BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Großes Jubiläum: 50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald | BR24

© Br

1970 entstand im Bayerischen Wald der erste deutsche Nationalpark. Er bildet heute zusammen mit dem tschechischen Nachbarpark das "grüne Dach Europas". 50 Jahre Nationalpark - eine Erfolgsgeschichte für Naturschutz und Tourismus.

11
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Großes Jubiläum: 50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald

Am 7. Oktober 1970 wurde der Nationalpark Bayerischer Wald feierlich eröffnet - nach langen Diskussionen. Seitdem ist viel passiert und die Einstellung gegenüber dem Nationalpark hat sich bei vielen geändert. Ein kleiner Überblick.

11
Per Mail sharen

Am 7. Oktober 1970 wurde der Nationalpark Bayerischer Wald durch Staatsminister Hans Eisenmann (CSU) eröffnet. Dafür wurde der Politiker medienwirksam mit einer Pferdekutsche in den Wald gefahren. Vorausgegangen waren dem Projekt jedoch zum Teil heftige Diskussionen. Gerade viele Menschen in der direkten Nähe zum Nationalpark hatten Angst: Sie befürchteten Bevormundungen, Betretungsverbote und die Schwächung der Waldwirtschaft.

Mehr zu 50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald finden Sie hier.

Die Angst der Nationalpark-Kritiker

Für die damals noch wirtschaftsschwache Grenzregion erhoffte man sich einen Tourismusaufschwung. Aber als 1983 ein großer Gewittersturm Zehntausende Bäume umwarf, begann eine schwierige Zeit. Mit dem Segen von Hans Eisenmann ließ man die Windwürfe liegen, nach dem Nationalpark-Motto, die Natur sich selbst zu überlassen. Ergebnis: eine Borkenkäfermasssenvermehrung und hektarweise sterbende Fichtenwälder. "Am Lusen hat es damals ausgesehen wie im Katastrophen-Film "The Day After," erinnern sich Urlauber. Und die Menschen vor Ort fühlten sich erst einmal betrogen. Es gab heftige Diskussionen. Doch dann ist der Wald über die Jahre nachgewachsen, stabiler, bunter und ursprünglicher als es Förster jemals schaffen würden.

Seitdem hat sich noch vieles geändert - auch weil der Nationalpark jedes Jahr Hunderttausende Besucher anzieht und für die Region damit einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt. Zum Jubiläum wird das Schutzgebiet sogar erweitert.

"Natur Natur sein lassen"

Die Gründerväter des Nationalparks hatten das Ziel, dass sich im Nationalpark die Natur sich selbst überlassen wird, mit allen positiven wie negativen Folgen. Das Ziel, das die Gründerväter des Nationalparks vor Augen hatten, sei erreicht worden, bilanziert Direktor Franz Leibl. Der Wald habe sich immer mehr in Richtung Urwald entwickelt.

Inzwischen seien etwa 11.000 Tier-, Pilz- und Pflanzenarten im Bayerischen Wald nachgewiesen worden - darunter alleine 16 Urwaldrelikt-Käferarten. Auch Fledermäuse, Rotwild, Luchse, Wölfe und Biber fühlen sich in dem Areal wohl - ebenso der gefürchtete Buchdrucker. Im Nationalpark sieht man ihn als den großen "Waldumbauer" in Richtung Mischwald. Doch in den Randzonen muss er bekämpft werden, um die angrenzenden Privatwälder zu schützen.

Erneute Diskussionen wegen Borkenkäfer

Die Erweiterung des Nationalparks Bayerischer Wald im Jahr 1997, von seinen ursprünglich 13.000 auf dann über 24.000 Hektar, ließ die alten Ängste der Bevölkerung vor sterbenden Wäldern erst einmal wieder aufleben. Die "Waidler" demonstrierten und erreichten einen politischen Kompromiss. Bis 2027 soll der Borkenkäfer im Erweiterungsgebiet bekämpft werden. Das geht nur, indem man alle befallenen Bäume fällt. Deshalb waren im Erweiterungsgebiet jahrelang Harvester und Holzfäller unterwegs, paradox in einem Nationalpark. Diesmal waren es die Naturschützer, die dagegen protestierten. Auch viele Einheimische wurden skeptisch, ob in den leergeräumten Hochlagen, wo man teils nur noch Gras und Baumstümpfe sieht, jemals wieder Wald nachwächst. Doch der neue Wald wird kommen, versichern Experten. Es wird nur etwas länger dauern als im Altgebiet.

Mittlerweile ist der Nationalpark Bayerischer Wald zwar immer noch nicht vollständig unumstritten, die Akzeptanz in der Bevölkerung ist jedoch stark gestiegen, auch in der direkten Nachbarschaft des Parks.

Naturschutz und Bildungsauftrag

Der Nationalpark hat neben den Themen Naturschutz und Forschung auch einen Bildungsauftrag. Ranger sind in dem Gelände unterwegs, um Fragen zu beantworten und auf die Einhaltung der Regeln zu achten.

Für Forscher aus aller Welt ist der Nationalpark ein Eldorado, in dem jedes Jahr neue Arten entdeckt werden und die natürliche Waldentwicklung beobachtet werden kann. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr kam der Park fast an seine Grenzen bei den Besuchermassen, auch wegen der Corona-Situation. Es gab überfüllte Wanderparkplätze und - dank der sozialen Medien - immer mehr verbotene Touren durch die geschützten Kernzonen abseits der Wanderwege.

Corona: Keine Feier, viele Touristen

Dabei gäbe es ohnehin über 500 km markierte Rad-und Wanderwege. Die Besucherangebote sollen jetzt zum Jubiläum nochmal verbessert werden - mit Geburtstags-Investitionen in Millionenhöhe des Freistaats. Außerdem wird der Nationalpark um über 600 Hektar erweitert, entlang der bayerisch-tschechischen Grenze bei Mauth. Dort entstehen noch mehr Verbindungen zum tschechischen Nachbar-Nationalpark Šumava, mit dem die bayerische Seite eng zusammenarbeitet. Mit gemeinsam rund 90.000 Hektar unberührter Natur gelten beide Parks heute als das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas.

Der große Festakt zur 50-Jahr-Feier des Nationalparks ist corona-bedingt abgesagt worden. Der soll aber im kommenden Jahr nachgeholt werden, sagt Nationalpark-Direktor Leibl.

© BR

Es gibt sie noch, die wenigen und letzten Reste echten Urwalds in Europa. Vier solcher Urwaldinseln liegen mitten im Nationalpark Bayerischer Wald, dem ältesten Nationalpark in Deutschland. Vor 50 Jahren hat man ihn gegründet.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!