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Hebamme legt einer Schwangeren den Wehenschreiber an
© pa/dpa/Focke Strangmann

Autoren

Maximilian Heim
Erich Wartusch
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Hebamme legt einer Schwangeren den Wehenschreiber an

Die Hoffnung von Bayerns Gesundheitsministerin ist eine runde wie ambitionierte Zahl: 100 neue Hebammen pro Jahr wünscht sich Melanie Huml (CSU) – erreicht werden soll das durch einen Gründerzuschuss, den das Kabinett an diesem Montag auf den Weg gebracht hat. Das Versprechen: Wer sich als Hebamme selbstständig macht, erhält einmalig 5.000 Euro.

Hebammen: Guter Ansatz, löst aber nicht das Grundproblem

"Das ist ein guter Ansatz", sagt Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands. Bisher müssten Hebammen oft "mit großen Summen in Vorleistung gehen", wegen der Sozialversicherung und den hohen Haftpflicht-Beiträgen. Giesen sagt aber auch: Grundlegende Probleme löse der Zuschuss nicht – etwa die geringen Tariflöhne für angestellte Hebammen, die von den Gewerkschaften verhandelt werden.

Hebammen sollen an Hochschulen ausgebildet werden

Auch bei der Ausbildung will die Staatsregierung den Beruf nun aufwerten. Künftig soll es an drei Hochschulen in Bayern Ausbildungsplätze für Hebammen geben. Als Standorte sind Regensburg, Landshut und München eingeplant. Im Herbst 2019 soll es losgehen.

Übrigens: Bereits seit September 2018 gibt es einen Einmal-Bonus von 1.000 Euro pro Hebamme, dieser soll zusätzlich zum 5.000-Euro-Zuschuss bestehen bleiben.

Viele Geburtshilfe-Abteilungen geschlossen

Längst hat der Hebammen-Mangel viele bayerische Gegenden erreicht. Zuletzt schlossen im Freistaat immer mehr Geburtshilfe-Abteilungen in Krankenhäusern, etwa in Schrobenhausen, Illertissen oder Bad Aibling. Ein weiteres Problem: Viele Hebammen konzentrieren sich mittlerweile auf die Vor- und Nachsorge, bei der eigentlichen Geburtshilfe gibt es teils eklatanten Personalmangel.

Für die Grünen-Gesundheitspolitikerin Christina Haubrich sind die Pläne von CSU und Freien Wählern deshalb nur "ein erster Schritt auf einem langen Weg hin zu einer besseren Geburtshilfeversorgung in Bayern". Haubrich weist auch darauf hin, dass das 5.000-Euro-Starterpaket von den Grünen in der vergangenen Legislatur noch vergeblich gefordert worden sei. Außerdem fordert Haubrich deutlich mehr als die geplanten 100 Hochschul-Plätze pro Jahr sowie ein "Sonderprogramm zur Wiederansiedlung von Geburtshilfestationen in der Fläche".