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Bildrechte: Armin Weigel/dpa

Die Bayerische Landesausstellung "Götterdämmerung II" beginnt mit dem Tod des Märchenkönigs Ludwig II.

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Landesausstellung: Monarchendämmerung in Regensburg

Am Abend eröffnet in Regensburg "Götterdämmerung II - die letzten Monarchen". Die Ausstellung zeigt die Zeit der letzten Kaiser und Könige im deutschsprachigem Raum. Während ein Teil des Hochadels den Umbruch meistert, gehen andere daran zugrunde.

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Von
  • Andreas Wenleder

Die Ausstellung beginnt mit einem Begräbnis: Ludwig II. ist tot. Der erste Raum der Ausstellung ist abgedunkelt, nur eine Marmor-Büste des Königs ist hellerleuchtet. Auf der Rückwand des Raums werden Videoausschnitte der Trauerfeier gezeigt. Begleitet von Musik, die Richard Wagner nachempfunden ist, liegt der Märchenkönig aufgebahrt da, als einer der letzten Vertreter einer Epoche, die mit Tempo zu Ende geht.

Moderne trifft auf teils unmoderne Monarchen

Für die Landesausstellung "Götterdämmerung II, die letzten Monarchen" ist der Tod Ludwigs im Jahr 1886 der Startpunkt. Sie zeigt eine Zeit des Umbruchs. Die Moderne hält Einzug und trifft mit voller Wucht auf das alte monarchische System, das über Jahrhunderte Länder wie Bayern, Preußen oder Österreich geprägt hat. "Alles wird schneller, alles wird heller, alles wird lauter. Und das trifft auf die Monarchien, die noch sehr traditionell und im Alten verhaftet sind", sagt Margot Hamm, Projektleiterin der Landesausstellung.

In der Ausstellung zeugt unter anderem eine der ersten elektrischen Bogenlampen, die im Münchner Hauptbahnhof eingesetzt wurde, von diesem Wandel. Auch ein Exemplar des zwischen 1912 und 1921 gebauten "Benz Doppel Phaeton", der schon eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde erreichen konnte, ist zu sehen.

Corona sorgt für Verlegung

Die Ausstellung war eigentlich für das Schloss Herrenchiemsee vorgesehen. Da vor Ort aber Bedenken im Zusammenhang mit dem Infektionsschutz bestanden, verlegten die Verantwortlichen sie ins Regensburger Museum der Bayerischen Geschichte. "Götterdämmerung II" knüpft dabei an eine erste Götterdämmerungs-Ausstellung vor zehn Jahren an, die sich vorrangig mit der Zeit des Märchenkönigs beschäftigt hatte. Die neue Ausstellung zeigt nun die nächste und damit auch letzte Generation der Monarchen anhand von insgesamt elf Biographien aus den Herrscherhäusern dieser Epoche.

Dabei zeigt sich, dass der Umgang mit der hereinbrechenden neuen Zeit ganz unterschiedlich sein konnte. Während die einen fremdeln, nutzen andere die neuen Möglichkeiten und brechen aus dem engen Korsett aus Regeln und Standesdenken aus. So wird auch das Ergreifen von bürgerlichen Berufen auf einmal möglich. Wie etwa bei Herzog Carl Theodor in Bayern, der Arzt wird, oder bei Prinzessin Therese von Bayern, die eine anerkannte Naturforscherin wird und Forschungsreisen unternimmt.

"Star" der Ausstellung: Ein Gürteltier

Ein Mitbringsel von einer ihrer Expeditionen ist das heimliche Maskottchen der Landesausstellung: ein Gürteltier. Therese brachte das noch lebende Tier von einer Südamerika-Reise mit. Noch ein paar Jahre lebte es in München und rannte durch die Residenz, erzählt Margot Hamm. Thereses Lebensweg sei für die Zeit außergewöhnlich gewesen. Sie habe sich geweigert, zu heiraten und stellte das Forschen über ihre Rolle als Repräsentantin des Herrscherhauses.

Die Ausstellung hat von Dienstag bis Sonntag jeweils von 9-18 Uhr geöffnet. Tickets für den gewünschten Tag und das gewünschte Zeitfenster können online auf der Website des Museums gebucht werden.

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Neue Berufe: Prinzessin Therese von Bayern wollte forschen statt repräsentieren. Dieses Gürteltier brachte sie von einer Südamerika-Reise mit.

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Bote einer neuen Zeit. Der zwischen 1912 und 1921 gebaute "Benz Doppel Phaeton" schaffte bereits über 60 Kilometer pro Stunde.

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Beweisstück: Mit dieser Feile erstach der Anarchist Luigi Lucheni 1898 in Genf die österreichische Kaiserin Elisabeth, genannt "Sisi".

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Prunkvolles Ende einer Ära: Dieses Schiff schenken die deutschen Fürsten Kaiser Wilhelm II. zu seinem silbernen Thronjubiläum im Jahr 1913.

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Nach Weltkrieg und Revolutionen mussten zahlreiche Monarchen ihre Throne räumen. Die Landesausstellung zeigt sie in einer "Abdankungsgalerie".

Neben zwei Original-Kleidern der Kaiserin ist auch die Feile zu sehen, mit der Kaiserin Sisi 1898 ermordet wurde. Eine Zufallstat, sagt Margot Hamm. Ihr Mörder, der italienische Anarchist Luigi Lucheni, habe wahllos ein Mitglied des Hochadels ermorden wollen. Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, genannt "Sisi", spielt eine große Rolle in der Ausstellung.

Bedrückende Abschiedsbriefe

Gleich neben der Feile sind zwei weitere bedrückende Ausstellungsstücke zu sehen. Die Abschiedsbriefe von Elisabeths Sohn Rudolf und seiner Geliebten, die er umbrachte, bevor er sich selbst das Leben nahm. Der Tod des reformbereiten, aber stets vom Vater eingebremsten Rudolf steht sinnbildlich für die Zeit, in der sich die Monarchien Mitteleuropas am Ende selbst abschaffen.

Krieg und Revolution beenden Epoche

Am Ende fegen Krieg und Revolutionen den Herrschern die Kronen von den Köpfen. In einer sogenannten "Abdankungsgalerie" sind die noch einmal alle zu sehen, die den Thron in den verschiedenen Ländern räumen mussten. "Am Ende hat sich nirgendwo mehr eine Hand gerührt, um zu verhindern, dass ein Monarch abdanken muss. Es hat sich niemand mehr für sie eingesetzt", sagt Hamm.

Die Ausstellung endet dann, wie sie begonnen hat: mit einem Begräbnis. Wieder sind Videoausschnitte an die Wand projiziert, diesmal ist der Sarg von Ludwig III. zu sehen, der 1921 zu Grabe getragen wird. Es ist nur noch ein halbes Staatsbegräbnis. Die Götterdämmerung ist da schon längst vollzogen.

💡 Hintergrund: Das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg zeigt die Bayerische Landesaustellung "Götterdämmerung II, die letzten Monarchen" ab heute Abend erstmals in Form eines Führungsmarathons bis in den späten Abend hinein. Die Führungen werden dann am Mittwoch fortgesetzt. Insgesamt ist die Landesausstellung bis zum 16. Januar 2022 zu sehen. Neben einem speziellen Kinderprogramm, durch das unter anderem eine virtuelle Version des ausgestellten Gürteltiers führt, bietet das Haus der Bayerischen Geschichte auch ein spezielles barrierefreies Angebot für sehbehinderte Menschen mit verschiedenen Taststationen an.

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