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GPS auf der Alm: Das Ende der Kuhglocken? | BR24

© BR / Christine Schneider, Andreas Neukam

Eine Kuh mit GPS-Sender um den Hals

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GPS auf der Alm: Das Ende der Kuhglocken?

Tiere auf der Alm tragen Glocken am Hals, damit man sie findet, wenn sie sich verirrt haben. Doch Tierschützer behaupten: Die Glocken sind schlecht fürs Tierwohl und Gerichte verhandeln über lautes Kuh-Geläut. Sind GPS-Sender am Halsband die Lösung?

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Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich haben vor einigen Jahren in einer Studie festgestellt: Viele Kuhglocken seien zu laut und zu schwer und somit schlecht fürs Tierwohl. Die Rinder würden weniger fressen und wiederkäuen. Almbauern kritisieren diese Studie, bei den Versuchen seien viel zu große und zu schwere Glocken verwendet worden.

Fraglich ist, ob die GPS-Sender eine "gesündere" Alternative sind. Es gibt noch keine Studie, ob Strahlung das Tierwohl negativ beeinflusst.

Forschungsprojekt: Ortung bei Weidetieren

Seit 2010 tüftelt Stefan Thurner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft am perfekten Ortungssystem für Weidetiere: einem High-Tech-Halsband, mit dem man das Weidevieh vom Wohnzimmer aus managen kann:

"In der Almbewirtschaftung haben wir von der Technik her momentan fast noch Steinzeit, da ist noch nicht viel Technik im Angebot und das wollen wir ändern." Stefan Thurner, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Auf der Breitenbergalm bei St. Margarethen im Landkreis Rosenheim hat er eine Mitstreiterin gefunden: Bäuerin Marianne Kloo. Sie testet die Rinder-Ortung seit einigen Jahren, mit unterschiedlichen Systemen verschiedener Hersteller. Zwei ihrer 30 Rinder sind nun mit den GPS-Sendern ausgestattet, die sich bisher am meisten bewährt haben. Ihre Tiere kann sie jetzt vom Tal aus am PC "aufspüren".

Der virtuelle Zaun

Doch wozu das alles? Ist es nicht egal, wo ein Rindvieh gerade grast? Die Breitenbergalm ist 200 Hektar groß, ein riesiges Gelände, nicht eingezäunt. Die Tiere steigen manchmal in Gräben und verletzten sich an den Beinen, manchmal stürzt auch ein Jungrind ab. Der GPS-Sender am Halsband kann neben der Ortung noch etwas: die Alm virtuell einzäunen. Geofence-Alert heißt das. Bricht ein Rind durch den virtuellen Weidezaun, wird die Bäuerin gewarnt, per SMS oder E-Mail.

Perfekte Technik?

Das GPS-Ortungssystem kostet 300 Euro pro Gerät und rund 60 Euro Lizenzgebühr im Jahr. Auf der Breitenbergalm haben nur zwei Tiere den GPS-Sender um den Hals: die Leittiere, in deren Nähe sich die anderen immer aufhalten. Doch funktionieren die Sender auch immer? Die GPS-Daten werden über das Handynetz verschickt – und nicht immer ist der Empfang ideal, zum Beispiel, wenn die Rinder etwas abgeschottet unter Bäumen stehen.

Die Geräte müssen zudem stabil sein und bei jedem Wetter sollte die Batterie eine ganze Weide-Saison durchhalten.

Das Rindvieh wird gläsern

Künftig kommt sogar noch mehr High-Tech in das Kästchen: um die Gesundheit der Tiere zu überwachen und zu erkennen, wann eine Jungkuh brünstig ist.

"Bei der Brünstigkeit ist das Tier mehr aktiv, kaut aber weniger wieder. Das kann man mit dem Sender messen. Und wenn ein Tier lahm ist, dann hat es ein anderes Bewegungsprofil, auch das erfasst der GPS-Sender und zeigt es am PC." Stefan Thurner, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Das Ende der Kuhglocken?

50.000 Stück Jungvieh werden jährlich auf Bayerns Almen und Alpen getrieben. Bislang sind gerade 50 der GPS-Ortungsgeräte verkauft. Almbäuerin Marianne Kloo will beides - Tradition und Technik: "Eine Glocke gehört einfach auf eine Alm, deswegen möchte ich nicht darauf verzichten." Auf der Breitenbergalm bimmelt deshalb neben der digitalen Kuhglocke die analoge noch munter weiter.

© BR

Laute Kuhglocken - immer wieder Streitthema auf dem Land. Seit 2010 tüftelt ein Forscher an einem High-Tech-Gerät, das den Kuhglocken-Streit so ganz nebenbei lösen könnte. Und den Almbauern das Leben leichter machen will.