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Großveranstaltungen in Bayern: Wer bereits abgesagt hat | BR24

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Das Gäubodenfest in Straubing, die Allgäuer Festwoche in Kempten, "Rock im Park" in Nürnberg: abgesagt. Weitere werden folgen. Bis Ende August sind Großveranstaltungen verboten. Aber auch das größte Volksfest der Welt die Wiesn steht auf der Kippe.

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Großveranstaltungen in Bayern: Wer bereits abgesagt hat

Was viele Veranstalter bereits vermutet haben, wurde nun von der Bundesregierung bestätigt: Der Sommer 2020 wird ein Sommer ohne Volksfeste und Musikfestivals werden. Viele große Events wurden bereits offiziell gestrichen. Ein Überblick.

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"Ein harter Schlag mit Ansage", so nennt es der Wirtesprecher Martin Lechner vom Gäubodenfest in Straubing. Das zweitgrößte Volksfest Bayerns wurde nun abgesagt, nachdem die Bundesregierung aufgrund der Corona-Pandemie alle Großveranstaltungen bis 31. August verboten hat. Martin Lechner hatte bereits damit gerechnet, seine Frau Edith fügte hinzu:

"Natürlich haben wir irgendwie noch gehofft. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber heute ist sie gestorben." Edith Lechner, Festwirtin

Schaden im fünfstelligen Bereich

Für die Lechners, die ein Zelt mit über 3.000 Sitzplätzen betreiben, bedeutet das einen Schaden im fünfstelligen Euro-Bereich. Denn die zwei Hallen, in denen unter anderem die Teile des Festzeltes lagern, sind gemietet und müssen - genau wie die Versicherungen - weiterbezahlt werden, so Martin Lechner.

Auch sein Wirte-Kollege Anton Nothaft reagierte gefasst auf die Absage. Auch er hatte sie bereits erwartet. Trotzdem war zuvor weitergearbeitet worden, als würde das Fest im August stattfinden.

"Ein Sommer ohne Volksfest, das wird wie ein großes Loch sein." Martin Nothaft, Festwirt.

Für Nothaft gibt es in Straubing im Jahr "zwei Höhepunkte: Weihnachten und Volksfest“. Laut dem Tourismusverband Ostbayern ist das Gäubodenfest einer von rund 1.000 abgesagten Veranstaltungsterminen in der Oberpfalz und in Niederbayern.

Auch Volksfeste und Open-Airs in Unterfranken und Schwaben betroffen

Das Volksmusikfestival Drumherum im niederbayerischen Regen, eine Veranstaltung mit rund 50.000 Gästen, wird ebenfalls ersatzlos gestrichen, bestätigt Organisator Roland Pongratz. Das überregional bekannte Festival soll nicht in den Herbst verschoben werden, sondern erst 2022 wieder stattfinden, damit also im regulären zweijährigen Turnus. Abgesagt werden auch die Passauer Maidult und das Pfingsvolksfest Neustadt an der Donau. In Nürnberg gibt es kein Bardentreffen, die Erlanger Bergkirchweih, das Forchheimer Annafest oder die Kulmbacher Bierwoche fallen ebenfalls aus.

Das Volkacher Weinfest, das größte Weinfest in Franken, kann wie das Würzburger Weinfest nicht stattfinden. Abgesagt wurden in Schwaben die Allgäuer Festwoche, die Bodensee-Regatta Rund um sowie der Augsburger Plärrer und das Kaufbeurer Tänzelfest.

Alternativsuche in der Oberpfalz

Ob der Kötztinger Pfingstritt und der Further Drachenstich dieses Jahr in irgendeiner Form stattfinden können, wird gerade noch diskutiert. Ein kleiner Ersatz, um wenigstens das jahrhundertealte Gelübde zu erfüllen, könnte eventuell ein Ritt ohne große Zuschauermengen werden. Ebenfalls erst noch entschieden wird über den bekannten Drachenstich in Furth im Wald - eine mehrwöchige Festspielveranstaltung im August. "Wir warten jetzt noch die genaue Definition und die Zahlen ab, was die bayerische Staatsregierung unter einer Großveranstaltung versteht", sagte Organisationsleiter Karl-Heinz Späth. Das sei noch ein Hoffnungsschimmer für das "älteste deutsche Volksschauspiel". Nur einen Teil der Plätze zu verkaufen, sei aber wegen der gleichbleibenden Unkosten pro Aufführung schwierig.

Sommer ohne Pop-Festivals und Musikveranstaltungen

Bis zuletzt hat das Team an den Vorbereitungen gearbeitet, nun wurden die Zwillingsfestivals Rock am Ring und Rock im Park abgesagt. "Für die Veranstalter und ihre Teams, die Künstler und 175.000 Fans, die am ersten Juni-Wochenende 35 Jahre Rock am Ring und 25 Jahre Rock im Park feiern wollten, ist diese alternativlose Entscheidung natürlich enttäuschend", so die Pressemitteilung. Anfang April hatten die Veranstalter noch an dem geplanten Termin festgehalten. Online übertragene Konzerte ohne Publikum seien keine Option, hatte es damals geheißen.

Zum ersten Mal wird auch das Würzburger Africa Festival verschoben - und zwar auf den 3. bis 6. Juni 2021. Das Africa Festival zählt zu den größten und ältesten europäischen Festivals für afrikanische Musik und Kultur.

CSD-Parade und DOK.fest: Online-Veranstaltungen als Alternative

Auch zahlreiche Paraden des Christopher Street Day fallen 2020 ins Wasser. In München soll die Parade zumindest virtuell stattfinden, wie es auf der CSD-Homepage hieß. "Wir werden den Münchner CSD am 11./12. Juli in Teilen virtuell durchführen. Eine Verschiebung ist nicht angedacht". Im vergangenen Jahr hatten rund 155.000 Menschen den Christopher Street Day in der Landeshauptstadt besucht.

Auch das internationale DOK.fest München wird dieses Jahr nur online stattfinden – als DOK.fest München @home 2020. Das Festivalteam arbeitet jetzt mit Hochdruck daran, bis Anfang Mai ein attraktives digitales Programm zusammenzustellen, gibt das DOK.fest auf seiner Homepage bekannt. Geplant werden Screenings und Interviews, die online angeboten werden.

Eins der größten Filmfestivals in Deutschland, das Filmfest München wurde noch vor dem offiziellen Beschluss dieses Jahr abgesagt.

Die Wiesn: eher unwahrscheinlich

Und was nun mit dem größten Volksfest der Welt? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht das Oktoberfest in diesem Jahr in akuter Gefahr.

"Ich bin sehr, sehr skeptisch und kann mir aus jetziger Sicht kaum vorstellen, dass eine solch große Veranstaltung überhaupt möglich ist zu dem Zeitpunkt" Markus Söder im Bayerischen Rundfunk

Die finale Entscheidung sei aber noch nicht getroffen. Organisatorisch ist es möglich, den Beschluss bis Juni hinauszuzögern. Allerdings ist die Absage aller Großveranstaltungen in Bayern bis Ende August ein Signal, das gegen die Wiesn spricht. "Es wäre zwar schade, aber aus jetziger Sicht eher unwahrscheinlich", betont Söder.

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