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79 Millionen Euro für Krankenhauspersonal

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Grünes Licht für Corona-Prämie 2.0 an Klinikpersonal

Noch einmal 450 Millionen Euro sollen bundesweit an Klinikpersonal als Dankeschön ausgezahlt werden. 157 Kliniken im Freistaat erhalten Corona-Bonuszahlungen vom Bund. Die Bundesregierung hat den finanziellen Dank jedoch an Bedingungen geknüpft.

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Von
  • Claudia Grimmer

Der Bonus nennt sich diesmal "Erweiterte Sonderleistung an Pflegekräfte aufgrund besonderer Belastung durch die Sars-Cov-2-Pandemie", oder einfach Corona-Prämie 2.0. Beschlossen wurde sie durch die Bundesregierung über das "Gesetz zu Fortgeltung der die epidemische Lage von nationaler Tragweite betreffenden Regelungen". Damit erhalten bundesweit rund 1.000 Krankenhäuser Geld, das sie als Bonus an ihr Klinikpersonal weitergeben sollen.

Voraussetzung für den Bonus: Größe und Patientenzahl

Grundlage für die Berechtigung der Auszahlung liefert das Krankenhausfinanzierungsgesetz. Hier wurde untersucht, welche Krankenhäuser wie viele Corona-Patienten behandelt haben. Daraus hat der Gesetzgeber dann entwickelt, wer die Prämie erhält. Danach sind Kliniken anspruchsberechtigt, die weniger als 500 Betten haben und mindestens 20 Sars-Cov-2-Fälle behandelt haben oder mehr als 500 Betten bereitstellen und mindestens 50 Covid-Patienten versorgt haben.

Insgesamt stellt der Bund für die Prämie 450 Millionen Euro zur Verfügung. Hier differenziert die Regierung aber noch einmal. Die Prämie wird kompliziert pro Krankenhaus berechnet, je nach Verweildauer der Covid-19-Patienten, der Anzahl des Personals und je nach Anzahl der Beatmungsstunden von Patienten auf der Station.

"Etwa jedes zweite bayerische Krankenhaus war wesentlich an der Covid-Versorgung beteiligt und es ist fair, dass die Beschäftigten dieser Kliniken eine zusätzliche Prämie erhalten." Roland Engehausen, Bayerische Krankenhausgesellschaft

Bayerische Kliniken erhalten 79 Millionen Euro Prämie

Nach all den komplizierten Berechnungen erhalten 157 bayerische Kliniken Geld für die Auszahlung einer Prämie an ihre Beschäftigten. Die Höhe beläuft sich insgesamt auf rund 79 Millionen Euro.

Unter anderem erhalten das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau (1,15 Mio. Euro), das Paul Gerhard Haus Regensburg (54.000 Euro), das Klinikum Würzburg Mitte (rund 574.000 Euro), das Krankenhaus Barmherzige Brüder München (rund 771.000 Euro), die RoMed Kliniken - Rosenheim & Prien (rund 1,28 Mio. Euro), die Kliniken Südostbayern AG - Klinikum Traunstein (rund 1,1 Mio. Euro), das Städtisches Klinikum München GmbH - Klinikum Schwabing (rund 1,4 Mio. Euro), das Klinikum der Universität München - Großhadern und Innenstadt (rund 2,5 Mio. Euro), das Klinikum Passau (rund 1 Mio. Euro), das Donauisar Klinikum Deggendorf (rund 1 Mio. Euro), das Klinikum Weiden (rund 2 Mio. Euro), das Klinikum Fürth (rund 1,2 Mio. Euro), das Klinikum Nürnberg (rund 3,2 Mio. Euro), das Universitätsklinikum Augsburg (rund 2,8 Mio. Euro) vom Bund eine Auszahlung für ihre Beschäftigten.

Gezahlt wird die Corona-Prämie vom Bund aus den Liquiditätsreserven des Gesundheitsfonds.

Reaktionen auf Bonus sind unterschiedlich

Über jeden Bonus freuen sich Mitarbeiter. Doch Geld ist nicht alles und vor allem ist die Angst groß, dass der Unmut unter den Beschäftigten wächst, wenn nur eine Gruppe der Beschäftigten eine finanzielle Bonuszuwendung erhält und die anderen nicht. Die Politik verfährt diesmal klug und übergibt die Auszahlung in die Hände der Kliniken. Die sollen entscheiden, wer beim Bonus berücksichtigt wird.

Sabine Stoll, Pressesprecherin des Klinikums Nürnberg, erklärt: "Fest steht, dass es im Juni ausbezahlt werden soll. Momentan laufen die Abstimmungen mit dem Personalrat. Da wird entschieden, wer wie viel bekommt."

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Intensiv-Pfleger Thilo Rothfuß, Klinikum Nürnberg

Pflegekräfte sehen Prämie nicht als Lösung

Das Pflegepersonal sieht die Prämienzahlung als Geste, erwartet sich aber mehr als nur einmalige Zahlungen. Thilo Rothfuß ist als Intensivpflegekraft seit einem Jahr auf der Covid-19-Intensivstation im Klinikum Nürnberg tätig. Er findet es in Ordnung, "wenn da noch ein bisschen Geld kommt", erklärt er. Aber es sei nicht das, was die Pflegekräfte sich wirklich von der Politik erwarten.

"Es ist nicht das, was unseren Berufsstand weiterbringt. Es ist nicht das, was uns in der Versorgung verbessert. Die Corona-Prämie ist besser als ein Händedruck, aber sehr viel mehr ist es halt auch nicht. Das kommt nicht so an als Wertschätzung." Thilo Rothfuß, Intensivpflegekraft Klinikum Nürnberg

Wunsch nach mehr Personal

Angesichts des Personalmangels wünscht sich Rothfuß vor allem die Ausstattung der Kliniken mit Springerteams. Personal, das einspringt, wenn Kollegen auf der Station ausfallen aufgrund von Krankheit beispielsweise. Oft kommt es jetzt vor, dass hier dienstfreie Kollegen doch eine Schicht übernehmen müssen, um die Stationen überhaupt am Laufen zu halten. Eine Planbarkeit der Freizeit ist dadurch in vielen Fällen nicht möglich. Wer seinen freien Tag dann aber doch nimmt, dem plagt das schlechte Gewissen, die Kollegen im Stich zu lassen. Das sei sehr belastend, meint Rothfuß.

Etwas anderes wäre es auch, so meint der Intensivpfleger, wenn das Gehalt insgesamt angehoben werden würde. Pflegekräfte seien noch immer eher im niedrigen Lohnsektor angesiedelt, arbeiten aber mit schwerstkranken Menschen. Wichtig seien bessere Möglichkeiten der Fortbildung, bessere Karrieremöglichkeiten. Die Akademisierung der Pflege sei ein Beispiel für eine Verbesserung, die dann aber auch eine bessere Entlohnung mit sich bringen müsste.

Arzthelferinnen und Arzthelfer gehen wieder leer aus

Wieder leer ausgehen bei der Zahlung von Prämien werden die medizinischen Fachangestellten. Die Arzthelferinnen, wie sie früher hießen, werden jetzt noch einmal durch die Impfungen in den Arztpraxen verstärkt gefordert und übernehmen in vielen Fällen die Testungen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Belastung der medizinischen Fachangestellten auch hoch ist. Wenn sie in Testungen einbezogen sind, dann müssen sie ebenfalls in der entsprechenden Schutzausrüstung arbeiten. Sie sind auch den gleichen Risiken ausgesetzt wie Pflegepersonal", so Hannelore König vom Verband der medizinischen Fachangestellten.

"Es ist ein Schlag in die Magengrube"

Vor allem die Angestellten in den Arztpraxen sind die ersten Ansprechpartner für Covid-19-Patienten und sie bekämen oft den Unmut der Patienten ab, beispielsweise bei der Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca. In den Praxen würden aber vor allem auch die Fragen der Patienten und Patientinnen zu den Corona-Impfungen und -Tests und zu den Quarantäne-Regeln auflaufen, wenn die Hotlines der Institutionen nicht erreichbar sind oder die Fragen dort nicht beantwortet werden.

"Der Corona-Sonderbonus wäre für diese Berufsgruppe absolut überfällig", so König weiter. "Es ist ein Schlag in die Magengrube mal wieder." Ein Corona-Sonderbonus für die medizinischen Fachangestellten sei aufgrund der Verantwortung, die diese im ambulanten Gesundheitswegen übernehmen, überfällig. "Die Politik sollte dies einfach einmal honorieren." 80 bis 90 Prozent der Corona-Patienten wenden sich als erstes an ihren Hausarzt und dort an die medizinischen Fachangestellten, so König weiter. Auch diese Berufsgruppe sei am Limit.

Nach den Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK aus Dezember 2020 liegen medizinische Fachangestellte auf Platz 2 und zahnärztliche Fachangestellte auf Platz 6 der zehn Berufsgruppen mit den höchsten Covid-19-Erkrankten je 100.000 erwerbstätige AOK-Mitglieder.

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