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Bildrechte: picture alliance/dpa | Matthias Balk

Schulminister Piazolo (FW) kündigt regelmäßige Corona-Tests für Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrkräfte an.

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Gurgeltests und Testpflicht: So geht's weiter an Bayerns Schulen

Angesichts steigender Corona-Zahlen will Bayern die Tests an den Schulen deutlich ausbauen. Für Hotspots wird sogar eine Testpflicht für bestimmte Schüler geprüft. Wie es jetzt an Bayerns Schulen weitergeht.

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Von
  • Regina Kirschner

Seit Montag sind in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 wieder alle bayerischen Schüler im Wechselunterricht. In Hotspots müssen bis auf die Abschlussklassen alle Kinder und Jugendlichen zu Hause lernen. Angesichts steigender Corona-Zahlen hat das bayerische Kabinett heute darüber beraten, wie es an den Schulen weitergeht. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wer wird an den Schulen wie getestet und von wem?

In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 dürfen alle Schüler in den Wechselunterricht gehen. In Landkreisen und Städten mit einem Inzidenzwert von unter 50 können alle Grundschüler sogar in Präsenz unterrichtet werden. Corona-Tests sind hier weder für Schüler noch für Lehrer verpflichtend. Das Kultusministerium empfiehlt aber regelmäßige, freiwillige Tests. Das Ziel für die Zeit nach den Osterferien: Lehrer und Schüler (egal welchen Alters) sollen sich zweimal pro Woche vor Unterrichtsbeginn selbst testen.

Die Lehrer sollen die Schüler dabei anleiten und beaufsichtigen. Neben den Selbsttests, die eine Probe aus dem vorderen Nasenbereich erfordern, könnte es bald eventuell auch Gurgeltests geben, wie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) erklärte. Die Zeit bis Ostern sieht der Minister als Übergangsphase für die Schulen.

Die Lehrer wehren sich gegen die neue Aufgabe. Sie wollen nicht dafür verantwortlich gemacht werden, falls die Schüler die Selbsttests nicht richtig anwenden. Jürgen Böhm vom Realschullehrerverband warnt: "Wer haftet, wenn beim Beaufsichtigen der Testungen Verletzungen der Schüler passieren? Lehrkräfte sind kein medizinisches Personal." Er fordert, die Tests sollten außerhalb der Klassenzimmer und von externen Organisationen wie dem Bayerischen Roten Kreuz vorgenommen werden. Die Staatsregierung wiederum verweist auf das Nachbarland Österreich. Da werden bereits seit Längerem Selbsttests an Schulen gemacht - mit Erfolg, wie Piazolo betonte.

Gibt es überhaupt genug Selbsttests?

Das bisherige Schnelltest-Angebot in Testzentren nutzen laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) derzeit etwa 40 Prozent der Lehrkräfte und etwa 9 bis 10 Prozent der Schüler. Söder ist das deutlich zu wenig: Wenn die Inzidenz steige, müssten auch die Tests engmaschiger werden.

Kultusminister Piazolo ist da angesichts der neuen Selbsttests, die jetzt an die Schulen geliefert werden, guter Dinge. Denn spätestens nach Ostern soll es flächendeckend in Bayern genug Selbsttests für Schüler und Lehrer geben. Wer sich testen will, muss dann nicht mehr extra in ein Testzentrum gehen, sondern kann das selbst vor Unterrichtsbeginn in der Schule machen. Piazolo geht davon aus, dass sich dann 80 bis 90 Prozent der Schüler und Lehrer freiwillig beteiligen werden.

Von Lehrerverbänden, den Schulen und der Opposition im bayerischen Landtag hagelt es allerdings Kritik: Es fehle bislang an ausreichend Tests. Für Michael Schwägerl vom Bayerischen Philologenverband steht zudem fest: statt Freiwilligkeit muss es für alle Schüler eine Testpflicht geben, wie das in Österreich der Fall ist. "Wer sich nicht testet, darf nicht ins Klassenzimmer", lautet die Devise von Schwägerl. Das Ziel müsse sein: Am Unterricht im Klassenzimmer nehmen nur negativ getestete Personen teil.

Was passiert bei einem positiven Selbsttest?

Für Ministerpräsident Söder steht fest, dass Schüler und Lehrer verpflichtet werden sollen, ein positives Ergebnis eines Selbsttests auch zu melden. Wie das konkret ablaufen soll, ist allerdings noch offen. Was passiert also, wenn ein Schüler bei einem Selbsttest vor Unterrichtsbeginn ein positives Testergebnis hat? Dann sollte der Lehrer das Kind sofort nach Hause schicken. Um das Testergebnis zu überprüfen, müsste das Kind anschließend noch einen PCR-Test in einem Testzentrum oder beim Hausarzt machen. Wann das Gesundheitsamt eingeschaltet werden soll, ob das Aufgabe der Schule ist und wie mit dem Datenschutz umzugehen ist, diese Fragen muss die Staatsregierung noch beantworten.

Wie geht es an Schulen in Hotspots weiter?

Viertklässler und Schüler der Klasse Q11 am Gymnasium dürfen womöglich nach Ostern auch in Hotsposts in die Schule gehen. Das Kultusministerium arbeitet gerade an einem entsprechenden Modellvorschlag für Regionen mit einem Inzidenzwert von über 100. Bisher dürfen nur die Abschlussklassen an den weiterführenden Schulen in Hotspots in die Schule besuchen.

Grundlage für den Schulbesuch in Regionen mit einer Inzidenz über 100 soll künftig aber eine "Testpflicht" samt "Offenbarungspflicht" sein. Das heißt: Jeder Schüler, der in einem Hotspot in die Schule gehen will, muss sich testen lassen und ein positives Testergebnis melden. Ob das juristisch möglich ist, wird derzeit geprüft. Ministerpräsident Söder und Kultusminister Piazolo betonten, Bayern reagiere mit diesem Plan auf die Sorgen der Eltern, die sich eine Perspektive für den Schulalltag in Corona-Zeiten wünschten. Allzu viele Hoffnungen, wollen Söder und Piazolo aber nicht machen: Ob diese Öffnung nach Ostern tatsächlich komme, sei davon abhängig, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickelt.

Kritik kommt vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband: Die Grundschüler in Hotspots nun kurz vor dem Übertritt an weiterführende Schulen wieder in den Unterricht zu holen, hält der BLLV für falsch: Das erhöhe nur den Druck auf die Schüler (Stichwort "Grundschul-Abitur") - sie litten ohnehin schon genug unter der Pandemie.

Wie können Schüler Lernlücken aufholen?

Für Schüler, die durch den Distanzunterricht abgehängt wurden, hat Ministerpräsident Söder besondere Programme angekündigt. So soll nach Ostern zum Beispiel ein sogenanntes Schulcoaching auf den Weg gebracht werden. Ein solches Nachhilfeprogramm ist für die Schüler gedacht, die im Distanzunterricht nicht die nötige Unterstützung ihrer Eltern bekommen haben.

Ist ein normaler Schulalltag für alle Jahrgangsstufen absehbar?

Große Hoffnungen auf eine Rückkehr zum ganz normalen Schulalltag machen Piazolo und Söder nicht. Derzeit befinden sich rund ein Viertel der Schulen im Präsenzunterricht, ein Viertel im Distanzunterricht und knapp die Hälfte im Wechselunterricht. Für Piazolo haben sich die Zahlen sogar schlechter entwickelt als befürchtet.

Auch Söder erwartet schwierige Zeiten: "Wir befinden uns in einem Wettlauf mit der Zeit und gleichzeitig auch in einem Wettlauf mit der Geduld der Menschen in Bayern und auch in Deutschland. Erkennbar ist, dass die Lage im Corona- und Pandemie-Geschehen eindeutig schlechter wird." Söder verweist dabei auf die weiter steigende Zahl der Neuinfektionen – und auf die britische Corona-Variante, die mittlerweile in Bayern mehr als 60 Prozent der Fälle ausmache. Der Ministerpräsident macht daher klar: An der vereinbarten Notbremse, die ab einem Inzidenzwert von 100 gilt, soll nicht gerüttelt werden. An den Schulen soll es daher nur für Abschlussklassen und Viertklässler eine Ausnahme geben - um Schülern und Eltern "eine Perspektive zu geben", wie Söder erklärt. Weitere Öffnungsschritte sind jedoch erst einmal nicht zu erwarten. Das hat der Ministerpräsident deutlich gemacht.

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