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Mit der "Operation Weckruf" solle ein deutliches Signal an die Täter gesendet werden, dass sich niemand in der vermeintlichen Anonymität des Internets verstecken könne, so der übereinstimmende Tenor auf einer Pressekonferenz zu dem Fahndungserfolg.

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Großrazzia gegen Kinderpornografie in Bayern

"Operation Weckruf": Unter diesem Namen haben Ermittler bei einer großangelegten Kinderpornografie-Razzia 49 Objekte in ganz Bayern durchsucht. Dabei ging es vor allem um Internet-Kriminalität. Delikte in diesem Bereich haben stark zugenommen.

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Von
  • Christoph Dicke

Es war die bisher größte derartige Aktion in Bayern: 49 Hausdurchsuchungen in allen sieben Regierungsbezirken, dazu wurden zwei Objekte in Stuttgart und Hannover inspiziert. Es geht um Verbreitung und Besitz kinderpornografischen Materials wie auch um sexuellen Missbrauch von Kindern durch sogenanntes Cybergrooming. Darunter versteht man die gezielte Kontaktaufnahme durchs Internet, um sexuelle Begegnungen anzubahnen.

51 Beschuldigte aus allen Milieus

Betroffen von der Razzia sind 51 Beschuldigte im Alter zwischen 16 und 62. Sie kommen aus allen sozialen Schichten. Über 200 Einsatzkräfte beschlagnahmten zahlreiche Smartphones, Rechner, Laptops und Datenträger. Damit solle ein deutliches Signal an die Täter gesendet werden, dass sie sich in der vermeintlichen Anonymität des Internets nicht verstecken könnten, betonten Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich (beide CSU) übereinstimmend auf einer Pressekonferenz im Münchner Justizpalast.

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Bayernweit sind Polizei und Justiz gestern gegen Kinderpornographie vorgegangen. In allen Regierungsbezirken schlugen die Ermittler nun zu.

Immer mehr Kinderpornografie-Delikte

Im Bereich Kinderpornografie steigen die Zahlen seit Jahren an. Erst Ende Januar wurde bei zwei Großeinsätzen in mehreren Bundesländern belastendes Material sichergestellt. Bei der neu eingerichteten bayerischen Spezialeinheit ZKI in Bamberg sind in diesem Jahr bereits über 1.400 Verfahren eingegangen - 300 mehr als im gesamten letzten Jahr. Die Spezialeinheit bekämpft nur die schweren Fälle. Die allgemeinen Fallzahlen der Verbreitung, des Erwerbs und Besitzes sowie der Herstellung von Kinderpornografie nahmen 2020 um knapp 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu - auf 2.762.

"Das ist eine bedenkliche Steigerung, die nicht nur auf die verstärkte Strafverfolgung zurückzuführen ist", erklärte Herrmann. "Nach unseren Erkenntnissen steigen Angebot und Nachfrage. Gerade die Anbieter von Kinderpornografie, die mit dem unsäglichen Leid oftmals auch Geschäfte machen, gehören hinter Schloss und Riegel."

Bayern will Betreiber von Plattformen stärker bestrafen

Unter den 2.762 Fällen waren auch die Betreiber von einschlägigen Online-Plattformen. Hierfür seien die Strafen bisher noch zu gering, beklagte Justizminister Georg Eisenreich: "Ich fordere: Wer eine Internetplattform für Kinderpornografie betreibt, dass der mindestens für drei Jahre hinter Gitter kommt. Und dafür setzen wir uns auf Bundesebene ein."

Inzwischen, so Eisenreich, könne die Polizei leichter verdeckte Ermittler einsetzen. Der rechtliche Rahmen dafür sei gelockert worden.

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Bayernweit haben Justiz und Polizei gegen Kinderpornographie durchgegriffen. In allen Regierungsbezirken schlugen Ermittler zu und stellten kinderpornographisches Material sicher.

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