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Harman schließt Straubinger Werk - 625 Arbeitsplätze weg | BR24

© BR/Kathrin Unverdorben

Der Automobilzulieferer Harman schließt sein Werk in Straubing noch in diesem Jahr. Dadurch verlieren 625 Menschen ihren Arbeitsplatz in Niederbayern.

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Harman schließt Straubinger Werk - 625 Arbeitsplätze weg

Noch in diesem Jahr wird der Automobilzulieferer Harman sein Werk in Straubing dicht machen. Das bedeutet: 625 Arbeitsplätze fallen weg. Die Produktion wird nach Ungarn verlagert.

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Der Automobilzulieferer Harman schließt sein Werk in Straubing noch in diesem Jahr. Wie aus einer am Donnerstagnachmittag veröffentlichten Pressemitteilung hervorgeht, verlieren dadurch 625 Menschen ihren Arbeitsplatz in Niederbayern. Begründet wird der Schritt mit dem steigenden Kostendruck auf die Zuliefererindustrie.

"Alle Optionen für Straubing untersucht"

Harman reagiere damit auf Absatzrückgänge, neue Technologien, zunehmende Automatisierung und neue Mobilitätskonzepte der Automobilindustrie und den daraus resultierenden Kostendruck und die neuen Herausforderungen für Zulieferer, heißt es. Und weiter: Um wettbewerbsfähig in Deutschland fertigen zu können, habe Harman "alle strategischen Optionen für den Standort Straubing untersucht und kommt zu dem Schluss, den Betrieb einstellen zu müssen". Die im Werk Straubing laufende Produktion von Infotainment- und Automotive-Audio-Lösungen soll schrittweise an andere Standorte verlegt werden: Genannt werden zwei bereits existierende Werke in Ungarn.

Sozialverträgliche Lösung gesucht

Auch vom Personalabbau betroffen sind zwei Harman-Tochtergesellschaften und Stellen in der Entwicklungsorganisation. Personalvorstand John Stacey sagt: "Wir sind uns unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst. Wir haben es geschätzt, während vieler Jahre Teil der Stadt Straubing zu sein, sehen aber keine andere Lösung als die Schließung. Keine der anderen Optionen ist wirtschaftlich tragfähig". Nun soll zusammen mit dem Gesamtbetriebsrat eine sozialverträgliche Lösung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden werden, so Stacey.

Ein Unternehmenssprecher sagte, die Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern begännen jetzt. Der bayerische IG-Metall-Vorsitzende Johann Horn sagte: "Die IG Metall, der Betriebsrat und die Beschäftigten werden den Schließungsplan nicht kampflos hinnehmen."

Oberbürgermeister Pannermayr enttäuscht

Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) äußerte sich am Nachmittag sehr betroffen über die offizielle Bekanntmachung zur Schließung des Harman-Werks Straubing. "Aus den geführten Gesprächen war mir der Ernst der Lage klar. Insbesondere der Betriebsratsvorsitzende hat mir eine sehr präzise Einschätzung vermittelt. Dennoch hofft man natürlich bis zuletzt. Zweifelsohne ist das eine sehr, sehr bittere Nachricht für den Wirtschaftsstandort Straubing, auch im Hinblick auf die fast sechzigjährige Tradition des Unternehmens. Viel entscheidender ist aber das Schicksal der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien."

Nach Pannermayrs Einschätzung habe man am Standort Straubing sehr gut und erfolgreich gearbeitet. Umso bitterer sei es, wenn derartige Entscheidungen offenbar ausschließlich im Hinblick auf die Kostenfaktoren getroffen werden und Werte wie Qualifikation, Zuverlässigkeit und Engagement der Mitarbeiter nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Kurzfristig hat Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) am späten Nachmittag noch seinen Besuch in Straubing angekündigt. Er will sich vor Ort ein Bild vom Wirtschaftsstandort Straubing machen und mit dem Oberbürgermeister der Stadt und mit Pressevertretern sprechen.

Harman weltweit tätig

Das Unternehmen beschäftigt aktuell rund 30.000 Angestellte in Nord- und Südamerika, Europa und Asien. Harman-Tochtergesellschaften betreiben in Deutschland neben dem Werk in Straubing Standorte in Böblingen, Garching, Karlsbad, Köln und Ulm. Außer Straubing bleiben alle diese Standorte bestehen, heißt es in der Pressemitteilung.

Harman entwickelt und produziert - laut eigener Aussage - vernetzte Produkte und Lösungen für Autohersteller, Endkunden und Unternehmen weltweit. Dazu zählen unter anderem Connected-Car-Lösungen, Audio- und visuelle Produkte, Automatisierungslösungen sowie Services zur Unterstützung des Internets der Dinge. Mehr als 50 Millionen zugelassene Autos sind mit Audio- und Connected-Car-Systemen von Harman ausgestattet.

© BR

Für Automobilzulieferer, die in Bayern bleiben wollen, "tun wir wirklich alles", sagt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Freie Wähler. Allerdings könne man Firmen nicht zum Hierbleiben zwingen.