BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/ Martin Breitkopf
Bildrechte: BR/ Martin Breitkopf

An den Grenzen zu Tschechien und wie hier zu Tirol wird es ab Sonntag Grenzkontrollen geben.

39
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Das gilt ab Sonntag an den Grenzen zu Tschechien und Tirol

Tschechien und Tirol gelten nun offiziell als "Virusmutationsgebiete". Konkret heißt das: Bus- und Bahnverbindungen werden eingestellt. Ab Sonntag sind Grenzkontrollen geplant. Worauf müssen sich Reisende und Grenzpendler einstellen?

39
Per Mail sharen
Von
  • Simon Emmerlich
  • Lorenz Storch

Tschechien und weite Teile Tirols (mit Ausnahme des Bezirks Lienz, der Gemeinde Jungholz und des Rißtals im Gemeindegebiet von Vomp und Eben am Achensee) gelten seit Freitag nach RKI-Definition als sogenannte "Coroavarianten-Gebiete". Nach "Risikogebiet" und "Hochinzidenzgebiet" die derzeit höchste Stufe bei der Risikobewertung, was das Coronavirus-Infektionsgeschehen angeht. Die Bundesregierung reagiert mit weitgehenden Grenzschließungen zu den beiden Ländern.

Keine Einreise ohne negativen Corona-Test

Offen ist noch, wie streng die Bundesregierung die bisherigen Einreisebestimmungen für Coronavarianten-Gebiete auslegt, etwa ob es noch Ausnahmen für Grenzpendler gibt. Orientiert man sich an der Vorgehensweise für Mutationsgebiete wie Portugal und Großbritannien, ist die Einreise grundsätzlich - mit wenigen Ausnahmen - nur für deutsche Staatsangehörige und Ausländer mit festem Wohnsitz in Deutschland möglich.

An den Grenzübergängen im Straßenverkehr wird stationär kontrolliert. Ohne ein maximal 48-Stunden altes negatives Testergebnis werde man abgewiesen, heißt es aus dem bayerischen Gesundheitsministerium. In der Nacht von Samstag auf Sonntag sollen die Kontrollstationen in Betrieb gehen.

Keine Passagierbeförderung über die Grenze

Zug-, Bus-, und Flugverkehr dürfen keine Passagiere aus Virusvariations-Gebieten nach Deutschland befördern. Die Bahn hat Fernverkehrsverbindungen nach Tschechien und Tirol bereits eingestellt. Auch Züge der Bayerischen Regiobahn fahren nicht mehr bis Kufstein, sondern enden bis auf Weiteres auf bayerischer Seite in Kiefersfelden.

Bei Einreise mindestens fünf Tage Quarantäne

Ein Sprecher sagte dem BR, dass generell bei Einreise aus Tirol und Tschechien eine zehntägige Quarantäne gelte, die erst nach fünf Tagen durch ein zweites negatives Testergebnis verkürzt werden könne. Ausnahmen von der Testpflicht an den Grenzen gibt es nur für Kinder, die das sechste Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die erforderlichen Tests müssen die jeweils geltenden Anforderungen des Robert-Koch-Institutes erfüllen.

Unabhängig vom Testort seien das derzeit PCR-Tests und POC-Antigenschnelltests, so der Sprecher. Wer zur Arbeit nach Österreich pendelt, braucht dort bei der Einreise unbedingt einen ärztlich geprüften Corona-Test, hieß es heute aus Wien.

Nur wenige Ausnahmen für Grenzpendler

Laut bayerischem Gesundheitsministerium gibt es nur wenige Ausnahmen von der Quarantänepflicht bei Einreisen aus Tschechien und Tirol. Grundsätzlich seien das Durchreisende, LKW-Fahrer und Personen aus dem Gesundheitsbereich, so der Ministeriumssprecher.

Konkret sind Menschen gemeint, deren "Tätigkeit für die Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens sowie für die Pflege und Betreuung Pflegebedürftiger und von Menschen mit Behinderung dringend erforderlich ist".

Aufatmen im Gesundheitswesen

Lucie Lehka ist Ärztin und pendelt täglich aus Tschechien zur Arbeit in die Arberlandklinik nach Zwiesel. In ihrer Klinik kommt mindestens ein Viertel des ärztlichen Personals aus Böhmen. Sie warnt: "Wenn die Pendler nicht mehr in die Arbeit dürfen, wird im Gesundheitssystem auf jeden Fall die Versorgung der Patienten zusammenbrechen."

LKW-Verkehr ja, Berufspendeln nein

Bei den Industrie- und Handelskammern in Oberfranken, der Oberpfalz und Niederbayern stehen die Telefone derzeit nicht mehr still. Die Regionen dies- und jenseits der Grenzen sind zusammengewachsen. Insgesamt 22.000 Menschen aus Tschechien und 9.600 aus Österreich arbeiten in Bayern. Betriebe fürchten, dass ihre Mitarbeiter aus dem Nachbarland am Montag nicht zur Arbeit kommen dürfen.

Lamilux stellt in Rehau im Landkreis Hof High Tech Fenstersystemen her, 70 von 900 Beschäftigten sind tschechische Pendler, so Personalchefin Jasmine Scholl. "Das ist für uns natürlich schon eine spannende Zeit, wo wir nicht wissen, wie geht es weiter, sind die Grenzen am Wochenende noch offen."

Ministerium: Handlungsbedarf bei Pendlern wird geprüft

Die Industrie- und Handelskammer Regensburg hat sich mit einem Brief an Ministerpräsident Markus Söder gewandt. Ein Einreise-Stopp für tschechische Arbeitnehmer sei für die Unternehmen katastrophal. Söder kündigte im Landtag "praxisnahe Lösungen" für Pendler an. Auch im Gesundheitsministerium werde derzeit noch geprüft, ob es bei den Ausnahmen für Pendler weiteren Handlungsbedarf gibt.

Unklarheit herrscht auch bei Schülerinnen und Schülern, die im Nachbarland zur Schule gehen. Bisher sind laut Gesundheitsministerium keine Quarantäne-Ausnahmen für sie vorgesehen.

EU-Kommission: Grenzschließungen vermeiden

Die EU-Kommission hat Deutschland aufgefordert, Ausnahmen für Grenzpendler zuzulassen. Alle Länder hätten sich erst kürzlich darauf geeinigt, pauschale Grenzschließungen und Reiseverbote zu vermeiden. Jetzt erwartet die Kommission, dass Deutschland sich auch daran hält.

Selbstabschottung in Tirol und Tschechien

Österreich hat von sich aus das Bundesland Tirol schon weitgehend abgeriegelt, um die Ausbreitung des mutierten Virus einzudämmen. Man kann das Land Richtung Ausland oder in andere österreichische Bundesländer nur noch mit negativem Corona-Test verlassen. Die Einhaltung der neuen Maßnahme wird von rund 1.200 Polizisten und Soldaten kontrolliert. Ein Verstoß kann bis zu 1.450 Euro kosten. Ausgenommen von dieser Vorschrift sind Kinder sowie der Güterverkehr und die Durchreise ohne Zwischenstopp.

Auch Tschechien kündigte an, drei Grenzbezirke von der Außenwelt abzuschotten. Betroffen sind die Bezirke Cheb (Eger) und Sokolov (Falkenau) an der Grenze zu Bayern sowie Trutnov (Trautenau). Wer dort wohne, dürfe den jeweiligen Bezirk nicht mehr verlassen, sagte Gesundheitsminister Jan Blatny in Prag. Leute von außerhalb würden nicht hereingelassen. Ausnahmen gelten für den Weg zur Arbeitsstätte.

Mit Material von dpa.

© BR
Bildrechte: BR

In 25 bis 30 Prozent der Corona-Tests in der nordöstlichen bayerischen Grenzregion ist die britische Variante schon gefunden worden. Was eine Grenzschließung dann noch bringt, besprechen wir gleich mit dem Tirschenreuther Landrat Roland Grillmeier.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!