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Große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in Griechenland | BR24

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Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer will im kommenden Januar einen Hilfskonvoi für die notleidenden Flüchtlinge in den griechischen Lagern auf Samos und Lesbos zusammenstellen.

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Große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in Griechenland

Über 60 Tonnen Hilfsgüter sind laut Michael Buschheuer schon gesammelt. Der Gründer der Regensburger Organisation Sea-Eye ist überrascht von der großen Spendenbereitschaft. Im Januar soll der Hilfskonvoi in griechische Flüchtlingslager starten.

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Viele Flüchtlingslager in Griechenland sind überfüllt. In Lesbos, Chios, Samos, Leros oder Kos lebten Ende Dezember knapp 42.000 Migranten – in Anlagen, die nur für 7.500 Menschen ausgelegt sind. Die Kapazitäten werden also durchschnittlich um mehr als das Fünffache überschritten. Tausende Menschen leben in Zelten und Hütten, die sie aus Plastikplanen und Zweigen selbst gebaut haben. Nach Angaben der EU-Kommission sind unter den Geflüchteten auf diesen Inseln 1.922 unbegleitete Minderjährige registriert, in ganz Griechenland sollen es mehr als 5.200 sein.

Hilfsaktion von Sea-Eye-Gründer: "Nothilfe Samos"

Der Regensburger Michael Buschheuer packt jetzt an und stellt Hilfe für die notleidenden Geflüchteten auf Samos und Lesbos auf die Beine. Buschheuer ist der Gründer der Sea-Eye, einer Organisation zur Seenotrettung aus dem Mittelmeer. Jetzt organisiert er eine Aktion für Geflüchtete, die bereits an Land sind. In einem Video hatte Buschheuer beklagt, dass in den Flüchtlingslagern auf Samos und Lesbos Tausende Kinder an Weihnachten "im Dreck leben". Das sei nicht seine Weihnachten und auch nicht sein Europa, das diese Zustände zulasse, so Buschheuer.

Große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in Griechenland

Die Hilfsaktion sei spontan kurz vor Weihnachten entstanden, erklärte der Sea-Eye-Gründer heute in der radioWelt des Bayerischen Rundfunks. Es sei eine solche Dynamik entstanden, "dass wir jetzt schon den dritten Lkw planen". Mittlerweile seien über 60 Tonnen Hilfsgüter gespendet worden. Zahlreiche freiwillige Helfer seien dabei, die Güter zu sortieren und zu verpacken, so Buschheuer.

"Was wir noch brauchen, sind einfach ganz schwere Winterklamotten, also Dinge, die man braucht, wenn man draußen lebt, Schlafsäcke, stabile Zelte, schwere Stiefel und dergleichen." Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer in der radioWelt
© BR/Philipp Kimmelzwinger

Michael Buschheuer, Gründer der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye

Dramatische Lage auf griechischen Inseln

Insgesamt sind 2019 zwar erneut weniger Migranten in den europäische Mittelmeerländer angekommen. Aber die ägäischen Inseln bildet eine Ausnahme, dort spitzt sich die Lage weiter zu. Die Zahl der Migranten, die aus der Türkei nach Griechenland übersetzten oder über den Landweg dort hin gelangten, ist deutlich gestiegen. Bis zum 23. Dezember waren es nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR 73.377 - und damit fast 23.000 Menschen mehr als im gesamten Jahr 2018. Um die überfüllten Lager auf den Inseln zu entlasten, begann die griechische Regierung Anfang Oktober, Migranten aufs Festland zu bringen.

Debatte um Aufnahme unbegleiteter Minderjähriger

Vor Weihnachten hatte Grünen-Chef Robert Habeck dafür plädiert, bis zu 4.000 unbegleitete Flüchtlingskinder aus überfüllten griechischen Lagern nach Deutschland zu holen. Von Seiten der Regierung kam Widerspruch: Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer erklärte, das Problem der Flüchtlingsverteilung müsse auf europäischer Ebene gelöst werden. Deutschland könne das nicht im Alleingang. Bundesinnenminister Horst Seehofer warf Habeck "unredliche Politik" vor. Die Bundesregierung leiste in den Lagern auf den griechischen Inseln bereits massive Hilfe.

Keine Lösung auf EU-Ebene in Sicht

Die EU-Staaten ringen seit Jahren um einen gemeinsamen Kurs in der Flüchtlingspolitik. Bisher vergeblich. Wegen des Widerstands von Ländern wie Polen und Ungarn gibt es bis heute kein System zur gerechten Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU.

Die europäische Flüchtlingspolitik sei eine "Politik der Abschreckung", kritisiert Buschheuer. Man baue weiter an der Festung Europa und versuche den Flüchtlingen zu kommunizieren, "wenn sie nach Europa kommen, geht es ihnen noch schlechter". Seine Hilfsaktion könne zwar keine grundsätzliche Änderung herbeiführen. "Aber jedes Steinchen hilft", so Buschheuer.

Spenden werden noch bis in die erste Januarwoche angenommen. Wer sich informieren möchte, was noch gebraucht wird und wo es abgegeben werden kann, findet Infos auf der Facebook-Seite von Space-Eye, einem weiteren Hilfsprojekt des engagierten Regensburgers.