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Gülletourismus – Das sagen unsere Nutzer im Netz | BR24

© pa / dpa / Patrick Pleul

Landwirt beim Ausbringen von Gülle

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Gülletourismus – Das sagen unsere Nutzer im Netz

Zu den verschärften Gülleregeln und dem daraus entstandenen "Gülletourismus" quer durch den Freistaat haben uns zahlreiche Kommentare auf unserer Webseite erreicht. Hier einige Auszüge aus der Diskussion.

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Um das Grundwasser zu schützen, dürfen Bauern nicht mehr so viel Gülle ausbringen - mit dem Effekt, dass es jetzt einen regen "Gülletourismus" quer durch Bayern gibt, und zwar auch in Regionen, die sowieso schon Probleme mit Nitrat im Grundwasser haben. Auch in den Kommentarspalten unserer Webseite wurde das Thema rege diskutiert.

Vorschlag: Weniger Kühe halten

Das Problem mit dem Gülletourismus ist unserem Nutzer "Fuchstaler" offenbar bekannt – und er hat einen Lösungsvorschlag:

"Das erleben wir hier im Fuchstal genauso. Da kommen die Lieferungen aus dem Allgäu und dann wird direkt vor den Wohnsiedlungen die "konzentrierte Suppe" ausgebracht. Man kann eigentlich die Uhrzeit danach stellen. Regen angesagt, 2 - 3 Stunden später rollen die Industrielandwirte an. Mein Vorschlag: Nur soviel Kühe, wie auch 'eigenes' Land zur Verfügung steht." User Fuchstaler

Die industrielle Landwirtschaft als Ursache

User "Schwarzerpeter" sieht die Ursache für das Gülle-Problem unter anderem in der veränderten Landwirtschaft:

"Durch die industrielle Landwirtschaft stammt nun ein großer Teil der Futtermittel und auch unserer Lebensmittel aus fernen Ländern, wie etwa Südamerika, von wo die Hauptmenge des Soja zu uns geholt wird. Die Nährstoffe und Mineralien, die wir dann auf unseren Boden geben müssen, fehlen zudem zusätzlich auf den riesigen Flächen, die für den Sojaanbau gerodet wurden. Hier schafft der Mensch einen großen Teil des Klimachaos, welches uns mit einigen Jahren Verzögerung auch noch treffen wird." User Schwarzerpeter

Export und Massenproduktion im Fokus

Auch andere Nutzer diskutieren die Frage, wie sich steigender Export und industrielle Landwirtschaft auf unsere Umwelt auswirken:

"Weil bei uns die Bauern immer mehr produzieren müssen, um zu überleben, wird in Deutschland mehr produziert als innerdeutsch aufgegessen werden kann. Der Rest wird in die ganze Welt exportiert. Deutschland ist zu einem der größten Exporteure für Lebensmittelprodukte aufgestiegen, was auf Kosten unserer Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft sowie dem Artensterben erkauft wurde." User KON
"Es sind nicht 'die Bauern', die immer mehr produzieren müssen, um zu überleben. Es gibt eine industrielle Landwirtschaft, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, die mit einem Bauernhof nichts mehr gemein hat. Die aber nicht nur auf Kosten unserer Landschaft für den Export produziert, sondern auch noch im eigenen Land den 'normalen Bauern' die Existenz zerstört. Zum Beispiel auch dadurch, dass sie landwirtschaftliche Flächen, die bisher an Bauern verpachtet waren, mit erhöhten Preisen übernehmen." User Zwiesel

Und Nutzer Prosit meint:

"Die Agrarindustrie müsste staatlich reglementiert werden, um noch höhere Gewinne nicht zu Lasten der Umwelt zu erwirtschaften. Sie haben halt eine starke Lobby sowohl im Bund als auch im Land. Und die kleineren Bauern sollten etwas einfallsreicher mit ihren Ressourcen umgehen als es den Großen nachzumachen." User Prosit

"Mangelhafte Gestaltung der Gesetze"

Auch die gesetzliche Grundlage der Vorgaben in Sachen Gülle - die Düngeverordnung – wird kritisiert:

"Woran liegt das? Nur an der mangelhaften Gestaltung der Gesetze. Man hätte eben nicht die Menge der ausbringbaren Gülle limitieren sollen, sondern die Zahl der Tiere pro Fläche. Würde man Gesetze besser durchdenken, käme auch was Vernünftiges dabei heraus." User Rispetto

Vorschlag: Weg von der Massentierhaltung

Verantwortung für die Situation tragen nach Einschätzung einiger Nutzer aber nicht zuletzt die Verbraucher, die billige Produkte vom Discounter verlangen:

"Ich bin auch der Meinung, dass wir wieder weg müssen von der Massentierhaltung. Die Tiere gehören auf die Weide. Dann gibt es Fleisch und Milch von glücklichen Kühen und dann sollten wir bewusst lieber weniger, aber beste Qualität essen. Wir brauchen kein Steak vom Discounter für zwei Euro das Kilo, da ist es wirklich schade um das Tier. Schuld an der ganzen Misere ist das Verbraucherverhalten 'Geiz ist geil'." User MY_Comment

Auch auf Facebook wird zum Thema Gülle-Tourismus und Landwirtschaft kontrovers diskutiert. Und auch hier meinen viele User, dass der Endkunde höhere Preise akzeptieren müsste, wenn er eine umweltfreundliche Landwirtschaft wünscht. So schreibt Pascal Bort:

"Weniger Tiere halten ergibt weniger Gülle. Die Rechnung ist doch eigentlich ganz einfach. Fleisch und Milch teurer machen, damit man mit weniger Produktion auf dasselbe Geld kommt." User Pascal Bort

Tobias Oberhauser argumentiert hingegen, dass die noch erlaubte Gülle-Ausbringung nicht einmal ausreiche, um Grünland ausreichend zu düngen. Es müsse sogar noch mit Kunstdünger nachgebessert werden:

"Gülle wird wie Atommüll behandelt"

Steffen Müller meint, die Gülle werde überhaupt viel zu kritisch gesehen - und sei Kunstdünger vorzuziehen:

"Lieber Gülle als Glyphosat oder der ganze Kunstdünger. Warum verwenden Bio-Bauern Gülle anstatt Dünger? Weil es im natürlichen Kreislauf ist. Es denkt doch heute alles nur noch an Profit, das immer mehr Geld geschöpft wird. Gülle wird fast schon wie Atommüll behandelt." User Steffen Müller

Elke Seif dagegen warnt vor Folgekosten durch Gülle-Ausbringung:

"Gülle = Bio...🤣 sie haben wohl das ganze Antibiotika und die sonstigen Medikamente vergessen, die darin enthalten sind. Und sie genießen sicher den Luxus, einfach nur den Wasserhahn aufzudrehen und haben geprüftes Wasser. Wenn sie aber sehr ländlich wohnen, wird ihr Brunnenwasser jährlich geprüft, und da viel zu viel Nitrat/Nitrit im Wasser ist durch die Überdüngung mit Gülle müssen teure Filteranlagen angeschafft werden und das Wasser wird regelmäßig überprüft - na bravo." User Elke Seif

Ist Gülle schlimmer als Klärschlamm?

Andere User verweisen darauf, dass hohe Nitratbelastung auch ganz andere Ursachen haben könne als das Düngen mit Gülle:

"Wer fragt nach maroden Abwasserkanälen? Warum ist für die Nitratbelastung einzig die Landwirtschaft 'schuld'? Warum sind die Messstellen für Nitrat in Deutschland nicht genauso flächendeckend und häufig wie im sonstigen Europa? DARÜBER würde ich gerne mal einen sachlichen fundierten Beitrag von BR24 lesen oder sehen." User Mardi Grün
"Die bösen Bauern, sie fahren die Gülle spazieren. Was ist mit Klärschlamm und Mülltourismus? Der wird auch von denen verursacht, die für die Bienen, für die bäuerliche Landwirtschaft und für Regionales sind. Die Politik handelt nach dem medialen Mainstream. Der wirkliche Mainstream ist der klemmende Geldbeutel am Supermarktregal!!!!" User Theo Haslbeck

Für Userin Martina Schmidt-Seyfferth steht allerdings fest: Der Gülletourismus ist einfach nicht normal:

© BR

Bayerns Bauern haben viele Kühe, die machen Mühe - und Mist. Urin und Kot von Nutztieren wird als Gülle auf die Felder ausgebracht. Als Dünger. Zu viel davon am selben Ort ist jedoch nicht erlaubt. Die Folge: "Gülletourismus" quer durch Bayern.