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Grenze dicht: Kleinwalsertaler laufen Sturm | BR24

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Im Kleinwalsertal und in Jungholz wirken sich die Corona-bedingten Grenzkontrollen besonders stark aus: Beide Orte gehören zu Österreich, sind aber nur von Deutschland aus zu erreichen.

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Grenze dicht: Kleinwalsertaler laufen Sturm

Das Kleinwalsertal liegt in Österreich, ist aber nur von Bayern aus zu erreichen. Deshalb treffen die Grenzkontrollen die Menschen im Tal besonders hart. Unterstützung erhalten sie aus dem Oberallgäu - und jetzt kommt Bewegung in die Sache.

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Den Sommerurlaub im Ausland haben viele schon abgeschrieben. Im Moment ist noch unklar, ob und wann die Grenzen wieder offen sind. Im Kleinwalsertal und in Jungholz haben die Menschen gerade ganz andere Sorgen. Dort wirken sich die Corona-bedingten Grenzkontrollen besonders stark aus: Beide Orte gehören zu Österreich, sind aber nur von Deutschland aus zu erreichen.

Für Fahrten über die Grenze brauchte es triftigen Grund

Wochenlang haben die Menschen in einem abgeriegelten Gebiet gelebt. Nur für Arztbesuche und bei anderen triftigen Gründen gab es Ausnahmen - so die bisherige Regelung. Hinzu kommt, dass kleinere Grenzübergänge zum Teil komplett geschlossen sind.

Pendler beklagen deutlich längere Fahrtzeiten

Gerhard Steffan erlebt Tag für Tag, welche Folgen die Grenzschließung hat. Der Grundschullehrer kümmert sich in der Schule in Jungholz um die Notbetreuung von zwei Schülerinnen. Wenn er dort ankommt, hat er schon eine Odyssee hinter sich: Normalerweise braucht Steffan von seinem Wohnort im Thannheimer Tal zur Schule in Jungholz etwa zehn Minuten, zurzeit mehr als eine Stunde.

Manche Grenzübergänge komplett dicht

Die Fahrt führt ihn von Österreich über Deutschland zurück nach Österreich. "Der Grenzübergang Oberjoch ist geschlossen", berichtet der Lehrer, "deswegen fahre ich diese weite Strecke bis zum Grenztunnel Füssen". Dort komme eine Grenzkontrolle, und dann gehe es über Pfronten, Nesselwang und Wertach nach Jungholz. Aus seiner Sicht wäre es gut, wenn zumindest stundenweise der Grenzübergang Oberjoch passierbar wäre.

Menschen in Jungholz waren praktisch eingesperrt

Dass er überhaupt über die Grenze kommt, liegt daran, dass Steffan als Berufspendler unterwegs ist. Für die 300 Einwohner in Jungholz, die keine triftigen Gründe nennen können, bedeuteten die Kontrollen bisher, dass sie in ihrer Ortschaft praktisch eingesperrt waren. Genauso erging es in den vergangenen Wochen den rund 5.000 Kleinwalsertalern, wie Gastwirt Roman Schuster aus dem Ort Baad deutlich macht: "Jeder fiebert natürlich zur Grenzöffnung hin." Und auch das ist ihm wichtig: Die Grenze sollte aus seiner Sicht zur Sommersaison für Touristen geöffnet werden.

Kleinwalsertaler sammeln Unterschriften

Dafür hat er jetzt eine Petition gestartet und schon knapp 2.000 Unterschriften gesammelt. Dass in Österreich ab Mitte Mai die Wirte wieder öffnen dürfen und ab Ende Mai "Urlaub im eigenen Land" wieder zugelassen ist - all das bringt den Jungholzern und Kleinwalsertalern nach derzeitigem Stand nichts.

Bayerische Corona-Regeln für österreichische Enklaven?

"Wenn die Grenze nach Deutschland geschlossen bleibt", sagt Schuster, "sind diese Daten eigentlich für uns irrelevant, weil wir uns eben den bayerischen Reisevorgaben anschließen müssen". Schuster wäre es deshalb lieber, wenn die österreichischen Enklaven die bayerischen Regeln übernehmen würden. Auch wenn das bedeuten könnte, dass sein Restaurant und seine Ferienwohnungen erst später wieder in Betrieb gingen.

Oberallgäuer Landrat Klotz schäumt

Die geschlossene Grenze sei unsäglich, findet auch der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz. Über sämtliche politische Kanäle habe er versucht, dagegen vorzugehen: "Das ist in einem Europa ohne Grenzen völlig unverständlich, dass solche Enklaven nicht die Möglichkeit haben, dass die Menschen dort wieder in den deutschen Raum kommen." Im Übrigen seien sowohl das Kleinwalsertal als auch Jungholz frei von Corona. Dort gebe es lediglich einzelne Verdachtsfälle.

Grenzkontrollen inzwischen etwas gelockert

Mittlerweile kommt Bewegung in die Sache: Wer im Kleinwalsertal oder in Jungholz wohnt, darf nun doch wieder in Deutschland einkaufen. Laut Bundespolizei können die Menschen aus den österreichischen Enklaven auch nach Bayern fahren, um Behördengänge zu erledigen oder Dienstleistungen zu nutzen, wie es in der Mitteilung heißt. Außerdem sei es erlaubt, über Deutschland in die österreichischen Bundesländer Vorarlberg oder Tirol zu fahren und wieder zurück. Ob diese Lockerungen den Menschen im Kleinwalsertal und in Jungholz reichen, bleibt abzuwarten.

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