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Handwerkliche Betriebe suchen dringend nach neuen Mitarbeitern. In nahezu allen Bereichen ist ein deutlicher Mangel an Fachkräften und Nachwuchs festzustellen. Bayern und insbesondere Unterfranken sind davon enorm betroffen.

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Handwerkermangel in Bayern besonders ausgeprägt

Handwerkliche Betriebe suchen dringend nach neuen Mitarbeitern. In nahezu allen Bereichen ist ein deutlicher Mangel an Fachkräften und Nachwuchs festzustellen. Bayern und insbesondere Unterfranken sind davon enorm betroffen.

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Von
  • Silva Schreiner

Bundesweit fehlen rund 65.000 Handwerker. Das zeigt eine aktuelle Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA). Insbesondere im Süden und Nordwesten Deutschlands sucht das Handwerk dringend nach Personal. Besonders betroffen vom Fachkräfte- und Nachwuchsmangel ist der Regierungsbezirk Unterfranken.

Lange Wartezeiten auf Baustellen als Folge

Unzählige Telefonate und lange Wartezeiten - damit hatte Lisa Risch aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld in Unterfranken zu kämpfen. Der Bau ihres Hauses zog sich in die Länge, obwohl sie bereits ein Jahr im Voraus mit der Planung und Koordination der verschiedenen Handwerksbetriebe begonnen hatte. "Wir hatten schon manchmal längere Wartezeiten, weil sie alle sehr beschäftigt sind und keine Leute bekommen, die mitarbeiten," schildert sie ihre Situation. "Wir haben dann einiges selber machen müssen, und dann ging es ein bisschen schneller."

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ihres Hauses konnte Familie Risch jedoch nicht selbst anbringen. Dafür hatten sie den Betrieb BSH in Bad Königshofen beauftragt, der aufgrund der hohen Nachfrage mit seinen insgesamt 150 Mitarbeitern trotzdem an seine Grenzen kommt: "Wir versuchen natürlich schon, unsere Versprechen gegenüber unseren Mitarbeitern einzuhalten, dass sie ihre versprochene Freizeit auch bekommen", so Geschäftsführer Christian Grünberg, "Das ist ein Grund, warum wir hier und da mal unsere Kunden verschieben, weil unsere Mitarbeitenden sind das wichtigste Gut, und die können wir jetzt nicht sieben Tage die Woche verheizen."

Einige Fachbereiche besonders betroffen

Der Betrieb BSH zählt zu den Fachbereichen, die laut der KOFA-Studie besonders unter dem Mangel an Personal leiden. Dieser lässt sich vor allem in den handwerklichen Berufen in Produktion, Fertigung und Bau verorten.

Von den 26 Handwerksberufen, in denen besonders viele Fachkräfte fehlen, gehören 17 Berufe zu diesen drei Bereichen. Dazu zählen beispielsweise Bauelektrik, Sanitär, Heizung, Klima und Kraftfahrzeugtechnik. Aber auch im Verkauf von Fleischwaren wird händeringend nach qualifiziertem Personal gesucht.

Enormer Handwerkermangel in Unterfranken

Der Hauptsitz der Firma BSH befindet sich in Bad Königshofen in Unterfranken, und damit in der Region Deutschlands, die mit am meisten vom Fachkräftemangel betroffen ist. Denn laut KOFA-Studie sind insbesondere der Süden und Nordwesten Deutschlands Hotspots des Personalrückgangs.

Grundsätzlich sei der Handwerkermangel ein flächendeckendes Problem, jedoch in Baden-Württemberg und Bayern besonders ausgeprägt. Ausdrücklich erwähnt werden in der Studie die Arbeitsagenturbezirke Ansbach-Weißenburg, Schweinfurt und Würzburg. Trotz nachlassender Konjunktur und Corona-Pandemie gab es in diesen Bezirken im Jahr 2020 für mehr als 70 Prozent aller offenen Stellen in überwiegend handwerklichen Berufen keine passend qualifizierten Arbeitslosen.

Peteranderl beklagt Informationsdefizit zu Handwerksberufen

Um den Fachkräftemangel im Handwerk zu beheben, braucht es Nachwuchs. Doch trotz zahlreicher Lehrstellen in ganz Deutschland bewerben sich vergleichsweise wenige Schulabgänger für einen Handwerksberuf. "Wir brauchen natürlich jede Menge Auszubildende in den verschiedenen Gewerken," so Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Bayerischen Handwerkskammer. "In Bayern sinken die Zahlen der Auszubildenden jährlich um fünf Prozent etwa, bundesweit ist die Negativzahl teilweise noch höher."

Nach Meinung des Präsidenten der Bayerischen Handwerkskammer liegt die Ursache der fehlenden Attraktivität eines Handwerksberufes an der mangelnden Information darüber, welche Chancen das Handwerk bietet: "Hier können sich ausgebildete Fachkräfte selbst verwirklichen und auch Führungspositionen einnehmen. Viele Jugendliche haben falsche Vorstellungen über die Verdienstmöglichkeiten im Handwerk."

Akademisierung als Grund für Nachwuchsmangel?

Frische Schulabgänger würden sich aktuell eher für ein Studium entscheiden, als eine Ausbildungsstelle anzutreten. Das könnte laut Ludwig Paul, dem Geschäftsführer der unterfränkischen Handwerkskammer, einer der Gründe für den Nachwuchsmangel in Unterfranken sein: "Es ist so, dass durch die Politik der vergangenen Jahrzehnte die Ausbildung generell einen schlechteren Ruf hat als ein Studium."

"Wir stellen fest, dass etwa 30 Prozent der Leute, die ein Studium beginnen, ohne einen Abschluss wieder von der Universität abgehen," so Peteranderl. "Diese jungen Leute wollen wir hier im Handwerk haben," so der Präsident der Bayerischen Handwerkskammer.

Diese Menschen zu erreichen hat sich auch Geschäftsführer Grünberg von BSH-Energie zum Ziel gemacht: "Man kann nicht sagen, dass die Zeitung tot ist, aber sicher 90 Prozent der Bewerbungen bei uns gehen über Social Media ein." So hat es der Betrieb geschafft, aktuell insgesamt sechs neue Mitarbeiter auszubilden, und hofft so, seine Fachkräftelücke in Zukunft schließen zu können.

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