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Hass gegen Journalisten - auch in Bayern | BR24

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Journalisten in Bayern bekommen oft hasserfüllte Kommentare bis hin zu Morddrohungen. So das Ergebnis einer nicht repräsentativen Studie der Universität Bielefeld. Zwölf Prozent der Befragten berichtet sogar von körperlicher Gewalt.

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Hass gegen Journalisten - auch in Bayern

Hass-Kommentare, Drohungen, teilweise sogar körperliche Gewalt: Viele Journalistinnen und Journalisten in Bayern haben das bereits erlebt. Das zeigen die heute vorgestellten Zahlen einer Studie.

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Ein wütender Leserbrief, ein böser Online-Kommentar unter einem Artikel, ein erboster Anruf in der Redaktion - die meisten Journalistinnen und Journalisten haben das schon erlebt. Klar ist: Auch heftige Reaktionen gehören zum Geschäft - und Kritik an der eigenen Arbeit ist nicht nur wichtig, sondern beim Austausch von Meinungen sogar lebensnotwendig. Aber es gibt Grenzen - und auch bayerische Journalisten berichten, dass diese Grenzen immer wieder überschritten werden.

Hass-Kommentare per Mail oder in sozialen Netzwerken, teilweise auch körperliche Gewalt: Mit solchen Reaktionen waren 60 Prozent der Journalistinnen und Journalisten in Bayern in den vergangenen zwölf Monaten konfrontiert. Das geht aus der heute veröffentlichten Sonderauswertung einer entsprechenden Studie der Universität Bielefeld hervor, die allerdings angesichts von 76 Teilnehmern aus Bayern laut den Autoren nicht repräsentativ ist.

Auch körperliche Angriffe und Morddrohungen

Dennoch geben die Zahlen Anlass zur Besorgnis. Denn demnach erhielten gut 13 Prozent der befragten bayerischen Journalisten sogar Morddrohungen. Knapp 12 Prozent wurden körperlich attackiert. Die häufigsten Angriffe erlebten Journalisten im Freistaat per E-Mail (59 Prozent) und über soziale Medien (54 Prozent), gefolgt von Leserbriefen und Kommentarfunktionen (jeweils 28 Prozent) sowie persönlich (22 Prozent). 96 Prozent der Befragten unterstellen den Angreifern eine politische, 15 Prozent eine religiöse Motivation. Politisch verorten 76 Prozent der Befragten ihre Angreifer im rechten, acht Prozent im linken Spektrum.

Laut dem Gewaltforscher Andreas Zick, der die Studie durchgeführt hat, sind es ganz bestimmte Themen, die solche Hassreaktionen auslösen. "Migration, Flüchtlinge, Politik und AfD - das sind sogenannte Hot Topics", berichtet Zick. Durch die Corona-Krise habe diese Entwicklung eine neue Dimension bekommen, teilweise haben es Journalisten laut dem Wissenschaftler inzwischen mit "ungebremsten Hass-Angriffen" zu tun.

Sexualisierte Gewalt gegen Journalistinnen

Dazu kommt: Journalistinnen sind häufig sexualisierter Hass-Rede ausgesetzt. Anna-Lena von Hodenberg von der Organisation "Hate-Aid" sagt, dass weiblichen Medienschaffenden in diesem Zusammenhang häufig mit Vergewaltigung gedroht werde. Teilweise werde auch das Gesicht einer Journalistin via Bildbearbeitung auf einen nackten Frauenkörper montiert und im Netz dann in diversen Foren veröffentlicht.

Eine MDR-Journalistin habe sich selbst sogar auf diese Art "in pornographischen Videos wiedergefunden", berichtet von Hodenberg. Ihre Organisation unterstützt Betroffene, sich gegen solche psychisch extrem belastenden Angriffe zu wehren.

Bayern: Fünf Anzeigen, zwei Verurteilungen

Grundsätzlich trafen hasserfüllte Kommentare die befragten Journalisten in Bayern laut der Studie zuletzt ungefähr oft wie im Bundesdurchschnitt. Körperliche Angriffe und Morddrohungen kamen dagegen etwas seltener vor. In fünf Fällen stellten Betroffene im Freistaat Strafanzeige wegen hasserfüllter Kritik. Daraufhin gab es in allen Fällen polizeiliche Ermittlungen - und in zwei Fällen auch eine Verurteilung. Zum Vergleich: In den anderen Bundesländern wurden zusammen insgesamt 24 Anzeigen erstattet - 16 Mal kam es zu Ermittlungen, dreimal zu Verurteilungen.

Auch generell registrierte die bayerische Justiz zuletzt mehr Delikte in den Bereichen Volksverhetzung und Hassrede. Der bayerische Hate-Speech-Beauftragte Klaus-Dieter Hartleb sagt: Schon im ersten Quartal dieses Jahres seien bei den dafür zuständigen Sonderdezernaten mehr Fälle von Hasskriminalität im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie eingegangen - meist habe es sich bei den angezeigten Fällen um antisemitische Äußerungen gehandelt.

mit Informationen von dpa und epd

Hinweis: Die gesamte Studie "Hass und Angriffe auf Medienschaffende", veröffentlicht von Forschern der Universität Bielefeld, finden sie hier.

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