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Angriff auf Netzsch in Selb: Hacker legen Betrieb still | BR24

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Der weltweit agierende Maschinenbauer Netzsch aus Selb ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Weite Teile der Produktion stehen still.

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Angriff auf Netzsch in Selb: Hacker legen Betrieb still

Der weltweit agierende Maschinenbauer Netzsch aus Selb ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Weite Teile der Produktion stehen noch Tage danach still. Die Zentralstelle für Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg ermittelt.

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Das Unternehmen Netzsch mit Sitz in Selb im Landkreis Wunsiedel ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Wie die Zentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg auf BR-Nachfrage mitteilt, ist das Unternehmen von bislang unbekannten Tätern mit einer sogenannten Ransomware angegriffen worden. Die Angreifer haben die Produktion bei dem weltweit tätigen Maschinenbauer weitgehend zum Erliegen gebracht.

Ransomware: Angreifer verschlüsseln Firmendaten

Bei einem Angriff mit einer Ransomware schleusen die Täter einen Virus in die Server eines Unternehmens ein und verschlüsseln die firmeneigenen Daten, sodass diese nicht mehr brauchbar sind. Anschließend fordern die Täter ein Lösegeld, um die Daten wieder zu entschlüsseln. Wie ein Sprecher der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg sagt, kämen derartige Angriffe seit einigen Jahren häufig vor. Auch, dass Unternehmen so komplett lahmgelegt werden, sei nichts Besonderes. Allgemein sei ein Anstieg der Cyberkriminalität in Bayern seit des Corona-Lockdowns zu verzeichnen. Der Schaden bewege sich oft in Millionenhöhe und sei existenzgefährdend, heißt es von der Polizei.

Eine Woche nach Hackerangriff soll Produktion bei Netzsch wieder anlaufen

Der Angriff auf den Maschinenbauer Netzsch soll sich bereits am vergangenen Freitagnachmittag (10.07.20) ereignet haben. Wie Unternehmenssprecher Yann Jeschke auf BR-Nachfrage sagt, hätten die Virenscanner der Firma Alarm geschlagen. Die hauseigene IT-Abteilung habe schnell reagiert und die Rechner heruntergefahren. Aufgrund dessen habe das Virus nicht alle Rechner befallen können. Derzeit arbeite das Unternehmen daran, die Rechner wieder zu starten. Die Produktion hätte nach dem Angriff nur noch in wenigen Bereichen, die nicht an die hauseigene IT angeschlossen waren, vonstattengehen können. Laut Jeschke werden die Rechner bereinigt und neu aufgesetzt. Ende der Woche sollen die ersten Systeme wieder laufen.

Netzsch will sich zu Lösegeldforderung nicht äußern

Im Hintergrund kommen dann sogenannte Cyber-Forensiker zum Einsatz. Sie werden prüfen, wie groß der Schaden für das Unternehmen ist. Mit Ergebnissen rechnet das Unternehmen in frühestens drei bis vier Wochen. Ob das Unternehmen Lösegeld bezahlt hat, will Sprecher Jeschke nicht sagen.

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Der Maschinenbauer Netzsch aus Selb ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Weite Teile der Produktion stehen auch Tage danach noch still. In der Bayern-1-Sendung "Mittags in Franken" geht BR-Korrespondentin Anne Axmann geht auf die Umstände ein.

Polizei rät von Lösegeldzahlungen ab

Die Polizei rät davon ab, auf derlei Lösegeldforderungen einzugehen. Einerseits sei nicht klar, ob die Daten dann tatsächlich wieder hergestellt würden. Andererseits mache man sich zum Ziel weiterer Angriffe. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät Betrieben unter anderem, Firmendaten regelmäßig auf externen Datenträgern zu speichern und diese danach von den Firmencomputern zu trennen. Das Europäische Zentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität stellt für den Fall eines Angriffs mit Ransomware zahlreiche kostenlose Programme zur Entschlüsselung der Daten bereit.

Pumpen und Co.: 3.700 Menschen arbeiten für Netzsch

Netzsch stellt unter anderem Pumpen und Mahlmaschinen her sowie Geräte, mit deren Hilfe sich die thermophysikalischen Eigenschaften von Stoffen untersuchen lassen. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt Netzsch rund 3.700 Mitarbeiter an 210 Standorten weltweit. Stammsitz der Firma ist das oberfränkische Selb mit knapp 600 Mitarbeitern. In Waldkraiburg (Lkr. Mühldorf am Inn) gibt es eine weitere bayerische Niederlassung. Das Familienunternehmen wurde 1873 in Selb gegründet.

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