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Gönül Yerli: Vermittlerin zwischen den Religionen | BR24

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Gönül Yerli (M.), stellvertretende Direktorin des Islamischen Forums Penzberg, mit Imam Benjamin Idriz (li.) und ihrem Ehemann (re.)

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    Gönül Yerli: Vermittlerin zwischen den Religionen

    Die große Leidenschaft von Gönül Yerli ist die Religion. Mit viel Engagement setzt sich die stellvertretende Direktorin des Islamischen Forums in Penzberg für Dialog und Toleranz ein. Die BR-Journalistin Astrid Uhr hat sie besucht.

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    Von
    • Astrid Uhr

    Sie ist eine Frau der leisen Töne: Gönül Yerli begrüßt die Gläubigen mit einem Kopfnicken zum Freitagsgebet in der Moschee im oberbayerischen Penzberg. Die zierliche Frau mit dem rosafarbenen Seiden-Kopftuch wirkt bescheiden. Umso erstaunlicher ist es, dass die 44-Jährige auf die Frage nach ihren Stärken sofort eine Antwort parat hat:

    "Ich bin so stolz auf mein Management. Ja, das musste ich quasi schon früh lernen, dass ich gesehen habe: Ich kann einige Dinge, und von diesen Dingen kann ich profitieren, zum Beispiel auch die Überlegenheit der Sprache gegenüber den Eltern. Dass wir schon mit sechs, sieben Jahren übersetzt haben für die Eltern. Dass wir zwischen den Kulturen gemanagt haben." Gönül Yerli, Islamisches Forum Penzberg

    Studium gegen Widerstände

    Im Alter von drei Jahren kommt Gönül als Kind türkischer Gastarbeiter nach Bad Tölz. In der Schule lernt sie Bayram Yerli kennen, ihre große Liebe - sie heiratet ihn mit 16. Eigentlich wollte sie Medizin studieren - doch ihre Eltern verbieten es. Also gründet das junge Paar eine Familie: Mit 22 ist Gönül Yerli Mutter von drei Kindern. Gleich als die jüngste Tochter im Kindergarten ist, beginnt sie ein Studium – eine stille Rebellion. Bayram Yerli ist stolz auf seine Frau.

    "Meine Frau hat sich eigentlich durch die ganzen Traditionen nicht in die Schranken einweisen lassen, sondern hat trotz der Gegenwehr ihrer Eltern ihr Studium gemacht, ich habe sie dabei unterstützt." Bayram Yerli, Ehemann von Gönül Yerli

    Immer mehr Verantwortung in islamischer Gemeinde

    Wenn Bayram aus der Fabrik nach Hause kommt, kümmert er sich um die Kinder - seine Frau studiert Religionspädagogik. Mittlerweile wohnt die Familie in Penzberg und besucht die Islamische Gemeinde. Ihr religiöses Oberhaupt erkennt, dass Gönül Yerli eine starke, spirituelle Frau ist. Sie bekommt eine Anstellung, erst als Religionslehrerin, später als Referentin für den interreligiösen Dialog.

    "Ich betrachte die Frau Yerli als einen Schatz, welcher für mich, für die Gemeinde in Penzberg unverzichtbar ist." Imam Benjamin Idriz

    Gönül Yerli übernimmt immer mehr Verantwortung und organisiert Bildungsangebote. Vor allem junge Frauen wenden sich an sie - mit religiösen Fragen, aber auch mit Fragen zur Sexualität. Ein Vertrauensbeweis.

    Engagement für interreligiösen Dialog

    Später studiert Gönül Yerli noch katholische Theologie und Interreligiösen Dialog. In Penzberg setzt sie sich für Begegnungen ein. Wenn zum Beispiel die Feuerwehr zur Fahrzeug-Segnung einlädt, kommen der katholische und evangelische Pfarrer zusammen mit dem muslimischen Imam. Eine Freundschaft, die Belastungen aushält.

    "Als zum Beispiel der Anschlag in Halle war: Dass dann Menschen hier vorbeikommen und uns unterstützen und sagen: Habt keine Angst, wir sind bei euch, das sind kleine Zeichen, und die wirken eben Wunder im interreligiösen Dialog." Gönül Yerli, Islamisches Forum Penzberg

    Diese "Wunder" geben Gönül Yerli Kraft, um Rassismus besser aushalten zu können. Als gläubige Muslimin hat sie ein starkes Gottvertrauen, das hilft ihr in schwierigen Situationen. Sie erzählt zum Beispiel, dass Menschen, die auf der Straße an ihr vorbeigehen, dann auf den Boden spucken. Das sei in der letzten Zeit öfter passiert.

    Durch die Anfeindungen lässt sich Gönül Yerli nicht entmutigen. Ihre Gemeinde steht für Toleranz. Das hat auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bemerkt. 2019 war er Gast in Penzberg - für ihn ist die Penzberger Gemeinde ein gutes Beispiel für Integration

    Orange-Töne für die Power-Frau

    Eine kleine Schwäche gibt Gönül Yerli dann doch noch zu: Ihre Vorliebe für türkische Mode-Zeitschriften. Ihre Kleidung kauft sie am liebsten in Istanbul. Tunika, Schmuck, Kopftuch und Kosmetik werde gleich kombiniert angeboten.

    Übrigens, die türkische Herbst-Winter-Mode setzt auf Orange-Töne. Das sind genau Gönül Yerlis Lieblingsfarben: Kräftige Farben für eine Power-Frau!

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