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An der deutsch-tschechischen Grenze warten tschechische Grenzpendler auf einen Coronatest.

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    Pendler: Wie die Pandemie unsere Nachbarn aus Tschechien trifft

    Arbeiten in Deutschland, wohnen in Tschechien. Was für Grenzpendler seit Jahren Normalität ist, wird in der Corona-Krise zum "Testfall". Existenzängste, Mutationen und das Infektionsgeschehen gehören für sie mittlerweile zum Alltag.

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    • BR24 Redaktion

    Jeden Tag fahren Tausende Berufspendler aus Tschechien nach Bayern - auch in der Pandemie. Sie arbeiten als Ärzte und Pfleger im Gesundheitswesen, als Handwerker, bei der Müllabfuhr oder bei Reinigungsdiensten. Was wäre also, wenn Deutschland seine Grenzen für die Arbeitskräfte aus dem Corona-Hochrisikogebiet Tschechien schließen würde?

    Tschechische Grenzpendler haben Existenzängste

    "Das wäre eine Tragödie", sagt Jan Triska, der im Personalwesen eines deutschen Krankenhauses arbeitet und sich in einer Pendlervereinigung engagiert. Die Grenzgänger wären in Existenznöten, berichtet der 34-Jährige. Viele könnten nicht einfach umziehen - sie hätten Familie und Kinder.

    Aber auch viele Branchen in Bayern sind auf die Arbeitskräfte aus Tschechien angewiesen. Ganz vorn steht das Gesundheitswesen inklusive Pflege. Danach kommen Hotellerie, Gastronomie, Tourismus, Einzelhandel, Industrie und die Logistikbranche.

    23.000 Tschechen pendeln zum Arbeiten nach Bayern

    Mehr als 23.000 Tschechen pendeln dafür normalerweise nach Bayern."Momentan können wir davon etwa zehn Prozent abziehen, aber die allermeisten kommen nach wie vor", sagt Richard Brunner, Leiter der IHK im oberpfälzischen Cham. Homeoffice sei für Lastwagenfahrer oder Handwerker nun einmal nicht möglich. Der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU) erklärt, viele Unternehmen in der Grenzregion hätten noch dazu einen Zweigbetrieb in Tschechien. Für sie wäre eine Grenzschließung eine Katastrophe. "Wir haben uns zu einem Wirtschaftsraum entwickelt, das gilt es nicht zu gefährden", warnt Löffler.

    In den Landkreis Wunsiedel pendeln an Wochentagen etwa 1.500 Menschen aus Tschechien zur Arbeit. An der Teststation in Schirnding wurden daher in den vergangenen neun Tagen 12.500 Personen getestet - darunter Pendler und Bewohner. 250 Tests waren positiv.

    Hohe Inzidenzwerte im Nachbarland Tschechien

    Doch gleichzeitig wächst in Deutschland die Angst vor dem "gefährlichen Nachbarn" Tschechien. Seit Beginn der Pandemie sind im östlichen Nachbarland mehr als 16.000 Corona-Infizierte gestorben. Im europaweiten Vergleich liegt Tschechien laut der EU-Agentur ECDC mit knapp 982 Neuinfektionen binnen 14 Tagen je 100.000 Einwohner im Spitzenfeld. In Deutschland liegt dieser Wert derzeit bei knapp 266.

    Gerade die bayerische Grenzregion zu Tschechien gilt als ein Brennpunkt der Corona-Pandemie in Deutschland. Unter den zehn Kommunen mit den höchsten Inzidenzwerten waren laut Robert Koch-Institut zu Wochenbeginn vier bayerische Kreise, die allesamt an Tschechien grenzen. Die Behörden schließen einen Zusammenhang mit der Grenznähe nicht aus.

    Alle 48 Stunden ein negativer Corona-Test

    In Bayern müssen Pendler deshalb alle 48 Stunden ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen. Für die Grenzgänger ist das eine große Verunsicherung - sie kämpfen teilweise mit Sprachproblemen, müssen mehr Zeit für die ohnehin meist lange Fahrt zur Arbeit einplanen und mit dem Risiko leben, im Zweifelsfall sofort wieder nach Hause geschickt zu werden. "Wir wissen von ersten Kündigungen, weil die Mitarbeiter das nicht mehr ertragen", erzählt Brunner. Außerdem würden sich deutlich mehr Pendler krankmelden.

    Um ihnen zumindest die Wartezeiten an der Grenze zu ersparen, testen viele deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter inzwischen selbst. Doch dafür braucht es Fachpersonal und viel Geld. Nur wenige Landkreise wie Hof oder Wunsiedel stellen Schnelltests kostenlos zur Verfügung und bieten den Firmen Schulungen an. "Wir arbeiten mit Hochdruck an unserer Lage und weiten an vielen Stellen Tests aus. Die Mutationen machen uns natürlich vorsichtiger", sagt Wunsiedels Landrat Peter Berek (CSU).

    Experte bezweifelt großen Viren-Import

    Theorien, dass die Grenzgänger aus Tschechien für die hohen Fallzahlen in Teilen Ostbayerns verantwortlich sein könnten, stoßen bei Experten indes auf Skepsis. "Mir scheint das keine reale Möglichkeit zu sein", sagt der Leiter des Biologie-Zentrums der Akademie der Wissenschaften in Prag, Professor Libor Grubhoffer. Die Pendler hielten sich überwiegend im unmittelbaren Grenzgebiet auf.

    "Es ist zweifellos möglich, dass sie an einer sporadischen Einschleppung der Infektion beteiligt sind, aber es dürfte kein Krankheitsimport von grundlegender epidemiologischer Bedeutung sein." Libor Grubhoffer, Leiter des Biologie-Zentrums der Akademie der Wissenschaften, Prag

    Für die Einstufung Tschechiens als Hochrisikogebiet durch die Bundesregierung zeigt der Wissenschaftler dennoch Verständnis. Er sehe darin eine "Abwehrreaktion" gegenüber einem Land, das die Pandemie schlecht bewältigt habe. Dafür sei die Inkompetenz der staatlichen Stellen verantwortlich. Die Situation werde gerettet durch aufopferungsvolles und fähiges Gesundheitspersonal.

    Angst in Tschechien vor Mutationen aus Deutschland

    Wer kein Pendler ist, steht schon länger vor mehr oder weniger geschlossenen Türen: Bayern hat den sogenannten kleinen Grenzverkehr zum Einkaufen untersagt. Und in umgekehrter Richtung hat Tschechien einen fast völligen Einreisestopp für Ausländer verhängt - aus Angst vor einer weiteren Einschleppung der neuen Virus-Mutationen. Denn auch die Bundesrepublik gilt im Hochrisikogebiet Tschechien als Risikogebiet.

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