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Versuchter Mord durch Unterlassen: Altenpfleger verurteilt | BR24

© BR/Harald Mitterer

Bayern, Landshut: Die Angeklagten sitzen im Verhandlungssaal des Landgerichts.

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Versuchter Mord durch Unterlassen: Altenpfleger verurteilt

Im Fall eines versuchten Mordes sind drei Altenpfleger vom Landgericht Landshut zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Eine der drei hatte einem Patienten ein falsches Medikament gegeben, der Fehler wurde anschließend vertuscht.

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Im Prozess um drei Altenpfleger wegen versuchten Mordes hat das Landgericht Landshut die Urteile gefällt. Eine 61 Jahre alte Pflegerin muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, eine 47-jährige Frau und ein 38-jähriger Mann erhielten Bewährungsstrafen über ein Jahr und neun Monate, beziehungsweise ein Jahr und sechs Monate. Die höchste Strafe bekam damit nicht die Pflegerin, die die Arznei vertauscht hatte, sondern ihre Chefin.

Patient stirbt eine Woche nach Medikamentengabe

Den Ermittlungen nach hatte die 47 Jahre alte Pflegerin im Mai 2016 einem 65-jährigen Bewohner eines Pflegeheimes im Landkreis Dingolfing-Landau versehentlich falsche Medikamente verabreicht. Der Mann starb eine Woche später. Die 61-jährige Vorgesetzte der Angeschuldigten und ein weiterer Pfleger hatten demnach von der Verwechslung gewusst, aber auch nichts unternommen.

Staatsanwaltschaft forderte mehrjährige Haftstrafen

Der Staatsanwalt forderte deshalb Haftstrafen zwischen 2,5 und 3,5 Jahren. Das entscheidende Strafbare sei ihr "Nicht-Handeln" gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Statt die Verwechslung der Medikamente sofort zu dokumentieren und einen Arzt hinzuzuziehen, hätten die Angeklagten versucht, den Vorfall zu vertuschen. Die Verteidiger hingegen plädierten auf Freispruch.

Pflegerin gestand ihre Schuld in einem Brief

Zum Prozessauftakt wurde ein Brief der Pflegerin verlesen, die die Medikamente verwechselt haben soll. In dem Brief an das Landratsamt Dingolfing-Landau gestand sie ihre Schuld ein und berichtete, die ausnahmsweise nicht beschrifteten Tablettenschälchen verwechselt zu haben. Einer Patientin sei aufgefallen, dass sie nicht ihre eigenen Tabletten bekommen hatte. Der Mann habe die falschen Medikamente zu dem Zeitpunkt bereits eingenommen.

Vorgesetzte habe Pflegerin abgehalten, den Vorfall zu melden

Die Pflegerin gab an, sie habe den Vorfall melden wollen, jedoch habe ihre Vorgesetzte sie davon abgehalten. Diese wiederum schilderte in einem verlesenen Ermittlungsprotokoll, sie habe die Kollegin, die erst seit Kurzem in dem Pflegeheim beschäftigt gewesen sei, nicht wieder verlieren wollen. Sie nahm das Urteil sichtlich schockiert zur Kenntnis.

Todesursache nicht eindeutig

Das Gericht wertete das als versuchten Mord durch Unterlassen und nicht wie der Staatsanwalt als Mord durch Unterlassen, weil am Ende nicht abschließend nachgewiesen werden konnte, ob der Mann tatsächlich an den falschen Medikamenten gestorben ist. Gegen das Urteil des Landshuter Schwurgerichts können noch Rechtsmittel eingelegt werden.