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Schwefelkies aus der Oberpfalz. Er dient der Gewinnung von Schwefelsäure

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    Grube Bayerland: Das Katzengold aus Waldsassen

    Bis vor 50 Jahren ist in der Oberpfalz Schwefelkies abgebaut worden. Nahe Waldsassen wurde das "Katzengold" aus 500 Metern Tiefe gefördert. Heute ist die Grube Bayerland fast vergessen. Aber immer noch geht von dem ehemaligen Bergwerk Gefahr aus.

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    Von
    • Christoph Röder
    • BR24 Redaktion

    Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei, Zinn - für Geologen gibt es in der nördlichen Oberpfalz und im Fichtelgebirge quasi nichts, das es im Boden nicht gibt. Bei Waldsassen hat man bis in die 70er-Jahre Schwefelkies, im Volksmund "Katzengold", abgebaut. Das Ende dieses fast vergessenen Stücks Oberpfälzer Bergbaugeschichte jährt sich heuer zum 50. Mal.

    Abbau in 500 Metern Tiefe

    Ein kleines Metallschild steht am Rand einer kreisrunden, völlig mit Moos überzogenen Betonplatte mitten im Wald im Leonberger Ortsteil Pfaffenreuth bei Waldsassen. Wer es nicht weiß oder das Schild genau liest, käme wohl nie auf die Idee, auf einem von drei ehemaligen Zugängen zu einem Bergwerk zu stehen, das sich 500 Meter in die Tiefe erstreckt. Aus der Grube Bayerland wurde bis vor genau 50 Jahren Schwefelkies, also Pyrit gefördert - das, was der Volksmund gerne Katzengold nennt. Daraus wird Schwefel gewonnen, der bis heute einer der Haupt-Rohstoffe der chemischen Industrie ist.

    Der letzte Lehrling auf Kontrollgang

    Der heute 79-jährige Waldsassener Gerhard Schmaus hat 1956 zur letzten Gruppe Lehrlinge gehört, die hier das Bergmannshandwerk erlernt hat. Bis zur letzten Schicht im September 1971 hat er dann hier gearbeitet. Da wurde der Betrieb dann eingestellt. Der Rohstoffpreis war recht niedrig geworden, die Förderung recht teuer - es lohnte sich schlicht nicht mehr.

    Heute ist Schmaus der einzige, der in gewissem Sinne immer noch für die Grube Bayerland arbeitet. Vier Mal im Jahr macht er sich auf zu einem erweiterten Spaziergang. Er läuft das Gelände ab und kontrolliert, ob sich irgendwo sichtbar der Boden abgesenkt hat. Hintergrund ist, wie Schmaus sagt, dass bei der Stilllegung teilweise gepfuscht wurde. Man hat die Holzkonstruktionen in der Tiefe nicht entfernt, bevor man die Zugangsschächte gesprengt und verfüllt hat. Irgendwann sind sie verrottet und abgesackt.

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    Gerhard Schmaus (re.) macht regelmäßig einen Kontrollgang im Wald über der verfüllten Grube.

    Heute lauern Gefahren

    Das führte dann dazu, dass Gerhard Schmaus vor Jahren im Pfaffenreuther Wald auf ein sechs Meter tiefes Loch gestoßen ist. Daraufhin wurden die Schächte mit Betondeckeln inklusive Kontrollklappe bedeckt. Schmaus wurde mit der gelegentlichen Kontrolle der Schächte beauftragt, weil eine gewisse Gefahr trotz Deckel noch bestehen könnte, sagt Geologe Andreas Peterek, Geschäftsführer des Geoparks Bayern-Böhmen: "Die haben gehofft, dass sich der Schutt nach dem Sprengen einfach in den Schächten verkeilt, das ist aber nicht passiert. Wenn das nachgesackt ist, dann fangen auch die Ränder an, nachzusacken, irgendwann kann es die ganze Platte erwischen. Und deshalb muss es regelmäßig kontrolliert werden."

    Große Inspektion alle zehn Jahre

    Alle zehn Jahre wird deshalb nun mit Hilfe eines Baggers die Kontrollklappe in den drei Betonplatten über den Schächten geöffnet, damit Ex-Bergmann Schmaus nachschauen kann, ob das Füllmaterial weiter abgesunken ist. Dieses Jahr ist es wieder so weit. Sollte etwas abgesunken sein, wird einfach weiteres Füllmaterial nachgeschüttet. Beim der letzten Kontrolle war eine ganze LKW-Ladung nötig.

    Die Stollen selbst sind heute nicht mehr zugänglich und werden es auch nie wieder sein – sie stehen unter Wasser und alle Zugänge sind verfüllt. Schmaus und Peterek bleibt nur, die Erinnerung zu bewahren. Zum einen wegen des Restrisikos - vor allem aber, damit dieses Stück Oberpfälzer Bergbaugeschichte nicht völlig in Vergessenheit gerät. Deswegen hat der Geopark Bayern-Böhmen privates Filmmaterial vom letzten Arbeitstag aufgekauft, das momentan aufbereitet wird und dann präsentiert werden soll. Außerdem bemüht sich der Verein darum, ein großes Modell der Grube Bayerland ins Stiftlandmuseum zurückzuholen, das vor Jahren ins Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern in Theuern gebracht wurden, dort aber derzeit nicht ausgestellt ist.

    💡 Wofür braucht man Schwefelkies?

    Ursprünglich ging es in Pfaffenreuth vor allem um den Abbau Eisen, bis ins 16. Jahrhundert reichen die frühesten Abbauspuren wohl zurück. 1923 ging man dann dazu über, im größeren Stil gezielt den Schwefelkies aus dem Boden zu holen. Er dient der Gewinnung von Schwefelsäure, bis heute einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie, insbesondere in der Düngemittelherstellung.

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