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An sonnigen Wochenenden ist der Happurger Stausee ein beliebtes Ausflugsziel und entsprechend zugeparkt. Das sorgt für Unmut und Probleme. Eine neu eingerichtete Busverbindung soll die Situation entspannen - für Mensch und Klima.

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"Happurger Stausee Express" soll Parkplatz-Chaos vermeiden

An sonnigen Wochenenden ist der Happurger Stausee ein beliebtes Ausflugsziel und entsprechend zugeparkt. Das sorgt für Unmut und Probleme. Eine neu eingerichtete Busverbindung soll die Situation entspannen – für Mensch und Klima.

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Von
  • Ulrike Nikola

"Alle Parkplätze belegt" – das Schild steht unübersehbar mitten in der Einfahrt zum Parkplatz am Happurger Stausee im Nürnberger Land. Ab mittags ist dort nichts mehr frei, trotzdem kurven Autofahrerinnen und -fahrer durch die vollbesetzten Reihen auf der vergeblichen Suche nach einem Platz. So stellen Viele ihr Auto am Straßenrand, auf Wiesen und Zufahrten sowie in der Gemeinde ab. Das ist nicht nur verboten, sondern auch gefährlich und nervt die Anwohner.

Doch verständlicherweise möchten vor allem am Wochenende viele Menschen raus in die Natur und an den See. Die nahen Ausflugsziele in der Region sind in der Corona-Zeit besonders beliebt, und am See muss man zudem keinen der limitierten Termine ergattern wie im Freibad.

"Happurger Stausee Express": schnell und stressfrei

Der Happurger Stausee ist nicht nur beliebt bei Badegästen und Wassersportlern, sondern auch Start und Ziel für schöne Wandertouren wie beispielsweise auf die Houbirg, eine malerische Felsgruppe oberhalb des Sees. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) bietet deshalb eine neue, sogenannte Freizeitlinie an, also eine regelmäßige Busverbindung zu den schönen Zielen ringsherum.

Dieser neue "Happurger Stausee Express" startet am Bahnhof Hersbruck Rechts der Pegnitz und hat eine direkte Anbindung an den Regional Express von Nürnberg, Amberg-Sulzbach und Bayreuth. So dauert beispielsweise die Fahrt vom Nürnberger Hauptbahnhof bis zum See nur 31 Minuten, sie ist also schneller als mit dem Auto. Dieses neue Angebot ist aufgrund einer gemeinsamen Initiative des Busunternehmens Meidenbauer, dem Landratsamt Nürnberger Land und dem VGN entstanden.

Nachhaltig und klimafreundlich

Gleichzeitig startet noch ein weiteres Angebot: Mit dem neuen "Pegnitztal Express" stockt der VGN seine Freizeitlinien auf insgesamt 27 Verbindungen in Nordbayern auf. Das Pegnitztal ist nicht nur ein Eldorado für Wanderer, sondern auch ideal zum Klettern und Paddeln. So kann man beispielsweise eine Kanutour in Artelshofen starten und bis Eschenbach oder Hohenstadt paddeln, jeweils mit Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel.

"Zwar ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs während der Corona-Pandemie stark gesunken," sagt Ulrich Büscher, Freizeitexperte beim VGN, doch er hofft, dass sich diese Entwicklung bald wieder umkehren werde. Für ihn liegen die Vorteile klar auf der Hand: Bahn und Bus bieten nicht nur eine schnelle, stressfreie Anreise zum Freizeitvergnügen, sondern auch unterschiedliche Start- und Zielorte für eine Wander- oder Paddeltour. So können die Fahrgäste beispielsweise am Eingang zum Schottental aussteigen und über den Hohlen Fels zum Happurger Stausee laufen. "Danach können sie im Biergarten gemütlich anstoßen, ohne über ihre Fahrtauglichkeit nachzudenken", ergänzt Ulrich Büscher.

In Zeiten der Fridays-For-Future-Bewegung und Umweltschutz-Debatten setze der öffentliche Nahverkehr auch ein Zeichen für mehr Klimafreundlichkeit. "Allein wenn hundert bis zweihundert Menschen ohne Auto anreisen, sind das rund 50 Fahrzeuge weniger und somit auch eine geringere CO2-Belastung", so Büscher.

© Ulrike Nikola / BR
Bildrechte: Ulrike Nikola / BR

Entspannt am Happurger Stausee, wenn man stressfrei anreist.

Nutzer haben klare Vorstellungen

Wenn man die Ausflügler rund um den Happurger Stausee fragt, ob sie durch das neue Bus-Angebot vom eigenen Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen werden, reagieren einige positiv. Allerdings ist es ihnen wichtig, dass Bahn und Bus regelmäßig fahren, dass die Anbindung zu ihrem Wohnort gut und der Fahrpreis erschwinglich sind. So kostet das TagesTicket Plus rund 20 Euro und gilt am Wochenende an zwei Tagen, also Samstag und Sonntag, für zwei Erwachsene plus vier Kinder, Rad oder Hund. Unter der Woche ist es einen Tag gültig.

Viele Ausflügler kommen auch mit dem Fahrrad, machen eine Rundtour oder nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel streckenweise. Das sorgt für eine bessere Lebensqualität der Menschen, die in Happurg und Umgebung wohnen. So bleiben sie an den Wochenenden von Staus, Abgasen und gefährlichen Verkehrssituationen verschont, wenn beispielsweise Badegäste samt Surfbrett zwischen parkenden Autos unerwartet auf die Straße springen.

"Pilotjahr" in Sachen Freizeit

Begriffe wie "Overtourism" oder "Freizeitdruck" klingen für eine Region wie die Hersbrucker Schweiz zurecht übertrieben. Aber sie verdeutlichen, dass es in beliebten Gebieten ein sinnvolles und attraktives Konzept für eine nachhaltige Entwicklung des Freizeittourismus braucht. "Wir wollen den Menschen entgegenkommen", sagt Thomas Schmidt, 2. Bürgermeister von Happurg, "und haben zusätzliche Parkplätze am Stausee geschaffen, aber das ist nicht im Sinne der Umwelt."

Deshalb begrüßt er das neue Bus-Angebot und hofft, dass mehr Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen werden. "Im Gemeinderat betrachten wir es als Pilotjahr, in dem wir nun beispielsweise neue WC-Möglichkeiten stellen und noch Umkleidekabinen schaffen wollen", erklärt Thomas Schmidt. Es sei eine Gemeinschaftsaufgabe von der Gemeinde, den Anwohnern, Landwirten, Gastronomen, dem Landratsamt Nürnberger Land, den Rettungsorganisationen, dem Fischereiverband und Weiteren, um alle Belange von Wirtschaftlichkeit über Sicherheit bis Umweltschutz zu berücksichtigen. So soll beispielsweise zeitnah noch ein sicherer Übergang von den Bushaltestellen direkt zum See soll geklärt werden.

Happurger Stausee: Besucherandrang sinnvoll steuern

Darüber hinaus hatte der Gemeinderat vor einiger Zeit darüber beraten, ob sie Badestege ins Wasser bauen. Doch das geht wegen der Haftung nicht so einfach. Denn der Happurger Stausee ist streng genommen kein Badesee, sondern als Teil des Pumpspeicherwerks der Firma Uniper eine wasserrechtlich gewidmete Betriebsstätte. Der private Eigentümer duldet zwar Badegäste als auch Wassersportlerinnen und -sportler, aber es gibt keine Badeaufsicht oder Wasserrettung. Die Nutzung des Happurger Stausees erfolgt somit auf eigene Gefahr.

Grundsätzlich befürwortet der 2. Bürgermeister Thomas Schmidt ein gutes Naherholungskonzept für Menschen in der Region, damit der Besucherandrang gesteuert werde und nicht überhandnehme. Die neue Freizeitlinie des VGN sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

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