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Großbrand Recyclinghof Wörth: Maßnahmen für ganzen Landkreis | BR24

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Symbolbild: Im Landkreis Landshut werden jetzt Schutzmaßnahmen auf Wertstoffhöfen ergriffen, um Großbrände zu vermeiden

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    Großbrand Recyclinghof Wörth: Maßnahmen für ganzen Landkreis

    Mitarbeiterschulung, Thekenabgabe, Zusatzkräfte - diese Maßnahmen sollen für alle Wertstoffhöfe im Landkreis Landshut gelten. Eine Reaktion auf den Großbrand eines Recyclinghofs Anfang Juni in Wörth an der Isar.

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    Nach dem Großbrand einer Recyclingfirma in Wörth an der Isar werden jetzt Schutzmaßnahmen für alle Wertstoffhöfe im Landkreis umgesetzt. Damit sollen derartige Großbrände in Zukunft verhindert werden. Das wurde bei einer Bürgerversammlung am Dienstagabend in Wörth mitgeteilt.

    Schutzmaßnahmen in allen Wertstoffhöfen im Landkreis Landshut

    Stefan Scheibenzuber ist erster Bürgermeister in Wörth an der Isar - er hat die Bürgerversammlung moderiert. Im BR-Gespräch sagt er, dass in den rund 35 Wertstoffhöfen im Landkreis die Mitarbeiter jetzt speziell geschult werden. Außerdem wir es künftig separate Lagerbehältnisse in Form von Gitterboxen geben, sodass Lithium-Ionen-Akkus nicht unkontrolliert abgegeben werden. Es soll eine Art "Thekenabgabe" entstehen, sodass die Lithium-Ionen fachgerecht von den Mitarbeitern vorab sortiert werden. Bisher wurde Elektroschrott in Containern entsorgt, Laptops mit Lithium-Ionen-Akkus einfach weggeworfen. "Das muss jetzt separat bei der Theke abgegeben werden", erklärte Scheibenzuber. Das bedeutet aber auch mehr Arbeitszeit - deswegen wird es wohl Zusatzkräfte auf den Wertstoffhöfen geben.

    Bürger fordern mehr

    Eine Gruppe von engagierten und aktiven Bürgern in Wörth sehen die Maßnahmen als ersten Schritt in die richtige Richtung. Wie Wolfgang Landes, einer dieser aktiven Bürger, dem BR sagt, reichen die Maßnahmen aber nicht aus. Er und die anderen Wörther setzen sich seit Jahren für Veränderungen im Bereich Recycling und die damit einhergehende Gefahren ein - nach Landes seien die Maßnahmen jetzt auf Druck der Bürger umgesetzt worden.

    Die Bürgergruppe geht aber einen Schritt weiter - sie fordern mehr: Alle Bürger gehören ihrer Meinung nach umfassend informiert über den Umgang von Abfall, speziell für den gefährlichen Abfall wie beispielsweise Lithium-Ionen-Akkus. Auch die Wertstoffhöfe und Betriebe sollten über Gefahren ausreichend informiert werden. Hier sehen die Bürger das Landratsamt in der Pflicht. Weiter setzen sich die Bürger für eine Abgabe von haushaltsüblichen Mengen in allen Sammelstellen ein. Auch Multimomentaufnahmen von Wertstoffhöfen könnten helfen, Probleme bei der Entsorgung ausfindig zu machen und daran zu arbeiten. "Wir haben eine wahllose Anlieferung von Elektrokleingeräten geprüft - pro Kubikmeter Müll haben wir Akkus drin gefunden", so Landes.

    "So ein Brand darf hier nicht mehr stattfinden"

    Landes fasst das Hauptanliegen zusammen: "So ein Brand darf hier nicht mehr stattfinden." Seiner Meinung nach hätte der Brand in Wörth durch rechtzeitiges Handeln und durch früher auferlegte Auflagen in Wertstoffhöfen verhindert werden können.

    Der Landkreis Landshut schlägt jetzt die richtige Richtung ein, aber:

    "Wir fordern von allen Landkreisen die Einhaltung dieser geforderten Standards, nicht nur von Landshut. Wir wollen vor Ort beginnen am eigenen Wertstoffhof - und dann als Vorbild für die anderen Landkreise gelten." Wolfgang Landes, aktiver Bürger

    "Thekenmodell" mit Pfandsystem

    Ähnlich sieht das auch Michael Kannengießer, der Werksleiter des Recyclingsbetriebs in Wörth an der Isar:

    "Wenn das nicht alle machen, bringt das nichts. Wir bekommen Müll auch von anderen Landkreisen, von anderen Wertstoffhöfen. Es müssen alle umsetzen!" Michael Kannengießer, Werksleiter

    Kannengießer sieht weitere Probleme: Das Modell der "Thekenabgabe" soll seiner Meinung nicht nur auf den Elektroschrott angewendet werden, wie es eine Maßnahme jetzt besagt. Denn: "Es gibt kaum eine Abfallsorte, wo nicht so ein Lithium-Ionen-Akku drin ist." In sämtlichen Produkten, die von Leuchtschuhen über Handtaschen bis hin zu Laptops reichen, seien diese Akkus verbaut - und müssten richtig recycelt werden. Kannengießer plädiert für ein "Thekenmodell" in Verbindung mit einem Pfandsystem. "Bürger sollen nicht nur alles in den Restmüll oder den gelben Sack werfen, sondern recyceln und Geld zurück erhalten bei einem Pfandsystem." Mitarbeiter des Recyclinghofs könnten die recycelten Produkte dann dem richtigen Gefäß zuordnen.

    Nach Kannengießer müsse jetzt endlich ein Umdenken nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei der Politik stattfinden. Jeder Brand in der Recyclingbranche führe dazu, dass es Probleme mit Versicherungen geben könnte:

    "Wenn eine Branche die ganze Zeit Brände hat - in dem Gebiet sagt der Versicherer: Da kann ich keinen versichern. Wenn das passiert, stirbt das stoffliche Recycling." Michael Kannengießer, Werksleiter

    Brand Recyclingbetrieb: Kein Wörther Problem

    Das Problem mit dem Recyclinghof in Wörth ist kein Wörther Problem, betont beispielsweise Stefan Scheibenzuber - "das ist ein überregionales Problem." Besonders Lithium-Ionen-Akkus stellen eine Herausforderung für Mensch und Wertstoffhöfe dar. "Das ist ein Landes- und Bundesproblem", so Scheibenzuber. Schuld an dem Großbrand in Wörth an der Isar Anfang Juni waren wohl Lithium-Ionen-Akkus, die sich entzündet haben.

    Recyclingbetrieb muss Auflagen erfüllen

    Die Firma des Recyclingbetriebs, der Anfang Juni brannte, läuft immer noch nicht auf Volllast. "Er darf nur begrenzte Mengen annehmen", wie Scheibenzuber sagt. Bauliche Auflagen, wie hohe Brandschutzmauern, müssen errichtet werden, ebenso wie unter anderem ein Notrufalarmierungssystem im Werk oder das Bereitstellen von Schaumlöschmittel.

    Unauffällige Proben - keine Gesundheitsgefahr für Bürger

    Auf der Bürgerversammlung wurde nochmals betont, dass die Rauchwolke nicht gefährlich für die Bürger war. Alle Untersuchungen und Proben waren unauffällig, so Scheibenzuber: "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen."