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Gründungsboom bei Wohnungsbau-Genossenschaften in Bayern | BR24

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Genossenschaftliches Wohnen erscheint vielen Wohnungssuchenden als attraktiver Weg zu einer bezahlbaren Unterkunft. Bei vielen Genossenschaften gibt es deshalb bereits Aufnahmestopps - doch in Bayern erleben Wohn-Genossenschaften einen Gründungsboom.

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Gründungsboom bei Wohnungsbau-Genossenschaften in Bayern

Genossenschaftliches Wohnen erscheint vielen Wohnungssuchenden als attraktiver Weg zu einer bezahlbaren Unterkunft. Bei vielen Genossenschaften gibt es deshalb bereits Aufnahmestopps - doch in Bayern erleben Wohn-Genossenschaften einen Gründungsboom.

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Seit 2015 gründeten sich im Freistaat mehr Wohnungsbaugenossenschaften als im restlichen Bundesgebiet zusammen. 40 neue Wohnungsbaugenossenschaften traten in diesem Zeitraum dem Verband der Wohnungswirtschaft VdW Bayern bei. Dazu zählen sowohl Genossenschaften als auch kommunale Wohnungsunternehmen. Jüngstes Verbandsmitglied ist die Augsburger Wohnungsgenossenschaft "Wogenau", so der VdW Bayern.

Die dritte Gründungswelle rollt

Wohnungsbaugenossenschaften (WBG), also Zusammenschlüsse mit dem Ziel, den Mitgliedern günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, erleben damit eine dritte Gründungswellen nach der Zeit der Industrialisierung und den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Auslöser für die vielen Neugründungen, die laut VdW auch in diesem Jahr weitergehen dürften, ist klar: Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt. Und den bieten Genossenschaften. Denn die Miete einer genossenschaftlichen Wohnung liegt je nach Standort weit unter dem Mietspiegel.

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In Würzburg etwa kostet der Quadratmeter einer genossenschaftlichen Wohnung zwischen sechs und acht Euro, schätzt Edgar Hein vom Würzburger Mieterverein. Demgegenüber koste der Quadratmeter auf dem Gesamtmarkt im Schnitt zwischen 10 und 13 Euro. Um den Mietspiegel weiterhin zu dämpfen, müssten die Genossenschaften bauen, so Hein. Doch der mangelnde Zugang zu Bauland und hohe Baukosten würden solchen Vorhaben im Weg stehen, so der VdW Bayern.

Auch neue Genossenschaften haben lange Wartelisten

Auch in München boomen die Genossenschaften. Laut dem Verband der Wohnungsunternehmen haben sich allein in den vergangenen fünf Jahren in der Landeshauptstadt 13 neue Wohnungsgenossenschaften gegründet. Doch der Boom hält mit der Nachfrage nicht Schritt: Kaum eine der 50 Münchner Wohnungsgenossenschaften nimmt noch Mitglieder auf, die Warteliste ist lang.

München ist für Genossenschaften oft zu teuer

Darüber hinaus stößt der Genossenschafts-Gedanke gerade in München auch an finanzielle Grenzen. Ein Hindernis für kaufwillige Genossenschaften sind die stark gestiegenen Bodenpreise in der Landeshauptstadt. Denn die Stadt muss zu marktüblichen Preisen verkaufen und darf den Grund nicht unter Wert anbieten. Viele Genossenschaften können dann im Bieter-Wettbewerb mit anderen Investoren nicht mithalten.

Attraktives Modell für Wohnungssuchende

Dennoch: Das Genossenschafts-Modell hat viele attraktive Seiten: Genossenschafts-Mitglieder haben in einer Genossenschaftswohnung in der Regel ein lebenslanges Wohnrecht. Kündigungen sind sehr selten. Mieterhöhungen gibt es zwar auch bei den Genossenschaften, sie sind aber gedeckelt.

Seriöse Wohnungsbaugenossenschaften wirtschaften vorrangig für ihre Mitglieder und sind nicht primär gewinnorientiert. Aus diesem Grund zahlt man für Genossenschaftswohnungen in der Regel eine vergleichsweise niedrige Miete, die oft unter dem lokalen Mietpreisspiegelwert liegt.

Nachteile hat das Genossenschafts-Modell aber auch: Wer aus der Genossenschaft austritt, erhält das Geld, das in Genossenschaftsanteile investiert wurde, oft erst nach Monaten oder sogar Jahren zurück. Eine Kündigung ist zudem oft nur mit einer Frist zum Jahresende möglich. Bei einigen Genossenschaften gibt es auch eine Mindestanlagezeit. Man sollte also nur sein Geld investieren, wenn man es tatsächlich vorerst nicht dringend braucht.

Augen auf bei der Auswahl der Genossenschaft

Vor dem Eintritt in eine Genossenschaft sollte man prüfen, ob aus der Satzung oder dem Jahresabschluss klar hervorgeht, wofür die Mitgliedsbeiträge verwendet werden. Die Zahl der Mitglieder einer Genossenschaft sollte in einem vernünftigen Verhältnis zur Zahl der Wohnungen stehen. Kommen auf viele Mitglieder nur sehr wenige Genossenschaftswohnungen, sollten man eine Anlage kritisch hinterfragen.

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