksam"

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek war nicht begeistert. "Es bleibt eins bestehen: Dass der Impfstoff trotz allem wirksam ist. Wobei ich es als ziemliches Desaster erstmal empfinde. Der Impfstoff war ja freigegeben für unter 65 Jahre." Kein Desaster, aber mindestens komplizierter mache die Entscheidung den Impfprozess, sagt auch Hans-Peter Hubmann vom Apothekerverband. Impfzentren und Hausärztinnen und Hausärzte müssten nun gegebenenfalls umplanen.

Für den Münchner Impfarzt Friedrich Kiener ändert sich erstmal nichts. Er hat für Donnerstag ohnehin nur über 70-Jährige in seine Praxis bestellt.

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