BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: Julian Stratenschulte/dpa-Bildfunk

Wer bauen will, muss derzeit viel Geduld mitbringen. Bauplätze sind rar: Kommunen vergeben sie deswegen oft nach unterschiedlichen Kriterien und Vorgaben. In Schwandorf wurden nun 67 Bauplätze nach dem 'Windhundprinzip‘ vergeben...

31
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Grundstücksmangel: Campieren für einen Bauplatz

Wer bauen will, muss derzeit viel Geduld mitbringen. Bereits Bauplätze sind rar. Die Stadt Schwandorf hat nun 67 Grundstücke nach dem sogenannten Windhundverfahren vergeben. Die Folge: Mehrere Tage haben Interessenten vor der Oberpfalzhalle campiert.

31
Per Mail sharen
Von
  • Sebastian Grosser

Vor der Oberpfalzhalle ist eigentlich kein Campingplatz. Trotzdem haben seit Tagen fast 100 Menschen hier ihr Lager aufgeschlagen. Auf dem Vorplatz reihen sich Pavillons, Zelte und Stühle hintereinander. In den Verschlägen sitzen kleinere Gruppen zusammen, eingemummelt in dicke Decken. Alle haben sie ein Ziel: Einen von 67 Bauplätzen zu bekommen. Denn: Die Grundstücke werden nach dem "Windhundprinzip" vergeben. Heißt: Die ersten 67 Interessenten bekommen einen Bauplatz, die anderen gehen leer aus.

Grundstücke werden nach "Windhundprinzip" vergeben

Auch Therea Mayr und ihr Verlobter werden hier eine Nacht verbringen. Wie viele andere hofft das Pärchen auf einen Bauplatz. "Das sind hier die letzten städtischen Baugrundstücke. Und was anderes kann man sich eigentlich nicht mehr leisten." Dass Mayr und ihr Verlobter dafür campieren müssen, hätten sie nie gedacht. "Aber wenn einer mal anfängt." Um Streitereien vorzubeugen, haben die Wartenden eine Liste eingeführt, die regelmäßig kontrolliert wird. Wer seinen Platz verlässt, hat im Zweifel das Nachsehen. Mayr ist auf Platz 72.

Vergabe darf niemanden diskriminieren

Meist werden kommunale Baugebiete nach einem Punktesystem vergeben, bei dem derjenige mehr Punkte erhält, der zum Beispiel lange im Ort lebt oder sich in Vereinen engagiert. Da das sogenannte Einheimischen-Modell gegen EU-Prinzipien verstößt, wurde es inzwischen angepasst; zumindest was die Grundstücke angeht, die unter dem Marktwerk liegen. Die Vergabe muss diskriminierungsfrei sein, darf also prinzipiell niemanden ausschließen. Der Kompromiss: Soziale Gründe wie die Anzahl der Kinder wiegen bei der Punktevergabe mehr.

Einheimischen-Modell birgt Konfliktpotential

Das "Einheimischen-Modell" soll vor allem engagierte Familien in der Region halten. Trotzdem birgt eine Vergabe nach diesem Modell auch viel Konfliktpotential; vor allem, wenn es um die Frage der Objektivierbarkeit geht, wie Uwe Brandl, Präsident des bayerischen Gemeindetags, feststellt. "Kann man das dann später überprüfen, wie lang da jemand engagiert ist? Der Interessent kann zunächst in die Feuerwehr eingetreten sein, dann hat er das Ergebnis, dann tritt er wieder aus. Und damit hat man eigentlich nicht das gewonnen, was man wollte." Der Bayerische Gemeindetag fordert daher weniger Vorgaben für mehr Freiheiten. Letztlich würden damit auch die Preise unten bleiben und so überhaupt das Bauen für junge Menschen attraktiv sein.

"Wir wurden jetzt überrumpelt"

Auch Christoph Zweck will schon lange in seinem Heimatort bauen. Jetzt teilt er sich einen Pavillon mit Freunden. "Wir sind einfach überrumpelt gewesen mit der Situation und waren auf das auch null vorbereitet." Zweck und seine Frau werden nur eine Nacht vor der Halle verbringen, auf Platz 66. Andere campieren hier schon mehrere Nächte, bei sehr frostigen Temperaturen, sodass sich auf Kissen Frost bildet oder Flaschen zufrieren. Um für etwas Entlastung zu sorgen, wechseln sich mehrere Familienmitglieder ab.

Bürgermeister: Bisher keine Probleme mit "Windhundprinzip"

Der Tag der Entscheidung ist angebrochen. Die Schlange der Interessenten ist länger geworden. Die Pavillons und die Heizlüfter sind verschwunden. Dafür stehen am Eingang der Oberpfalzhalle nun mehrere Männer einer Sicherheitsfirma. In deren Mitte: Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller, der sich den Unmut der wartenden Menge anhören muss, warum sie im Freien haben nächtigen müssen und nicht in der Halle. Feller winkt ab: Die Halle sei im Veranstaltungsbetrieb. Auch habe es mit dem "Windhundprinzip" bisher keine Probleme gegeben. "Dass hier drei Tage vorher biwakiert wird, hat mich sehr überrascht. Aber das ist die freie Entscheidung eines Einzelnen." Immerhin: Die nächste Vergabe dieser Größenordnung soll im Sommer stattfinden.

Gereizte Stimmung vor der Halle

Plötzlich wird es ruppiger vor dem Halleneingang: Alle Baugebiete sollen weg sein, die streng geführte Liste der Wartenden nicht mehr gültig. Christopher Zweck, Platz 66 und damit eigentlich der Vorletzte, der noch ein Baugebiet bekommen müsste, steht weit vom Eingang entfernt. Offenbar hat sich ein Interessent gleich mehrere Bauplätze auf einmal gesichert. "Es haben sich wohl wirklich einige vorgedrängelt, die sich jetzt mit wenig Aufwand ein Grundstück ergaunert haben." Dem jungen Mann bleibt vorerst nur die Warteliste. Freude dagegen bei den vorderen Plätzen. Der Bauplatz ist ihnen sicher. Zumindest, wenn sie in den nächsten drei Jahren auch wirklich bauen.

© BR/Sebastian Grosser
Bildrechte: BR/Sebastian Grosser

Für einen Bauplatz in Schwandorf campieren Interessenten Tage vor der Vergabe vor der Oberpfalzhalle

"Hier ist Bayern": Der neue BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!