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Haselmausbrücke in Vilshofen im Schwarzbuch der Steuerzahler | BR24

© BR/Katharina Häringer

Ein großes Bauwerk für ein kleines Tier sorgt in Vilshofen (Lkr. Passau) weiter für heftige Diskussionen. Die Haselmausbrücke steht jetzt sogar im diesjährigen Schwarzbuch der Steuerzahler. Das Staatliche Bauamt kontert mit Fakten.

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Haselmausbrücke in Vilshofen im Schwarzbuch der Steuerzahler

Ein großes Bauwerk für ein kleines Tier sorgt in Vilshofen (Lkr. Passau) weiter für heftige Diskussionen. Die Haselmausbrücke steht jetzt sogar im diesjährigen Schwarzbuch der Steuerzahler. Das Staatliche Bauamt kontert mit Fakten.

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Die Haselmausbrücke in Vilshofen steht im diesjährigen Schwarzbuch der Steuerzahler. Das hat der Bund der Steuerzahler in München bekannt gegeben. Der Bau der Brücke kostete 93.000 Euro. Sie ermöglicht es dem streng geschützten Nagetier, eine Staatsstraße zu überqueren, um von der einen Seite des Biotops auf die andere zu kommen.

Begründung fehlt

Warum die Brücke im Schwarzbuch steht, wird nicht deutlich. Die Begründung für diese Entscheidung fehlt. Der Bund der Steuerzahler führt lediglich an, dass zu hoffen bleibt, "dass die Haselmäuse tatsächlich einmal den Weg über ihre 93.000 Euro teure Brücke finden und die Querungshilfe zahlreich frequentieren werden."

Bauamt zweifelt Kompetenz an

Das Staatliche Bauamt Passau kontert: "In seiner Beurteilung lässt der Bund der Steuerzahler geltende Naturschutzgesetze und sogar ein Gerichtsurteil (…) völlig außer Acht. (…) Die Auffassung des Steuerzahlerbundes irritiert umso mehr in einer Zeit, in der Themen wie Umweltschutz und Artensterben immer mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Da stellt sich die Frage nach der fachlichen Kompetenz des Steuerzahlerbundes in der Beurteilung sehr komplexer ökologischer Sachverhalte."

Biotop wurde zerschnitten

Das Staatliche Bauamt Passau hat die Brücke für das streng geschützte Nagetier vor einem Jahr gebaut. Sie ist das Ergebnis eines vor Gericht geschlossenen Vergleichs. Denn der Freistaat plante die Ortsumgehung von Vilshofen zunächst, ohne sich darum zu kümmern, dass durch den Bau ein Biotop zerschnitten würde. Der Bund Naturschutz beklagte diese Baupläne mit Verweis auf einschlägige Umweltschutzgesetze.

Experten wurden befragt

Das Bauamt reagierte: Mit Biologen wurde ein Konzept erarbeitet, wie die Haselmaus die Staatsstraße überqueren könnte. Das Ergebnis heißt: Haselmausbrücke. Über Büsche und Bäume soll der Nager auf die sieben Meter hohe Brücke klettern können. Die Brücke ist als Hohlraum konzipiert und mit Reisig und Laub gefüllt. Über Äste soll das Tier den 20 Meter langen Weg auf die andere Straßenseite zurücklegen. Das Vorbild dazu kommt laut Bauamt aus Japan.

Zweite Brücke nicht ausgeschlossen

Ob die Haselmaus die Brücke annehmen wird, steht noch nicht fest. Das Monitoring dazu läuft seit März. Biologen überprüfen Kot- und Fraßspuren im Geäst. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird entschieden, ob noch eine zweite Querungshilfe gebaut wird oder nicht.