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Nach dem Tod eines Dreijährigen in Dillingen hat sich das Landgericht Augsburg mit einem rechtsmedizinischen Gutachten befasst. Demnach kommt als Todesursache nur ein schweres traumatisches Ereignis in Frage.

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Gutachten zum Tod des Buben aus Dillingen vorgestellt

Woran ist der dreijährige Ben aus Dillingen gestorben? Mit dieser Frage hat sich ein rechtsmedizinischer Gutachter beschäftigt. Er geht von einem schweren traumatischen Ereignis als Todesursache aus, wie er vor dem Landgericht Augsburg klarmachte.

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Von
  • Judith Zacher

Im Prozess um den Tod des drei Jahre alten Ben aus Dillingen hat ein Rechtsmediziner sein Gutachten vorgestellt. Demnach kommt als Todesursache nur ein schweres traumatisches Ereignis in Frage. Bei der Obduktion seien viele sogenannte Punktblutungen im Bereich der Augen gefunden worden. Für Rechtsmediziner gelte bereits Alarmstufe eins, wenn sie nur wenige solcher Punktblutungen fänden, sagte der Gutachter. Bei Ben hätten sie allerdings viele gefunden. Diese könnten bei einem Kind entweder durch extrem lautes Schreien oder bei verschlossenen Atemwegen entstehen. Der Rechtsmediziner sagte, er geht davon aus, dass das Kind mit einem weichen Kissen, das ihm auf den Kopf gedrückt wurde, ruhiggestellt werden sollte.

Gutachten zum Tod des Dreijährigen

Außerdem hatten bereits die Ärzte in der Uniklinik Augsburg festgestellt, dass der Bub Risse im Dünndarm hatte. Deshalb wurde eine Notoperation durchgeführt. Diese Risse, so der Gutachter, seien wahrscheinlich durch einen oder mehrere Faustschläge in den Bauch relativ kurz zuvor entstanden. Auch die Werte der Entzündungszellen sprächen dafür, dass diese Verletzungen relativ frisch und nicht bereits mehrere Stunden alt waren. Die Mutter, die ihrer eigenen Aussage und der Aussagen von Zeugen zufolge am Morgen das Haus verließ, scheidet demnach als mögliche Täterin aus.

Hinweise auf Schuld des Angeklagten

Als Täter kommt den Ermittlungen zufolge damit nur der Angeklagte in Frage, der an jenem 20. Oktober 2019 die Kinder seiner Lebensgefährtin allein betreute. Dem Mann wird vorgeworfen, den Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin entweder so stark geschüttelt oder geschlagen zu haben, dass das Kind später im Krankenhaus starb. Der Gutachter sagte dazu vor Gericht, er könne nicht klar sagen, ob das Kind schon früher hirntot war oder erst später an den inneren Blutungen verstarb.

Anzeichen für Misshandlung festgestellt

Außerdem stellte der Gerichtsmediziner bei der Obduktion weitere Anzeichen für Misshandlungen fest, wie etwa Hämatome oder einen verkleinerter Thymus - das ist ein lymphatisches Organ im Brustbereich - der unter anderem auf langanhaltenden psychosozialen Stress hinweise. Dass, wie von der Verteidigung angebracht, die Verletzungen auch durch eine fehlerhafte Reanimation des Angeklagten hätten entstehen können, wies der Rechtsmediziner als sehr unwahrscheinlich zurück.

Angaben des Angeklagten "unwahrscheinlich"

Die Aussage des Angeklagten, er habe sich mit dem Fuß in einer Decke verfangen und sei deshalb auf den Buben gestürzt, konnte zwar nicht komplett widerlegt werden. Ein solcher Ablauf sei aber sehr unwahrscheinlich, so ein Biomechaniker vor Gericht. Zwar sei es möglich, mit dem Knie dem Buben die entstandenen Verletzungen zuzufügen. Betrachte man aber, wie Menschen in dieser Situation normalerweise fallen, würde man nicht so stürzen.

Plädoyers und Urteil kommende Woche erwartet

Nach Abschluss der Ausführungen des Gutachters regte Staatsanwalt Michael Nissl an, von der Verfolgung des Missbrauchs von Schutzbefohlenen abzusehen. Es komme zudem auch eine Körperverletzung mit Todesfolge in Frage. Am kommenden Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll ein Gutachten zur psychischen Verfassung des Angeklagten vorgestellt werden. Außerdem stehen die Plädoyers an. Ein Urteil könnte dann am Freitag fallen.

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