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Haus der Kunst muss sparen: Personal soll entlassen werden | BR24

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Haus der Kunst muss sparen: Personal soll entlassen werden

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Haus der Kunst muss sparen: Personal soll entlassen werden

Das Münchner Ausstellungshaus hat finanzielle Probleme. Sogar Ausstellungen mussten abgesagt werden. Jetzt sollen auch Aufsichts- und Kassenleute entlassen werden.

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Finanziell steht es um das Haus der Kunst nach wie vor nicht gut, wie in einer schriftlichen Mitteilung der Hausspitze unter Geschäftsführer Bernhard Spies eingeräumt wird. Dort heißt es:

„Die wirtschaftliche Lage des Hauses ist zwingend optimierungsbedürftig. Dabei habe sich gezeigt, dass die aktuelle Struktur des Aufsichtspersonals mit einem sehr hohen Anteil an geringfügig Beschäftigten und Teilzeitbeschäftigten einen sehr hohen Organisationsaufwand erfordert und deshalb unwirtschaftlich ist.“

Betroffene wehren sich

Deshalb sollen nun die Museumswärter entlassen werden, die Kassenleute und das Aufsichtspersonal. Ihre Aufgaben soll ein externes Unternehmen übernehmen. Dagegen wehren sich die Betroffenen, wie die 60-Jährige Caroline Topp. Sie hat für diese Art der Einsparungen kein Verständnis:

„Unser Haus der Kunst steht in finanziellen Nöten und wir kleinen Leute, sprich Pforte, Kasse und Aufsichten, sollen mit unseren Auflösungsverträgen dafür einstehen, dass andere finanzielle Probleme produziert haben.“ Caroline Topp, Museumsangestellte

Für den Betriebsrat Fabian Vogl ist es besonders ärgerlich, dass die Prüfung der internen Struktur die Geschäftsführung selbst übernommen und keinem Außenstehendem überlassen hat. Inzwischen wurde die Einigungsstelle beim Arbeitsgericht angerufen, nun soll auch eine externe Prüfung stattfinden. Denn für Vogl ist nicht nachvollziehbar, wie durch das Outsourcen von 48 Beschäftigten eine relevante Summe eingespart werden kann. Er fordert auch eine Stellungnahme von Kunstminister Bernd Sibler:

„Der Minister soll auch erklären, warum es wirtschaftlich ist, wenn Herr Spies zum Beispiel in einem anderen Interview gesagt hat, die Beschäftigten sollen in einer Fremdfirma übernommen werden, aber denselben Stundenlohn bekommen, da stellt sich wirklich die Frage, wo ist das Ganze dann noch rentabler, wo ist das ganze billiger?“ Betriebsrat Fabian Vogl

Professionelle Arbeit für weniger als 12 Euro Stundenlohn

Das Haus der Kunst gehört zwar dem Freistaat, betrieben wird es aber von der Stiftung Haus der Kunst, der neben dem Freistaat auch Künstlerverbände und Mäzene angehören. Nicht einmal 12 Euro bekommen die Beschäftigten hier in der Stunde – und das auch erst dann, wenn sie bereits mehr als 3.000 Stunden hier gearbeitet haben. Dafür leisten sie auch gute Arbeit, findet Caroline Topp:

„Zeitgenössische Kunst verlangt häufig auch einen besonderen Besucherzugang. Die Besucher kommen auf uns zu, verstehen die Kunst nicht. Wir sind alle, fast ausnahmslos in irgendeiner Weise mit Kunst verbunden, deshalb arbeiten wir hier, deshalb wollen wir Arbeitsverträge mit dem Haus der Kunst und nicht mit irgendeinem Dienstleister.“

Das Aufsichtspersonal als Schnittstelle zwischen Besuchern und Künstlern. Aus Sicht von Betriebsrat Fabian Vogel ist das nicht hoch genug einzuschätzen: "Wir geben dem Haus ein Gesicht", so Vogl.

SPD sieht Freistaat in der Verantwortung

Dazu gehört auch, dass die Bediensteten hier – im Gegensatz zu ihren Kollegen in den Münchner Pinakotheken – keine Uniformen tragen. Das wiederum hängt mit der Geschichte dieses Nazi-Baus zusammen – und auch das ist wiederum ein Teil der Verantwortung um die Aufklärung, die das Personal hier leistet. Auch deshalb sieht SPD-Landtagsfraktionschef Horst Arnold nun den Freistaat in der Verantwortung, sich hier für die Kultur und ihre Mitstreiter einzusetzen:

„Das ist natürlich skandalös, insbesondere auch deswegen, weil es in München als Aushängeschild der Kultur fungiert. Das passt auch in Richtung der Staatsregierung, die immer große Ankündigungen macht, aber soziale Schicksale im Kleingedruckten entscheidet.“

Nebenan im Bayerischen Nationalmuseum ist übrigens gerade eine Stelle ausgeschrieben – Tarifgruppe E3, das wäre dann ein Stundenlohn von 13 bis 15 Euro. Allerdings sind im Gegensatz zum zeitgenössischen Haus der Kunst die Exponate im Nationalmuseum eher älteren Datums.