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Halbzeit im Teil-Lockdown: Wie ist die Stimmung in Bayern? | BR24

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Seit Anfang des Monats befindet sich das Land im Teil-Lockdown - die Hälfte der angekündigten vier Wochen voller Einschränkungen ist also vorbei. Wie kommen die Menschen in Bayern mittlerweile mit den Maßnahmen zurecht? Ein Stimmungsbild.

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Halbzeit im Teil-Lockdown: Wie ist die Stimmung in Bayern?

Langeweile, Gelassenheit, Existenzangst – nach zwei Wochen im Teil-Lockdown ist die Stimmung der Menschen in Bayern durchwachsen. Vielen Menschen fehlt das "normale Leben", andere arrangieren sich mit den Einschränkungen. Eine Halbzeitbilanz.

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Seit zwei Wochen lädt kein Restaurant mehr Gäste zu sich ein. Seit zwei Wochen finden weder Theateraufführungen noch Fitnesskurse statt. Seit zwei Wochen darf man sich nur noch mit Personen eines anderen Haushalts treffen. Und mindestens zwei weitere Wochen wird es mit diesen Einschränkungen auch so weitergehen.

Hoffnung auf ein pünktliches Ende der Einschränkungen

Fragt man Passanten in der Münchner Innenstadt, wie es ihnen zur Halbzeit des Teil-Lockdowns geht, so trifft man zunächst auf eine gewisse Gelassenheit. "Man ist ja schon geübt vom letzten Lockdown Anfang des Jahres. Und man hofft, dass es bald rum ist und nicht nochmal verlängert wird", stellt ein junger Mann um die 30 nüchtern fest, etwas skeptisch. Auf ein schnelles Ende hofft auch eine schwarzhaarige junge Frau, die gerade Pommes aus der Hand isst. "Ich habe meinen Lebensstil stark runtergefahren. Aber wir sind Jugendliche – wir wollen raus, wir wollen feiern, wir wollen unsere Freunde sehen – aber es ist alles tot."

Andere wiederum fühlen sich weniger eingeschränkt. Eine ältere Frau sagt gelassen: "Ich lasse das alles nicht so an mich ran – ich halte mich an die Regeln und gut ist. Und hoffe, dass es bald einen Impfstoff gibt."

Sorgentelefon meldet mehr Anrufer

Aber nicht alle sind gern zum Shopping in der Innenstadt unterwegs. Menschen, die ohnehin etwas abgeschiedener leben, wenig soziale Kontakte pflegen und auf externe Einrichtungen angewiesen sind, leiden zunehmend unter den Einschränkungen. Das bemerkt auch Josef Stautner, Leiter des Sorgentelefons Ostbayerns. "Die Anrufe gehen leicht nach oben seit den Einschränkungen im November", sagt er. Immer häufiger spiele in den Gesprächen auch das Thema Corona eine Rolle, so der Leiter der Telefonseelsorge. Vor allem mit dem Blick auf Weihnachten richten sich viele an ihn. "Es ist nicht klar wie lang der Lockdown noch dauern wird. Und wenn Weihnachten als emotionales Fest in Gefahr ist, ist das für viele ein Thema."

Sorge um Gastronomie um Kunst

Gelassenheit trifft auf Sorge, Langeweile auf Selbstbeschäftigung. Was aber fast alle eint: die Befürchtung, dass besonders betroffene Branchen die Lockdown-Maßnahmen finanziell nicht überleben. Eine Frau mittleren Alters, die im Gesundheitswesen arbeitet, bringt es auf den Punkt: "Ich finde es schade, dass die ganzen Restaurants und Cafés zugemacht haben. Die alles versucht haben, das einigermaßen hinzukriegen. Die tun mir alle leid."

Aber da gibt es noch mehr Betroffene, viele von ihnen trifft man in der Innenstadt an: Der junge Clubbesitzer, mit Kreis-Tattoo unter seinem Auge, der seit März nichts mehr zu tun hat. Die junge Profimusikerin, die mittlerweile auf der Straße spielt, um ein paar Euro dazu zu verdienen. Der Auszubildende, der statt in Gastronomie nun für den Rezeptionsdienst geschult werden muss.

Fitnessstudios kämpfen um ihre Existenz

Schwer ist es auch für Fitnessstudios und Sporteinrichtungen. Kosten für Personal und Mieten laufen weiter, Erträge aber gibt es keine. "Alles was wir tun können, ist Investitionen zurückstellen und Rücklagen aufbrauchen. Es geht nicht anders", sagt Michael Pribil. Er ist Vorstand einer Münchner Fitnesskette. Obwohl er seine Studios nicht öffnen kann, will er für seine Mitglieder da sein. "Wir bieten kostenlose Online-Sessions an, bei dem unsere Kunden, aber auch jeder andere mitmachen kann. Daran verdienen wir zwar nicht. Aber es ist schön, präsent zu sein".

Und das kommt gut an: Bis zu 200 Teilnehmer machen mit, genießen die Bewegung - viele von ihnen nach einem Tag im Homeoffice. Wie viele andere in Bayern blickt auch Michael Pribil aber durchaus zuversichtlich in die Zukunft: "Wir müssen diese Zeit überbrücken, denn eins ist sicher, es wird vorbeigehen. Es gibt den Tag danach. Wir werden nach dem Lockdown, egal, wie viele Lockdowns es geben wird, da sein."

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