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Gute Idee? Schlittschuhlaufen auf Plastik | BR24

© BR/Tanja Gronde

Auf dem Christkindlmarkt in Erding gibt es heuer eine Fläche zum Schlittschuhlaufen aus Kunststoff. Damit will die Stadt Geld sparen und etwas für den Klimaschutz tun. Aber sind Kunststoffbahnen wirklich umweltfreundlicher als Flächen aus Kunsteis?

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Gute Idee? Schlittschuhlaufen auf Plastik

Auf dem Christkindlmarkt in Erding gibt es heuer eine Fläche zum Schlittschuhlaufen aus Kunststoff. Damit will die Stadt Geld sparen und etwas für den Klimaschutz tun. Aber sind Kunststoffbahnen wirklich umweltfreundlicher als Flächen aus Kunsteis?

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Schlittschuhlaufen am Erdinger Christkindlmarkt hat Tradition. Bis letztes Jahr wurde die Fläche mitten in der Stadt durch Kunsteis glatt - heuer erstmals durch weißes Hartplastik. Mit der Kunststoffbahn will man Stromkosten sparen und etwas für den Klimaschutz tun.

Kein Stromfresser – Kunststoff spart Emissionen

Die Stadt Erding hat dieses Jahr für den Advent bis Heilig-Drei-König statt einer mobilen Kunsteisbahn eine Kunststoffbahn angeschafft, die kostenfrei genutzt werden kann. Sie ist 20 x 15 Meter groß und besteht aus einem speziellen Kunststoff, der durch seine Molekular-Struktur glatt wie Eis wird. Die Kosten von 40.000 Euro für das Projekt sind - nach Angaben der Stadt - in zwei Jahren wieder drin.

Kunsteisbahn verbraucht viel Strom

Erding hatte in den letzten Jahren für den fünf-wöchigen Betrieb der Eisbahn Stromkosten von 15.000 bis 20.000 Euro. Denn eine Eisbahn aus Kunsteis muss - je nach Modell - erst ab ca. -5 bis -10 Grad Außentemperatur nicht mehr gekühlt werden. Dieser Stromverbrauch fällt bei Kunststoff weg.

Mikroplastik durch Kunststoffeisbahn?

Für Diskussion sorgt der Abrieb, den die Kufen verursachen. Manchmal bleiben kleine Plastikspäne auf der Bahn liegen, weiße Fussel kleben an den Hosenbeinen der Kinder. Mikroplastikalarm? Der Hersteller, die Firma GLICE, verneint. Das Schweizer Unternehmen behauptet, es stelle besonders ökologische Eisbahnen her. Es verwende einen Kunststoff, der lebensmittelecht ist, ein entsprechendes Zeugnis bescheinigt dies auf englisch und deutsch.

"Die Platten sind lebensmittelneutral: 95 Prozent der Inhaltsstoffe werden auch in Trinkflaschen verarbeitet. Der Abrieb, der entsteht, wird durch dieses Silikon gebunden. Das heißt das Plastik fliegt nicht herum, es bleibt am Boden." Andi Trautner, Regionalleiter von GLICE

Auch der Oberbürgermeister von Erding, Max Gotz (CSU), hält den Abrieb für unbedenklich:

"Das Material wird nicht verblasen werden, sondern es entsteht ein Span, der liegenbleibt, entsorgt werden kann und bis dato nicht als gesundheitsschädlich erkannt ist." Max Gotz, Erdings Oberbürgermeister

Ist Plastik also eine ökologische Alternative?

Laut Hersteller ist der Kunststoff recycelbar und soll 20 Jahre Schlittschuhsport aushalten. Zudem pflanzt die Firma einen Baum pro neuem Quadratmeter Bahn. Das Umweltbundesamt dagegen wägt ab: Zum einen spare man Energiekosten und Kältemittel, zum anderen sei der Kunststoffabrieb problematisch - trotz der Unbedenklichkeitserklärung des Herstellers.

Der Behörde zufolge gelangen die Kunststoffpartikel sehr schnell in die Umwelt, nicht nur durch Verwehungen oder die bewusste Entfernung des Abriebs von der Kunststoff-Eisbahn, sondern auch durch Partikel, die nach einem Sturz an der Kleidung hängenbleiben. Dort sollen sie aufgrund der Langlebigkeit von Kunststoffen zu negativen Effekten führen, die es zu vermeiden gilt. Eine lebensmittelrechtliche Bescheinigung könne daran auch nichts ändern. Betreiber von solchen Schlittschuhbahnen seien daher gefordert, einen Eintrag dieses Abriebs in die Umwelt unbedingt zu verhindern. Der Abrieb in Erding wird zweimal am Tag zusammengekehrt.

Fazit: Echt öko nur auf Natureis

Ob die Bahn aus Kunststoff einen ökologischen Nutzen hat, lässt sich derzeit nicht abschließend bewerten. Sicher ist: Wirklich klimaschonend Schlittschuhfahren lässt sich nur auf einem zugefrorenen Gewässer.