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Greensill-Pleite: Mehrere oberbayerische Kommunen betroffen | BR24

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Bildrechte: Sina Schuldt / dpa-Bildfunk

Eine Woche nach Schließung der Greensill Bank melden sich immer mehr Kommunen, die öffentliche Gelder bei dem Bremer Institut angelegt haben.

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Greensill-Pleite: Mehrere oberbayerische Kommunen betroffen

Knapp eine Woche nach Schließung der Greensill Bank melden sich auch in Oberbayern Kommunen, die bei dem Bremer Institut öffentliche Gelder angelegt haben. Vaterstetten, Pöcking und Puchheim könnten jeweils mehrere Millionen Euro verlieren.

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Von
  • Ursula Trischler

Nach der Pleite der Greensill Bank teilen immer mehr Kommunen mit, bei dem Bremer Institut Geld angelegt zu haben. Unter den rund 50 Kommunen, die deutschlandweit von der Insolvenz der Bank betroffen sind, sind auch die Stadt Puchheim sowie die Gemeinden Vaterstetten und Pöcking. Sie beklagen, dass es von den Aufsichtsbehörden keine Hinweise darauf gegeben hätte, dass das Geld dort nicht sicher sei.

Vaterstetten könnte 5,5 Millionen Euro verlieren

Die Gemeinde Vaterstetten hat bei der Greensill Bank rund 5,5 Millionen Euro in verschiedenen kurz- und langfristigen Festgeldkonten angelegt. Wie Vaterstettens erster Bürgermeister Leonhard Spitzauer mitteilt, hat die Gemeinde eine Münchner Rechtsanwaltskanzlei "zur Wahrung der Interessen der Gemeinde" eingeschaltet.

Puchheim droht Verlust von 2 Millionen Euro

Auch die Stadt Puchheim bei Fürstenfeldbruck hatte vergangenes Jahr zwei Millionen Euro als Festgeld bei der Greensill Bank angelegt. Durch den Insolvenzantrag der Bank droht nun Totalverlust, weil Einlagen von Kommunen in der Regel nicht entschädigt werden. Ob bei der Geldanlage Fehler gemacht wurden, will die Stadt nun in Eigenregie aufarbeiten und die städtische Anlagestrategie generell auf den Prüfstand stellen. Die Stadt hat den Bayerischen Städtetag gebeten, sich auf der Ebene des Deutschen Städtetages für eine gemeinsame Vertretung der voraussichtlich geschädigten kommunalen Anleger einzusetzen.

Pöckings Bürgermeister: "Fühle mich wie jemand, der ausgeraubt worden ist"

Die Gemeinde Pöcking bei Starnberg hatte vergangenen Oktober fünf Millionen Euro langfristig angelegt. Hinweise darauf, dass das Geld dort möglicherweise nicht sicher sei, habe es nicht gegeben, so Schnitzler, insbesondere nicht von der dafür zuständigen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). "Ich fühle mich gerade wie jemand, der ausgeraubt worden ist und die Polizei steht daneben und schaut zu“, sagte Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler dem BR. Pöcking ist die reichste Gemeinde im Landkreis Starnberg.

Hoffnung, dass ein "erklecklicher Betrag" zurückkommen könnte

Mit aktuell 79 Millionen Euro Rücklagen könne Pöcking alle Aufgaben und Ausgaben weiterhin leisten, so der Bürgermeister – auch für den Fall, dass die gesamten 5 Millionen Euro verloren sein. Die Gemeinde sei bereits im Gespräch mit einem auf Insolvenzrecht spezialisierten Anwalt. Der habe leichte Hoffnung verbreitet, dass eventuell doch ein „erklecklicher Beitrag“ zurückkommen könne, so Schnitzler.

Bafin hatte Bank vor einer Woche geschlossen

Die Finanzaufsicht Bafin hatte die Bremer Greensill Bank vor knapp einer Woche für den Kundenverkehr geschlossen - weil eine Überschuldung drohte. Am Montag meldete das Mutterunternehmen, die britisch-australische Greensill Capital Insolvenz an.

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