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"Grob fahrlässig": Kritik an Aiwangers Corona-Aussage | BR24

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Wirtschaftsminister Aiwanger

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"Grob fahrlässig": Kritik an Aiwangers Corona-Aussage

Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger stößt mit seiner Aussage zu einer möglichen Lockerung der Corona-Beschränkungen im April auf Kritik. Das sei fahrlässig und leichtfertig, bemängeln Grüne und SPD. Die Lage nach Ostern lasse sich nicht vorhersehen.

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Nach Meinung des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist der Stillstand der Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie nur noch wenige Wochen durchzuhalten. "Meine Einschätzung ist: Irgendwann ab Mitte April müssen wir die Kurve gekratzt haben", sagte er am Mittwochabend im BR Fernsehen. Denn sonst würde die Wirtschaft so "abgewürgt" werden, "dass wir am Ende mehr Tote hätten, weil die Grundversorgung nicht mehr funktioniert".

Die Fraktionsvorsitzenden von Grünen und SPD im bayerischen Landtag, Katharina Schulze und Horst Arnold, zeigten sich verwundert über Aiwangers Aussage - und kritisierten den Minister dafür scharf.

Wie sich die Niederbayern dem Corona-Virus entgegenstellen: hier

Schulze: "Grob fahrlässig"

Schulze beklagte in den sozialen Netzwerken, Aiwangers Äußerung sei "grob fahrlässig". Natürlich wäre es gut, wenn es bald wieder Normalität gäbe, schrieb die Grünen-Politikerin auf Twitter und Facebook. "Aber niemand kann heute zweifelsfrei sagen, wie die Verbreitungskurve des Corona-Virus nach Ostern aussieht." In einer "'Basta'-Mentalität das Ende des Virus zu verkünden", sei doch mehr als gewagt.

Arnold: Hauptziel, Leben zu retten

SPD-Fraktionschef Arnold betonte, die jetzt gültigen Beschränkungen träfen die Menschen zwar sehr hart. "Sie tragen aber dazu bei, Leben zu retten - das ist doch das Hauptziel!" Wenn sich absehen lasse, dass dies gelinge, könnten und müssten die Einschränkungen wieder gelockert werden.

Es sei aber "mehr als leichtfertig", jetzt ein konkretes Datum zu nennen - "und erst recht, wie Herr Aiwanger, das tut, von zusätzlichen Toten zu schwadronieren", sagte Arnold dem BR. Im Augenblick müsse man auf Sicht fahren.

Grüne: Aiwanger "wie Trump"

Scharfe Kritik äußerte auch der Regensburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt: Aiwanger fordere ähnlich wie US-Präsident Donald Trump ein Ausstiegsdatum, beklagte er auf Facebook. Klar sei aber, dass sich Covid-19 nicht an ein konkretes Datum halten werde. "Covid-19 wird uns auch nach Mitte April noch stark beschäftigen."

Auch die Berliner Grünen-Politikerin Anja Schillhaneck nannte den bayerischen Wirtschaftsminister in einem Atemzug mit US-Präsident Trump. Mit Blick auf Aiwangers Aussage twitterte sie: "Das ist halt 100% Trump-Logik: Wirtschaft vor Gesundheit."

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Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) im BR-extra-Interview

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