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Harman-Aus in Straubing: Mitarbeiter planen "Kreuzzug" | BR24

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Rund 600 Mitarbeiter des Automobilzulieferers Harman in Straubing verlieren ihre Arbeit. Das Unternehmen schließt.

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Harman-Aus in Straubing: Mitarbeiter planen "Kreuzzug"

Rund 600 Mitarbeiter des Automobilzulieferers Harman in Straubing verlieren ihre Arbeit. Das Unternehmen schließt. Deswegen ist ein symbolischer Akt des Abschiednehmens geplant - eine Art Kreuzzug vor den Werkstoren.

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Der internationale Automobilzulieferer Harman in Straubing schließt endügltig seine Tore. Rund 600 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Am Freitag wollen sie ein letztes Mal vom Harman-Werk und ihren Kollegen Abschied nehmen, mit einer Art Kreuzzug. Am Nachmittag wollen die Harman-Mitarbeiter symbolisch Grablichter auf einem Holzkreuz niederlegen. Monatelang haben die rund 600 Beschäftigten gegen die Werksschließung demonstriert. Doch ein neuer Investor konnte nicht gefunden werden, der internationale Automobilzulieferer verlegt die Produktion aus Kostengründen nach Ungarn.

Schließung trifft Familien

Für die meisten Mitarbeiter ist heute bzw. am 30.6. der letzte Arbeitstag. "Keine Zukunft", "Halbes Leben hier verbracht" oder "Herzschmerz" – das sind die Dinge, die den Mitarbeitern spontan einfallen, wenn man sie auf ihre Situation anspricht. Thorsten Schmidt beispielsweise ist 33 Jahre alt, hat ein Haus gebaut, hat eine Tochter. Er muss nochmal von ganze vorne anfangen. Auch Franz Neuberger muss von vorne anfangen – mit seinen 55 Jahren. Nicht nur er alleine ist betroffen, sondern auch seine Frau, die bei einer externen Sicherheitsdienstfirma bei Harman beschäftigt war.

Mitarbeiter bekommen noch ein Jahr Gehalt

Betriebsratsvorsitzender Thomas Hegewald sieht aber positiv, dass es Abfindungen und eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter gibt: Das heißt, sie bekommen für ein Jahr noch ein Gehalt ausbezahlt. Über 500 Mitarbeiter nehmen dies in Anspruch. In dieser Zeit müssen aber viele von ihnen auf Jobsuche gehen und sich weiterbilden. Viele von ihnen hoffen auf Unterstützung der Politik - in den vergangenen Monaten haben regionale Politiker immer wieder bei den Demonstrationen ihre Hilfe zugesagt. Wie es von Harman heißt, erhalten rund 50 Mitarbeitern "einen Nachteilsausgleich in anderer Form (…), deren Arbeitsplätze an den HARMAN-Standort in Garching bei München verlagert werden."

"Größte Anstrengungen" für Mitarbeiter

Weiter heißt es von Harman, "dass gemeinschaftlich mit den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern größte Anstrengungen unternommen und in enger Zusammenarbeit eine sozialverträgliche Lösung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden wurde, die von dem Verlust oder der Verlagerung ihres Arbeitsplatzes durch die Schließung betroffen sind." In der Stellungnahme von Harman wurde auch auf die schwierige Situation während Corona hingewiesen. Harman kündigte aber bereits im Januar schon die Werkschließung an.

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