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Häusliche Gewalt: Nur jede fünfte Frau sucht sich Hilfe | BR24

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Häusliche Gewalt - nur jede fünfte Frau holt sich Hilfe

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Häusliche Gewalt: Nur jede fünfte Frau sucht sich Hilfe

Bedrohungen, Beleidigungen, Schläge sind in manchen Partnerschaften Alltag. Die Zahl der angezeigten Fälle ist in den letzten zehn Jahren bayernweit um rund ein Drittel gestiegen - doch die Scham, sich Hilfe zu holen ist immer noch groß.

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Gewalt gegen Frauen ist noch immer ein Tabu. Das Dunkelfeld der Übergriffe zwischen Partnern ist hoch. Immer häufiger erstatten Frauen in Fällen häuslicher Gewalt mittlerweile allerdings Anzeige.

Dieser Trend spiegelt sich auch auf Bundesebene wider. Das Bundeskriminalamt gibt in seiner Statistik an, dass die Zahlen angezeigter Partnerschaftsgewalt von 121.778 Fällen im Jahr 2013 auf 131.995 im Jahr 2017 gestiegen sind. Die Polizei geht nicht davon aus, dass es mehr Gewalt zwischen Partnern gibt, sondern dass sie heute häufiger gemeldet werde.

Auch gesetzliche Verbesserungen tragen zu den gestiegenen Zahlen bei. Seit zwei Jahren kommen rund 7000 Stalking-Fälle im Jahr extra dazu, denn 2017 wurde das Gesetz so reformiert, dass das Nachstellen, Bedrohen und Bedrängen durch Partner und Ex-Partner ein Straftatbestand ist.

Von vielen gewaltbetroffenen Frauen erfährt niemand

Auch wenn die Zahl der Anzeigen über die Jahre gestiegen ist, holt sich nach Angaben des Bundesfamilienministeriums nur rund jede fünfte betroffene Frau Hilfe. Teilweise erleiden Frauen über Jahre hinweg im Verborgenen Gewalt durch ihre Partner.

Manchmal wird die Gewalt erst dann öffentlich, wenn sie eskaliert – wie im Fall einer Betroffenen, die direkt aus dem Krankenhaus in ein bayerisches Frauenhaus kam.

"Mein Ex-Freund hat versucht mich umzubringen. Der Vater meiner Töchter. Um mich in Sicherheit zu bringen, bin ich hier. Er hat mit dem Messer auf mich eingestochen und ich kam ins Krankenhaus.“

Die Frau fand Schutz in einem bayerischen Frauenhaus.

Warum viele betroffene Frauen immer noch schweigen

Jede dritte Frau erleidet in ihrem Leben mindestens einmal partnerschaftliche Gewalt – psychische, sexuelle, aber auch physische Übergriffe. Das Bundesfamilienministerium spricht sich daher in einer aktuellen Kampagne dafür aus, dass möglichst viele Frauen die Nummer des bundesweiten Hilfstelefons "Gewalt gegen Frauen“ in ihren Adressbüchern speichern. Das Hilfstelefon ist unter der kostenlosen Rufnummer 08000 116 016 rund um die Uhr erreichbar.

In Bayern gibt es aber auch 33 weitere Notruftelefone, die für gewaltbetroffene Frauen einen ersten Anlaufpunkt bieten. Ein Beispiel ist das Hilfstelefon der Münchner "Frauenhilfe“. Die meisten Betroffenen finden den Kontakt übers Internet, erklärt die Beraterin Katja Lipp von der "Frauenhilfe“ in München.

"Das Thema ist ultra-schambesetzt. Gerade Akademikerinnen fällt es schwer, öffentlich zu machen, dass sie Opfer häuslicher Gewalt sind. Sehr stark betroffen sind auch Frauen mit Behinderungen – sie kommen im Hilfesystem so gut wie gar nicht an. Und schließlich spielen Sprachbarrieren eine Rolle. Wir müssen viele Frauen mit Dolmetscherin beraten." Katja Lipp, Beraterin der "Frauenhilfe“ München

Wichtiger Rat: Anzeige erstatten

Wie viele Notrufdienste und Beratungsstellen in Bayern arbeitet auch die "Frauenhilfe“ mit der Polizei zusammen. Die Beraterinnen empfehlen Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Nur so werden die Straftaten dokumentiert und können bei Gerichtsprozessen als Beweise dienen.

So sieht das auch die Polizei. Erst wenn eine betroffene Frau die Polizei einschaltet, können Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen werden, erklärt Kriminalhauptkommissar Bernd Sedlmair vom Bayerischen Landeskriminalamt.

"Wir beraten die Frau, wie sie sich selber schützen kann. Aber auch die Polizei kann helfen, wenn es gefährlich wird. Die Polizei kann beispielsweise ein Kontaktverbot für die Täter aussprechen oder den Mann aus der gemeinsamen Wohnung verweisen. Oft reicht es aber schon, dem Mann klar zu machen, dass die Polizei ihn auf dem Schirm hat." Bernd Sedlmair, Kriminalhauptkommissar, Bayerisches Landeskriminalamt

Die bayerische Polizei bietet gewaltbetroffenen Frauen auch die Möglichkeit, sich im Vorfeld beraten zu lassen von sogenannten "Beauftragten für Kriminalitätsopfer“. 19 geschulte Polizeibeamtinnen in ganz Bayern hören sich die Geschichten der Frauen an. Sie nehmen keine Anzeigen auf, sondern geben den Frauen Empfehlungen, wie sie weiter vorgehen können und vermitteln Kontakte zu Beratungsstellen oder Frauenhäusern.

Dass die Zahlen der angezeigten Fälle von Gewalt gegen Frauen gestiegen sind, sehen sowohl die Beratungsstellen als auch die Polizei positiv: Mehr Frauen trauen sich heute, sich gegen die Gewalt ihrer Partner zur Wehr zu setzen.

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