Das Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching nach dem Einbruch
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Geschlossen: Das Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching nach dem Einbruch

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Keltengold-Diebstahl in Manching: Was wir bisher wissen

Keltengold-Diebstahl in Manching: Was wir bisher wissen

Gibt es einen Zusammenhang mit den Einbrüchen im Bode-Museum und im Grünen Gewölbe Dresden? In jedem Fall war der Diebstahl von 483 keltischen Münzen aus Manching professionell geplant, der ideelle Verlust ist unschätzbar. Die Soko Oppidum ermittelt.

Es war eine dramatische Nacht im sonst eher beschaulichen Manching – das macht die Pressekonferenz von Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft deutlich: Am frühen Dienstagmorgen um 1.17 Uhr werden in einem Verteilerzentrum der Telekom die Glasfaserkabel durchtrennt. 13.000 Haushalte haben keine Internet- und Telefonverbindung mehr. Auch der Polizeialarm funktioniert nicht.

Um 1.26 Uhr wird im nahegelegen Kelten-Römer-Museum eine Fluchttür aufgehebelt, zwei Panzerglas-Vitrinen werden aufgebrochen – und nur sieben Minuten später verschwindet ein zwei Jahrtausende alter Goldschatz in der Nacht. Bemerkt wird der Verlust erst am Morgen um 9.45 Uhr, als die ersten Museumsmitarbeiter zur Arbeit kommen.

"Soko Oppidum" ermittelt

Inzwischen beschäftigt sich eine 20-köpfige Spezialeinheit des Landeskriminalamts mit dem Fall, die nach der alten Keltenstadt Soko Oppidum genannt wird. Nicolas Kaczynski von der Staatsanwaltschaft Ingolstadt geht von einem Zusammenhang der beiden Taten - der Telekom-Sabotage und dem Münzraub - aus und ermittelt wegen schweren Bandendiebstahls gegen mutmaßlich mehrere Tatbeteiligte.

Die LKA-Ermittler haben bereits Kontakt zu Strafverfolgungsbehörden in Berlin und Dresden aufgenommen. Sie erhoffen sich Hinweise zu dem Vorgehen der Täter bei vergleichbaren Diebstählen etwa im Bode-Museum und im Grünen Gewölbe.

Was gestohlen wurde

Insgesamt wurden 483 Goldmünzen mit je 7,3 Gramm gestohlen, dazu aus der zweiten Vitrine drei weitere, deutlich größere Münzen. Alle Münzen stammen aus der Zeit um 100 vor Christus und wiegen zusammen rund vier Kilogramm. Der reine Materialwert der Goldmünzen liegt aktuell bei etwa 250.000 Euro, der Handelswert bei 1,6 Millionen Euro - doch tatsächlich geht es um mehr.

Warum der Goldschatz so wertvoll ist

Professor Rupert Gebhard, Leiter der Archäologischen Staatssammlung, zu der das Manchinger Museum gehört, macht deutlich, was den Goldschatz von Manching so bedeutsam macht: der 1999 gefundene Goldschatz ist das Herzstück des Museums, in seiner Form einmalig und sowohl für Historiker als auch Numismatiker, also Münzsachverständige, von größter Bedeutung - stellt er doch eine glänzende Verbindung in die Vorgeschichte Bayerns her.

"Den ideellen Wert können sie auch als Museumsfachmann nicht ermitteln." Professor Rupert Gebhard

Fest steht, dass das Gold aus Böhmen stammt; nicht ganz klar ist, wozu der Münzschatz aufbewahrt wurde. Gebhard mutmaßt, er könnte einem Stammesfürsten als "Kampfkasse zur Anwerbung von Söldnern" gedient haben. In jedem Fall stammen die Münzen aus der Blütezeit der einstigen Keltenstadt vor dem heutigen Manching, welche Handelsbeziehungen nach ganz Europa unterhielt und heute als besterforschte Keltensiedlung gilt.

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Archäologe Matthias Leicht über den Manchinger Keltenschatz

Alptraum Schmelzofen

Die Polizei geht davon aus, dass die Täter versuchen werden, den Goldschatz entweder illegal auf dem Kunstmarkt zu verkaufen oder dieser "im schlimmsten Fall eingeschmolzen wird". Der schlimmste Fall ist nicht unwahrscheinlich: Nach Einschätzung Gebhards und der Polizei können die Täter die Goldmünzen nur schwer verkaufen.

Minister Blume: "Ein Angriff auf unseren Kulturstaat"

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Kunstminister Markus Blume: Diebstahl des Keltenschatzes ist "Angriff auf unseren Kulturstaat"

Kunstminister Blume will Museen-Sicherheit auf Prüfstand stellen

Diskutiert wird nun wohl auch über die Sicherheitsstandards in Manching und den bayerischen Museen insgesamt. Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) fordert, die Sicherheitsstandards von Museen auf den Prüfstand zu stellen. Denn obwohl in den vergangenen Jahren an vielen Stellen die Sicherheitstechnik noch einmal überprüft worden sei, sei es den Tätern in Manching gelungen, alle Sicherheitsbarrieren zu überwinden, sagte Blume bei BR24 im BR Fernsehen. Dies zeige nicht nur ein hohes Maß an krimineller Energie, sondern auch, dass es sich möglicherweise um eine neue Herausforderung für die Sicherung von Ausstellungen handele.

Blume betonte, wenn auch in Zukunft Ausstellungsstücke von unschätzbarem Wert in Museen gezeigt werden sollen, dann brauche es Sicherheitskonzepte, die "mit dieser neuen Kriminalität zurechtkommen, das heißt, davor Schutz bieten". Obwohl in den vergangenen Jahren viel in zusätzliche Sicherheitstechnik investiert worden sei, werde man sich das nochmal anschauen müssen. Denn der Fall von Manching zeige: "Wenn sämtliche Sicherheitsbarrieren überwunden werden und die Kommunikationseinrichtung einer ganzen Region lahmgelegt wird, dann gibt es offensichtlich immer noch Lücken."

Duplikate auszustellen sei keine Option. Kunst und Kultur könnten nur dann lebendiges kulturelles Erbe eines Landes sein, wenn man sie zeige und erlebbar halte. Deshalb brauche es Konzepte, wie das möglich ist.

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Professor Rupert Gebhard, Leiter der Archäologischen Staatssammlung München

Hätte man den Diebstahl vermeiden können?

Der Manchinger Sammlungsleiter Rupert Gebhard tut sich schwer, die entscheidende Schwachstelle bei den Sicherheitssystemen herauszufinden. Schon bei der Einrichtung des Museums sei das Bayerische Landeskriminalamt beratend hinzugezogen wurde.

Nach dem spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden habe man dann erneut eine Besichtigung gemacht und die Sicherheitsmaßnahmen überprüft. "Das Thema brennt uns schon lange auf den Nägeln. Das tägliche Aufwachen des Direktors ist die Sorge um die Sammlung", so Gebhard. Die Idee, statt der wertvollen Originale Kopien auszustellen, lehnt Gebhard ab.

"Ein Museum ist dazu da, Originale auszustellen. Davon lebt ein Museum, davon lebt die Gesellschaft." Rupert Gebhard

Manching wieder online

Die von der Sabotage am Manchinger Telefonnetz betroffenen Haushalte und Unternehmen sind mittlerweile alle wieder mit Telefon und Internet versorgt. Die Störung sei behoben, teilte ein Sprecher der Telekom am Mittwochabend mit.

Zunächst hatte es geheißen, die vom Netzausfall betroffenen Privat- wie auch Firmenkunden müssten möglicherweise bis zu drei Tage auf den Wiederanschluss warten. Die Einsatzzentralen von Polizei, Rettungsdiensten und der Feuerwehr waren die ganze Zeit voll betriebsbereit.

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