BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

GNM: Christos "Biografie der Verhüllung" bleibt im Archiv | BR24

© BR

Der Aktionskünstler Christo ist im Alter von 84 Jahren gestorben, doch sein künstlerisches Schaffen lebt fort. Auch im Archiv des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg gibt es etliche Exponate von Christo.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Video-Inhalten

GNM: Christos "Biografie der Verhüllung" bleibt im Archiv

Notizen, Skizzen, Bauanträge und Stoffmuster: Das Germanische Nationalmuseum beherbergt die Dokumentation zu Christos Reichstagsverhüllung, quasi den Werdegang des Ausnahme-Kunstwerks. Doch auch nach dem Tod des Künstlers bleibt der Schatz im Archiv.

Per Mail sharen

Insgesamt lagern im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg auf rund 13 laufenden Regal-Metern Skizzen, Bauanträge und persönliche Korrespondenz rund um die Reichstagsverhüllung von Christo in Berlin. Aktenordner und Kartons voller Unterlagen dokumentieren die jahrzehntelange Vorbereitung des Projekts, bilden somit die "Biografie der Verhüllung", so Archivleiterin Susanna Brogi. Ihren Worten zufolge glaubten Christo und seine Unterstützer anfangs etwa, das Projekt schon Mitte der 1970er-Jahre verwirklichen zu können. Tatsächlich umgesetzt wurde die Reichstagsverhüllung dann aber erst im Juni 1995.

Wertvolle Protokolle

Von ganz besonders großem Interesse sind in diesem Zusammenhang die Gedächtnisprotokolle von Michael Cullen, betont Brogi. Der Historiker und Autor hatte gemeinsam mit Christo die Idee der Reichstagsverhüllung entwickelt und auch die Unterlagen zu dem Großprojekt gesammelt und archiviert. Heute lassen seine Unterlagen den Leser Teil des Großprojekts werden, so Brogi. Bis zuletzt sei dabei die politische Komponente der Verhüllung entscheidend gewesen.

"Es ging darum, an diesem hochpolitischen Ort – mit der Mauer, auch nach dem Mauerfall, mit dem wiedervereinigten Deutschland – eben ein so symbolträchtiges Monument wie das Reichstagsgebäude zu verhüllen. Und entsprechend sind diese Protokolle voller Überlegungen, nach Strategien, wen kann man gewinnen. Aber auch, wen muss man gewinnen, um ein solches Projekt zu realisieren." Susanna Brogi, Archivleiterin im Germanischen Nationalmuseum

Auch der ganz konkrete Weg von der Idee zur Umsetzung der Verhüllung lässt sich im Museumsarchiv nachvollziehen, etwa wie es zur finalen Stoffauswahl kam. Brogis Worten zufolge wollte Christo den Reichstag ursprünglich in weiß verhüllen. Davon zeugen in der Dokumentation unter anderem zahlreiche Stoff-Muster. Andere Unterlagen zeigen, wie Christo die Stoffbahnen berechnet hat oder welche Anforderungen beispielsweise an den Brandschutz gestellt werden mussten. Die Dokumentation sei von unschätzbarem Wert, betonen Brogi und Mißfeldt.

Nur zu Forschungszwecken

Öffentlich zu sehen ist die Dokumentation nicht. Weil sich in den Unterlagen unter anderem die Protokolle interner Bundestagssitzungen befänden, sei das aus rechtlichen Gründen nicht möglich, so Museumssprecherin Mißfeldt. Menschen mit Forschungsinteresse können aber beim Germanischen Nationalmuseum Einsicht in die Dokumente beantragen. Eine eigene Ausstellung zu Christo oder seiner Reichstagsverhüllung ist demnach nicht geplant. Die schriftlichen Unterlagen rund um das Kunstprojekt "Wrapped Reichstag" seien ehr von wissenschaftlichem Interesse, denn für eine Präsentation geeignet, so GNM-Sprecherin Sonja Mißfeldt.

Christo und Jeanne-Claude

Der gebürtige Bulgare Christo, der mit bürgerlichem Namen Christo Vladimiroff Vavacheff hieß, war am Pfingstsonntag kurz vor seinem 85. Geburtstag in New York gestorben. Gemeinsam mit seiner Frau Jeanne-Claude (1935-2009) schuf der "Verhüllungskünstler", der später US-amerikanischer Staatsbürger wurde, weltweit gefeierte Installationen.

© BR/Inga Pflug

Aktenordner und Kartons voller Unterlagen dokumentieren die jahrzehntelange Vorbereitung des Projekts.

© BR/Inga Pflug

Der Historiker und Autor Michael Cullen hat die Unterlagen zu dem Großprojekt gesammelt und archiviert.

© BR/Rika Dechant

Von besonders großem Interesse ist die Korrespondenz von Künstler Christo.

© BR/Rika Dechant

Das Germanische Nationalmuseum beherbergt quasi den Werdegang des Ausnahme-Kunstwerks.

© BR/Inga Pflug

Skizzen, Bauanträge und persönliche Korrespondenz lagern insgesamt auf rund 13 laufenden Regal-Metern

© BR/Inga Pflug

Ursprünglich wollte Christo den Reichstag in weiß verhüllen.

© BR/Rika Dechant

Öffentlich zu sehen ist die Dokumentation nicht.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!