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Harmonie in Grau: CSU-Klausur in Berlin | BR24

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Die Pandemie hat auch die Pläne der CSU-Landesgruppe für ihre Winterklausur über den Haufen geworfen. Statt im beschaulichen Kloster Seeon treffen sich die Bundestagsabgeordneten in Berlin. Zugeschaltet wurde auch die Kanzlerin.

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Harmonie in Grau: CSU-Klausur in Berlin

Die CSU-Landesgruppe hat sich pandemiebedingt diesmal in Berlin zu ihrer Jahresauftaktklausur getroffen. In der dauergrauen Hauptstadt wollte keine rechte Bergkulissen-Panorama-Stimmung aufkommen. Selbst die Kanzlerin vermisst die schönen Bilder.

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Von
  • Anita Fünffinger

Normalerweise beginnt eine Klausur der CSU-Landesgruppe mit viel Gewusel. Journalisten, Kameraleute und Fotografen treten sich gegenseitig auf die Füße, wenn der Einmarsch der Parteispitze zum Tagungsort in Seeon – oder früher im oft noch mehr verschneiten Kreuth – beginnt. Es gibt dutzende Bilder von teuren Lederschuhen, die im bayerischen Schnee nicht nur ungeeignet sind, sondern auch sehr schnell für kalte Füße sorgen.

Wegen der Corona-Pandemie war der Zugang für die Presse bei der Tagung im Berliner Congress Center, bcc, aber dezimiert. Und so merkten die in Handys und Zeitungen versunkenen Journalisten zum Auftakt der ersten Pressekonferenz gar nicht, dass Landesgruppenchef Alexander Dobrindt längst auf dem Podium am Mikrofon stand. Die sonst übliche Hektik der Kameraleute und das Klicken der Kameras hatten gefehlt.

Statt Themen stehen Personen im Vordergrund

Die inhaltlichen Fragen, die die CSU bei dieser Klausur besprechen wollte, rückten zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund. Anders als sonst versuchte Landesgruppenchef Alexander Dobrindt auch gar nicht, ein bestimmtes Thema medienwirksam zu setzen. Auf der inhaltlichen Agenda standen Klimafragen ebenso wie die Verteidigungspolitik - die CSU hatte sich dafür extra NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg per Videoschalte eingeladen – oder familienpolitische Fragen wie Kinderbetreuungskosten oder Digitalisierung. Im Wesentlichen war die Klausur nur von einer Frage geprägt: Wer wird Kanzlerkandidat?

Dobrindt spielt mit K-Frage

In einer Woche wählt die CDU ihren neuen Vorsitzenden. Die CDU-Delegierten sollen zwischen Armin Laschet, Friedrich Merz oder Norbert Röttgen entscheiden. Und bis dahin schaut die CSU als Randfigur zu. Ratschläge gibt sie selbstverständlich keine, eine Einmischung im umgekehrten Fall würden sich die Christsozialen schließlich auch verbitten. Alexander Dobrindt wiederholte also gebetsmühlenartig, dass man die Wahl der CDU abwarte und dann "nach Ostern" und "in aller Ruhe" einen Kanzlerkandidaten ausrufen werde.

Der Landesgruppenchef sendet lieber zweideutige Botschaften. Als Markus Söder neben ihm vor der Hauptstadtpresse steht, holt Dobrindt zu einem langen, denkwürdigen Satz aus: "Wenn die Menschen nach Richtung und Orientierung suchen, dann schauen sie nicht nur nach Berlin, sondern auch nach München, sie schauen nicht nur auf die Bundesregierung, sondern sie schauen auch auf den bayerischen Ministerpräsidenten, auf den Parteivorsitzenden der CSU."

Söder kann mit allen drei CDU-Kandidaten

Markus Söder muss nach diesen Worten kein Pokerface machen, er trägt ohnehin eine Maske. Daher lässt sich nach dieser Fast-Kanzlerkandidaten-Ausrufung durch den CSU-Landesgruppenchef keinerlei Reaktion erkennen. Söder pariert professionell und gelassen. Er werde sich nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 14. März mit dem neuen CDU-Vorsitzenden zusammensetzen und dann "reden wir drüber, wer ein guter Vorschlag wäre, wer am geeignetsten wäre". Er komme mit allen drei Kandidaten gut klar, lenkt Söder ab. Mögliche eigene Ambitionen kann der bayerische Ministerpräsident wie immer gut verstecken.

Harmonie mit der Kanzlerin

Den Krach, den allen voran der ehemalige CSU-Chef Horst Seehofer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel angezettelt hat, haben sie in der CSU nicht vergessen. Manche würden die Vergangenheit gerne streichen, aber so geht das halt nicht. Alexander Dobrindt begrüßt die Bundeskanzlerin besonders herzlich und bedankt sich mehrmals für ihre Bereitschaft, bei der Klausur per Videoschalte teilzunehmen. Angela Merkel kontert: "Ich bin mir der besonderen Bedeutung bewusst, dass ich zu eurer Klausurtagung eingeladen bin." Die Beziehungen beider Parteien seien "ein lebendiges Buch", so die Bundeskanzlerin. "Das Kapitel, das wir seit geraumer Zeit gestalten, ist das Kapitel der Gemeinsamkeit." Ratschläge werde sie der Union im Wahlkampf nicht geben, weil sie bekanntermaßen nicht mehr antrete.

Sobald es geht: Klausur wieder in Bayern

Selbst die Kanzlerin scheint die Panorama-Bilder aus den oberbayerischen Bergen zu vermissen. In anderen Zeiten wäre sie wohl gern nach Bayern gekommen, "wo es den Schnee und das Ambiente gibt, das die CSU ausmacht". Und auch Alexander Dobrindt hätte wohl gern andere Bilder gehabt als die vom grauen Alexanderplatz. "Die Kulisse von Kreuth und die Kulisse von Seeon, die wir alle schon so gewohnt sich, die gibt es hier nicht." Die CSU im Deutschen Bundestag sei dann wieder mit ihren Klausuren in Bayern, wenn die Pandemie-Situation es zulasse.

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