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Mehr als 20 Millionen Zuschauer haben gestern nicht nur das unglückliche Eigentor der Deutschen gesehen - sondern auch die Bruchlandung eines Greenpeace-Aktivisten in der Münchner Arena. Ein Zwischenfall mit Nachspiel.

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Gleitschirm-Panne bei EM: Sicherheitsdebatte wegen Greenpeace

Die Aktion hatte kurz vor dem EM-Auftakt der deutschen Fußballnationalmannschaft für einen Schockmoment gesorgt: Ein Greenpeace-Aktivist musste mit einem Motorschirm mitten in der "Fußball Arena München" notlanden. Auslöser einer Sicherheitsdebatte.

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Von
  • Vera Cornette
  • Katharina Pfadenhauer

Kurz vor dem EM-Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Frankreich: Florian Boitin filmt den Vorfall mit seinem Handy. Auf dem Video ist zu sehen, wie der 38-jährige Greenpeace-Aktivist direkt auf Florian Boitin zufliegt und dann gerade noch rechtzeitig abdreht und auf den Rasen stürzt.

Später landet das Video seinem Instagram-Account. "Einfach krank, gut, dass euch da unten nichts passiert ist", schreibt ein User. "Waaaahnsinn, wie durchgeknallt, der Typ!", ein anderer. Und ein Dritter kommentiert: "Da habt ihr richtig Glück gehabt… ich war paar Meter weiter rechts. Das hätte böse enden können."

Herrmann: "massiv irritiert und erschrocken"

Laut Greenpeace hätte die ganze Aktion eigentlich anders ablaufen sollen. Der 38-jährige Gleitschirm-Pilot wollte vor Spielbeginn einen großen gelben Ball in die "Fußball Arena München" sinken lassen, um gegen Volkswagen zu protestieren. Dabei verhedderte er sich allerdings in einem Stahlseil am Stadiondach, kam ins Trudeln und stürzte ab. Die UEFA sprach von einer "rücksichtslosen und gefährlichen Aktion".

Auch Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister, der auch selber im Stadion war und alles beobachtet hatte, kritisiert die Aktion als unverantwortlich. "Ich war natürlich massiv irritiert und erschrocken, wie plötzlich dieser Gleitschirmflieger mit Propeller hier direkt über dem Stadion aufgetaucht ist, ich hatte ihn gleich im Blick", berichtet der Innenminister.

Pilot war bereits im Visier der Scharfschützen

Laut aktuellem Ermittlungsstand soll der Pilot in der Nähe des Stadions heimlich gestartet sein, um von der Luftraumrettung nicht erkannt zu werden. Dabei habe auch er selbst großes Glück gehabt: Die Scharfschützen hatten ihn bereits im Visier.

Laut Herrmann hätten sie lediglich einen "Entscheidungszeitraum von vielleicht maximal eineinhalb Minuten gehabt, um zu entscheiden, ob sie diesen Flieger wegen Verdacht auf einen Terroranschlag unter Beschuss nehmen." Aufgrund der Beschriftung "Greenpeace" hätten sie gerade noch rechtzeitig davon abgesehen.

"Wir konnten den Anflug kurz vorher bereits wahrnehmen und haben in einer Ersteinschätzung schon auch erkannt, dass es sich hier um eine Aktion von einer Umweltorganisation handelt", erklärt der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Andreas Franken. „Eine extrem schwierige Entscheidung für die eingesetzten Polizeibeamten“, findet Herrmann.

Aktion löst neue Sicherheitsdebatte aus

Der Luftraum über und um das Stadion werde streng kontrolliert, Spezialkräfte sorgten hier für Sicherheit, darunter auch mehrere Scharfschützen, die auf Hügeln rund um das Stadion positioniert waren. Zudem seien mehrere Hubschrauber in der Nähe stationiert. Über dem Stadion gilt bei den EM-Spielen ein totales Flugverbot.

Die bayerische Polizei will bei den kommenden drei EM-Spielen nun die Luftüberwachung verstärken, insbesondere zusammen mit der Hubschrauberstaffel. Noch am Abend habe der Innenminister entschieden, dass künftig ein Hubschrauber ständig über dem Stadion fliegen wird. Auch wenn dies geräuschmäßig Auswirkungen auf die Fernsehübertragungen haben könnte.

Aktivist polizeibekannt und Wiederholungstäter

Der Mann, der am Dienstag mit dem Motorgleitschirm abgestürzt ist, stammt aus Pforzheim in Baden-Württemberg. Laut dem bayerischen Innenminister ist der 38-Jährige ein vorbestrafter Wiederholungstäter, der schon im März an einer ähnlichen Aktion beteiligt gewesen sein soll: Damals landete er auf dem Dach der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Die Aktion richtete sich nach Angaben von Greenpeace "gegen die klimaschädliche Geldpolitik der Notenbanken".

Der Motorschirm-Pilot wurde festgenommen, sein Flieger sichergestellt. Gegen ihn wird wegen verschiedener Delikte ermittelt, darunter schwerer Eingriff in den Flugverkehr, Hausfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung. Nach der Aktion beim gestrigen EM-Spiel dürfte ihm eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr und Hausfriedensbruch drohen.

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