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Glückliche Hühner und heimischer Salat – Regionales ist "in" | BR24

© BR/Ulrike Nikola

Die Nachfrage nach Eiern von glücklichen Hühnern vom Hühnermobil steigt

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    Glückliche Hühner und heimischer Salat – Regionales ist "in"

    Mobile Hühnerwagen, Wochenmärkte und Hofläden bieten regionale Bio-Produkte, nachhaltig produziert und ohne lange Transportwege. In Corona-Zeiten ist dies mehr gefragt denn je.

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    Sabrina Pickelmann verkauft "Gänseblümchen-Gelee" und "Zwiebel-Mamalood". Mit ihrem Stand steht sie auf den Wochenmärkten in Röthenbach und Lauf an der Pegnitz. Sie verarbeitet alles, was vor ihrer Haustür in der Hersbrucker Schweiz wächst. In den vergangenen Wochen der Corona-Pandemie hat sie erlebt, dass mehr Menschen regional einkaufen. Sie hat neue Kunden, die durch die Krise mehr Zeit zum bewussten Einkaufen und Kochen mit regionalen Zutaten haben.

    "Hennenglück": Glückliche Hühner sind mobil

    Die kurzen Transportwege, das genaue Wissen über die Herkunft der Produkte und das Tierwohl sind einige Gründe für die Hühner-Paten, die das "Hennenglück" von Stephen Wertsch in Pfeifferhütte (Lkr. Nürnberger Land) unterstützen. Seine 200 Hühner namens "Molly" und die fünf Hähne, die alle auf "Gustav hören, ziehen in einem mobilen Hühnerwagen von einer grünen Wiese zur anderen: "Daher haben die Tiere immer wieder einen neuen Auslauf und ständig frisches Gras zum Picken und Flächen zum Scharren. Außerdem gibt es dadurch keine Probleme mit Überdüngung, Keimen und Bakterien", sagt Agrar-Betriebswirt Stephen Wertsch.

    Hühner-Paten holen Eier im Buchladen ab

    Wer eine Hühner-Patenschaft übernimmt, der weiß genau, woher die Eier kommen und unter welchen Bedingungen sie entstehen. Alle zwei Wochen können die Paten die Eier in einem Depot abholen – beispielsweise im Buchladen von Karl Kuhn in Feucht (Lkr. Nürnberger Land). Kuhn hat selbst erlebt, wie wichtig es in Corona-Zeiten ist, dass seine Kunden weiterhin bei ihm ihre Lektüre bestellen. Doch nicht nur in der Krise sind regionale Wirtschaftskreisläufe nötig, sagt er. Seit jeher unterstützt er deshalb die Idee der Solidarischen Landwirtschaft.

    Regionalbewegungen: Politik muss Produzenten vor Ort unterstützen

    Der Lockdown der Länder, die ihre Waren nach Deutschland liefern, hat viele Menschen beunruhigt. So stammen beispielsweise zwei Drittel des hierzulande verzehrten Gemüses von ausländischen Feldern, weil Gurken, Tomaten und Salat von dort billiger sind. Daher fordert Andrea Winter vom Bundesverband der Regionalbewegungen in Feuchtwangen, dass die Bundesregierung Bauern und Produzenten vor Ort mehr unterstützt. Dazu brauche es verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft zum Schutz von Tieren, Umwelt und Klima sowie faire Bezahlung nachhaltig erzeugter Lebensmittel durch den Einzelhandel.

    Bio und Tierwohl haben ihren Preis

    Wer muss die Weichen stellen? Die Kunden oder die Politiker? Das sieht jeder von seiner Warte aus anders. Die Mittelfränkin Marlene Mortler sitzt als CSU-Abgeordnete im Europäischen Parlament, und zwar im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Sie findet es positiv, dass Menschen bewusster einkaufen, "denn wer will, dass auf den Feldern biologisch angebaut wird, der muss auch Bio kaufen. Und wer mehr Tierwohl in den Ställen wünscht, der muss auch mehr dafür bezahlen." Ein Ei vom „Hennenglück“ kostet daher 60 Cent, also doppelt so viel wie ein konventionell erzeugtes. Die Hühner-Paten zahlen es zugunsten der Tiere und der Qualität gerne.

    Kunden wollen mit ihrem Einkauf ein Zeichen setzen

    Kritiker werfen der Europäischen Union vor, dass sie die regionale Erzeugung von Lebensmitteln dem Freihandel opfere. Manche Kunden freuen sich über günstige Kirschen aus der Türkei, die beim Discounter wenig kosten. Andere sehen es kritisch, dass Billig-Importe den heimischen Markt überschwemmen, so dass es sich für die fränkischen Kirschbauern kaum lohnt, ihre Früchte zu ernten. Auf dem Laufer Wochenmarkt wollen die Kunden ein Zeichen setzen, indem sie bewusst regional einkaufen. Einer von ihnen bringt es auf den Punkt: "Eigentlich müssten Bio-Produkte aus der Region für uns die Normalität sein."

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