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Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lesbos | BR24

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Die beiden Clowns ohne Grenzen aus Oberbayern und der Oberpfalz spielten auf Lesbos vor etwa 540 Menschen, darunter waren 400 Kinder.

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Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lesbos

Sie bringen das Lachen in Flüchtlingslager und lassen Kinderherzen höher schlagen. Nach dem Brand im Lager Moria spielten Clowns ohne Grenzen auf der griechischen Insel Lesbos. Die Show lässt die Kinder zumindest kurz Armut und Krieg vergessen.

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Von
  • Martin Breitkopf

Im Reisegepäck waren blaue Zipfelmützen, rote Nasen und viel zu große Schuhe: Die aus Weilheim in Oberbayern stammende Susie Wimmer und Max Meier aus Regensburg reisten für fünf Tage nach Griechenland und traten auf Lesbos im Flüchtlingscamp Kara Tepe und dem alternativen Wohnprojekt Pikpa sowie in einem Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen auf. Insgesamt spielten sie auf Lesbos vor etwa 540 Menschen, darunter waren fast 400 Kinder.

Lachen, jubeln, prusten

Der Besuch erfolgte auf Initiative der Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt. Die Bundestagsabgeordnete hatte sich kurz nach dem Brand im Lager Moria bei den Clowns ohne Grenzen gemeldet und angefragt, ob diese sich einen Einsatz auf Lesbos vorstellen könnten. Nach der Rückkehr erzählt Susie Wimmer im BR-Interview von ihren Eindrücken.

"Glücklicherweise haben die Kinder auf Lesbos reagiert wie alle Kinder auf dieser Welt, wenn ein Clown auftritt: Lachen, jubeln, prusten – einfach den Alltag vergessen, einfach mal wieder Kind sein." Susie Wimmer, Clown ohne Grenzen

Strahlende Kinderaugen und Hoffnung auf Wiedersehen

Die Auftritte erfolgten überwiegend unter freiem Himmel unter Berücksichtigung der lokalen Corona-Regeln. Unter anderem spielten die Clowns auf einem großen Fußballplatz. Um die Corona-Bestimmungen einzuhalten, übernahmen Susie Wimmer und Max Meier mehrere Shows hintereinander und traten vor jeweils 37 Kindern auf.

"'Are you coming again tomorrow?' (Kommt Ihr morgen wieder?), wurden wir am Ende unserer Auftritte immer wieder von den Kindern mit strahlenden Augen gefragt“, berichtet Wimmer. So auch am letzten Tag ihres Aufenthalts. "Möge es bald wieder tomorrow sein!“ Für sie ist gerade jetzt zu Pandemiezeiten der Clown ein wichtiges Ventil. Das gilt nicht nur auf Lesbos, sondern über all auf der Welt.

"Wir brauchen soziale Kontakte, wir brauchen Berührungen und Beziehungen, das hat uns die Pandemie gezeigt. Es kann nicht nur um Gesundheit, Sicherheit und Geld gehen. Ich glaube, wir haben das jetzt verstanden. Und da ist der Clown der beste Mittler. Für mich ist der Clown der menschlichste Mensch." Susie Wimmer, Clown ohne Grenzen
© Clowns ohne Grenzen, Tessa Kraan

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lesbos

© Clowns ohne Grenzen, Thanasis Voulgarak

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Franziska Grillmeier

Clowns ohne Grenzen bei den Flüchtlingskindern auf Lesbos

© Clowns ohne Grenzen, Thanasis Voulgarak

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Tessa Kraan

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Thanasis Voulgarak

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Thanasis Voulgarak

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Tessa Kraan

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Tessa Kraan

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Tessa Kraan

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Tessa Kraan

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

© Clowns ohne Grenzen, Tessa Kraan

Clowns ohne Grenzen bei Flüchtlingskindern auf Lebos

Lachen überwindet jede Grenze

Ähnlich wie die Ärzte ohne Grenzen sind die Clowns ohne Grenzen ehrenamtlich in Krisengebieten unterwegs. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten in diesem Jahr allerdings die meisten Reisen abgesagt oder verschoben werden.

Clownausbildung vor Ort

Die Aktion auf der griechischen Insel Lesbos bildete eine der wenigen Ausnahmen, ist aber als längerfristiges Projekt konzipiert. So ist die Idee, vor Ort lokale Clowns auszubilden, um kontinuierlich für die Kinder im Lager da zu sein. Susie Wimmer und ihr Clown-Kollege Max Meier planen schon eine Rückkehr.

Einst Tänzerin, heute Clown

Wimmer war als Tänzerin weltweit auf großen und kleinen Bühnen der Welt unterwegs. Doch irgendwas fehlte ihr immer. Sie hat gespürt, dass sie den großen Publikumsmassen überdrüssig ist und suchte nach individuellen Kontakten, erzählt sie. 1996 wurde sie von den Klinikclowns "gefangen" und nie mehr losgelassen. Seit 2008 ist die Künstlerin aus Weilheim auch ein Clown ohne Grenzen und war für die Organisation schon 17-mal weltweit im Einsatz, neben Iran und Indien jetzt auch auf Lesbos.

"Wäre ich ein Arzt, wäre ich bei Ärzte ohne Grenzen. Jetzt bin ich ein Clown, darum bin ich bei Clowns ohne Grenzen." Susie Wimmer, Clown ohne Grenzen

Humanitäre Hilfe weltweit - mit roter Nase

In der deutschen Sektion sind rund 100 Clowns, Artisten und Musiker aktiv. "Bevor ihr kamt, haben die Kinder Krieg gespielt, jetzt spielen sie Clown", berichtete ein Mitarbeiter im jordanischen Flüchtlingslager Za´atari. Seit Gründung der deutschen Sektion der Clowns ohne Grenzen im Jahr 2007 wurden rund 70 Reisen in 25 Länder organisiert. Ihre Auftritte führten die Clowns unter anderem nach Albanien, Bolivien, Kenia, Nepal, Peru, Rumänien, Russland, Senegal, Syrien und die Ukraine.

2015 wurden die Clowns ohne Grenzen Deutschland im Rahmen des startsocial-Wettbewerbs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgezeichnet. 2016 wurde dem Verein die Theodor-Heuss-Medaille für sein zivilgesellschaftliches Engagement und den Einsatz für Demokratie und Freiheit verliehen.

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