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Haus-Explosion: Suche nach Verschütteten auch in der Nacht | BR24

© pa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Nach der Explosion eines Hauses in Rettenbach ist eine schwer verletzte Frau geborgen worden. Ihr Kind und ihr Mann werden vermisst.

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Haus-Explosion: Suche nach Verschütteten auch in der Nacht

Nach der Explosion eines Hauses in Rettenbach im Allgäu werden ein siebenjähriges Mädchen und sein Vater noch unter den Trümmern gesucht. Die Suche geht in der Nacht weiter. BR24 berichtet von der dramatischen Rettungsaktion.

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Seit Stunden versuchen 350 Einsatzkräfte nun schon, zwei Personen aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses in Rettenbach am Auerberg (Lkr. Ostallgäu) zu retten. Am Morgen war das dreistöckige Zweifamilienhaus nach einer Explosion komplett zerstört worden. Im Schweinwerferlicht, zum Teil mit bloßen Händen, graben sich die Helfer durch die Trümmermassen – es ist ein Wettlauf gegen die Zeit getragen von der Hoffnung, das siebenjährige Mädchen und ihren 42-jährigen Vater noch lebend zu retten. Er geht in der Nacht weiter.

Explosion hat mehrere Menschen verschüttet

Seit 10 Uhr morgens sind hunderte Retter vor Ort – die meisten von Ihnen ehrenamtlich von Feuerwehr, Rettungsdienst oder THW. Das Haus in dem die Explosion passierte ist komplett zusammengestürzt – weitere Nachbarhäuser wurden durch die Detonation beschädigt. Kurz nach Eintreffen konnte eine Frau aus dem Schuttberg befreit werden doch seitdem gibt es kein weiteres Lebenszeichen.

© BR

BR-Reporter Andreas Herz

Anfänglich wurde eine Gasexplosion vermutet – das ist aber eher unwahrscheinlich, da das Haus keinen Erdgasanschluss hat – nur in der Straße liegt eine Gasleitung. Andere explosive Mittel wurden laut Polizei bisher auch nicht gefunden. Die Experten stehen vor einem Rätsel – darum wurde ein spezieller Physiker hinzugezogen und weitere Gutachter. So lang das Wetter aushält, soll die Suche weitergehen für die Nacht sind zum Teil starke Regenfälle angekündigt.Die Mutter konnte schwer verletzt geborgen werden. Sie hatte durch Schreie aus dem Keller auf sich aufmerksam gemacht.

Zwei weitere Kinder des Ehepaares hatten Glück im Unglück. Sie waren außer Haus auf dem Spielplatz, als sich die Explosion ereignete. Sie werden psychologisch betreut. Gleich nach dem Unglück hatte die Polizei befürchtet, dass bei der Explosion sogar sieben Menschen verschüttet sein könnten, denn in dem Haus waren noch zwei weitere Erwachsene gemeldet. Auch sie waren nicht zu Hause.

Kein Lebenszeichen

Nach dem verschütteten Mädchen und seinem Vater wird den ganzen Sonntag über fieberhaft gesucht. Bis zum Abend gibt es aber kein Lebenszeichen von ihnen, und die Suche ist äußerst schwierig. Stahl, Holz und Betonteile türmen sich meterhoch übereinander. Die Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot vor Ort. Feuerwehr, THW und auch die Bergwacht setzten zunächst schweres Gerät ein, um die Trümmerteile abzutragen.

Gleichzeitig wird mit Spürhunden und Sonden nach den Vermissten gesucht. Sogar Experten, die normalerweise bei Erdbeben zum Einsatz kommen, wurden eingeflogen. Hubschrauber sind vor Ort, um Gerettete schnell in Krankenhäuser fliegen zu können.

© News5

Einsatzkräfte suchen in Rettenbach fieberhaft nach den Verschütteten

Zusammengefallen wie ein Kartenhaus

Die Wohnstraße in einem Neubaugebiet am Rande der 800-Seelen-Gemeinde Rettenbach am Auerberg ist nach der Detonation nur noch ein Trümmerfeld. Das Dach des Gebäudes lag bei Eintreffen der Rettungskräfte auf dem Erdgeschoss. Die darüberliegenden Stockwerke sind quasi verschwunden, das elf Meter hohe Haus ist komplett zerstört. Es fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus, wie Polizeisprecher Edmund Martin schildert.

"Selbst für Polizisten ein unfassbares Bild der Verwüstung", so Martin. Die Druckwelle war so stark, dass Trümmer im Umkreis von 200 bis 300 Metern verstreut liegen. Ein Auto, das in der Garage des Hauses stand, wurde mehrere Meter weit herauskatapultiert.

Gas-Explosion als Ursache?

Die Explosion hat im Inneren des Hauses stattgefunden, da ist sie die Polizei sicher. Doch die Experten rätseln, was der Grund dafür war. Landratin Maria Rita Zinnecker hat sich ebenfalls an der Unglücksstelle umgesehen und war erschüttert von der Wucht der Detonation. Sie bestätigte dem Bayerischen Rundfunk, dass es keinen offiziellen Gasanschluss für das relativ neue Haus gab. Die Polizei hat jetzt einen Physiker zu Rate gezogen, er analysiert derzeit den Explosionsherd.

Nachbarhaus beschädigt

Ein Brand ist bei der Explosion nicht ausgebrochen. Die Detonation war aber so stark, dass auch ein Nachbarhaus und mehrere Autos auf der Straße beschädigt wurden. Aus Sicherheitsgründen ist im Gebiet um das Haus der Strom abgestellt.

Ort steht unter Schock

In Rettenbach herrscht eine Stimmung zwischen Ungläubigkeit, Entsetzen und Hoffen, dass die Verschütteten gerettet werden können. Viele stehen unter Schock. Eine Nachbarin schildert dem BR die dramatischen Minuten nach der Explosion am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr.

"Es war ein Bumm und eine Riesen-Rauchwolke. Die Nachbarn kamen raus. Alle waren schockiert und dachten nur: Hoffentlich waren sie nicht drin." Nachbarin

15 Anwohner mussten die umliegenden Häuser verlassen und werden von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Retter geben nicht auf

Auch für die Retter ist das eine Ausnahmesituation. Trotz der psychisch und körperlich schweren Arbeit gehen sie an ihre Grenzen. Sie suchen nun schon seit Stunden mit Motorsägen und Hebegeräten oder graben mit bloßen Händen in den Resten des Hauses.

Trotzdem: "Niemand will aufhören", so Polizeisprecher Edmund Martin. "Alle sagen: wir müssen sie rausholen. Wir versuchen wirklich alles." Dass am Mittag die Frau gerettet werden konnte, mache allen große Hoffnung.

Sie wollen die ganze Nacht hindurch suchen, sollte das nötig sein. Sorgen bereitet derweil der Wetterbericht: es sind Regen, Hagel und Gewitter angekündigt. Düsteres Ende eines Tages, der am Morgen für Rettenbach mit einer Tragödie begann.