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"Größter Beschiss": Die Hexenschaukel auf dem Gäubodenvolksfest | BR24

© BR / Birgit Fürst

Die Hexenschaukel auf dem Gäubodenvolksfest

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"Größter Beschiss": Die Hexenschaukel auf dem Gäubodenvolksfest

Seit 2011 ist die "Hexenschaukel" am historischen Teil des Straubinger Gäubodenvolksfestes zu Gast. Ihre Geschichte reicht sehr viel weiter zurück: Vor 125 Jahren stand die Illusionsschaukel nämlich zum ersten Mal auf dem Oktoberfest.

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Genau vor 125 Jahren – also im Jahr 1894 – stand die Hexenschaukel nachweislich zum ersten Mal auf dem Oktoberfest in München. Nur ein Jahr zuvor hatte sie ihre Weltpremiere in Amerika. Beim Gäubodenvolksfest in Straubing ist die Hexenschaukel seit acht Jahren eine der Attraktionen im historischen Bereich. Sie ist das letzte Fahrgeschäft, bei der ein Rekommandeur nicht nur „Hereinspaziert“ oder „Los geht’s“ sagt, sondern die Vorbeigehenden gezielt herein bittet. Das hat was von Derblecken – aber auf eine sehr charmante Art.

Leute werden direkt angesprochen

Bernie Schiedeck mit Schiebermütze, weißem Hemd und schwarzem Leiberl gekleidet wie ein Schausteller vor 100 Jahren sitzt im Zentrum der liebevoll nostalgisch bemalten Holzfassade der Hexenschaukel und spricht die Leute an, die vorbei gehen: "D’Frau möchte was erleben, siehst du das nicht? Etzt eina damit, sonst musst du dir daheim wieder anhören: ‚Du unternimmst nix mit mir, den ganzen Tag samma spazieren gangen – und erlebt haben wir nix!"

Irritierte Blicke von den Passanten

Die meisten Passanten schauen erst mal irritiert, wo die Stimme herkommt, lächeln dann und gehen weiter, aber immer wieder animiert der Bernie erfolgreich zum Mitfahren. Die Gäste verschwinden dann hinter ihm im Fahrgeschäft und da wartet schon der Schaukelbursche Rango – "alle gut festhalten, dann legen wir los!", sagt er.

Simple Technik, tolle Illusion

Es ist schummrig. Man sitzt sich gegenüber auf zwei Holzbänken in einer Schaukel. Die Schaukel bewegt sich hin und her und außen rundherum beginnen sich die Wände zu drehen – mal bemalt mit Teufeln in der Hölle, mal mit Engeln im Himmel. Und was dann passiert, ist absolut überraschend: Man glaubt, man überschlägt sich, aber es ist nicht so. Es ist nur eine Illusion, hervorgerufen durch das Schaukeln und optische Täuschungen. Eine richtige Kopfsache, also.

Prinzregent Luitpold saß auch schon in der Hexenschaukel

Bernie Schiedeck sagt dazu: "Eine simple Technik. Das ist der größte Beschiss am Volksfest, aber der funktioniert." Er funktioniert so gut, dass die Fahrgäste einfach nur begeistert sind: Ganz was anderes als immer nur Achterbahn fahren, sagen die einen - richtig cool, weil die Hexenschaukel schon so alt ist, aber immer noch so gut fährt, die anderen.

Hexenschaukel als Hobby

Hexenschaukelgeschäftsführer und Rekommandeur Bernie Schiedeck stammt aus Kirchroth und ist Lehrer in München. Die Hexenschaukel ist sein Hobby zweimal im Jahr, beim Gäubodenvolksfest und beim Oktoberfest. Ganz besonders wichtig ist ihm der Kontakt zu den Menschen und deswegen sind seine Sprüche auch nie beleidigend. 1894 saß in der Hexenschaukel sogar Prinzregent Luitpold – noch bis Montag steht das historische Gefährt auf dem Gäubodenvolksfest und ab Ende September auf dem Oktoberfest in München.