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Glasindustrie im Bayerischen Wald leidet unter Coronakrise | BR24

© BR/Renate Roßberger

Coronakrise trifft auch Bayerwald Glasindustrie

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Glasindustrie im Bayerischen Wald leidet unter Coronakrise

Vorsicht zerbrechlich: Die Glasindustrie im Bayerischen Wald hat aufgrund der Coronakrise mit extremen Auftragsrückgängen zu kämpfen. Am Ende könnte das bedeuten, dass sich Unternehmen von Mitarbeitern trennen müssen. Eine belastende Situation.

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Starke Umsatzeinbrüche muss auch die Glasindustrie im Bayerischen Wald durch die Coronakrise hinnehmen. Die größte Glashütte der Region, die Zwiesel Kristallglas im Kreis Regen, hatte in den letzten Wochen 80 Prozent weniger Umsatz.

Umsatzeinbrüche bei den Kunden

Hauptkunden von Zwiesel Kristallglas sind Gastronomie, Hotels, Fluggesellschaften, Messen, Kreuzfahrtschiffe und der Fachhandel weltweit. Alles Bereiche, die entweder ganz geschlossen hatten oder noch haben - beziehungsweise sich nur langsam erholen. Zwiesel Kristallglas hatte im April rund die Hälfte seiner etwa 600 Mitarbeiter in Kurzarbeit. An den drei großen Schmelzöfen, wo sonst täglich 200.000 Trink-und Weingläser produziert werden, wurde die Herstellung komplett eingestellt. Erst am 4. Mai ist die Produktion wieder angelaufen.

Mitarbeiter werden gehen müssen

Firmenchef Andreas Buske rechnet aber mit einer nur sehr langsamen Erholung bis frühestens 2022 oder noch später. Er fürchtet eine weltweite Pleitewelle in Gastronomie und Hotellerie als langfristige Folge der Coronakrise, was für den Absatz von Gläsern Folgen hätte. Das Unternehmen will sich deshalb von Mitarbeitern trennen, versucht das aber zunächst mit dem Beenden befristeter Verträge und damit, dass Beschäftigte angesprochen werden, ob sie in Vorruhestand gehen möchten. Wie viele Mitarbeiter gehen müssen ist noch unklar.

Kurzarbeit angemeldet

Kleinere Glashütten wie Eisch und die Luxusmanufaktur Theresienthal, die Gläser noch traditionell von Hand am Ofen fertigen, hoffen, mit einem blauen Auge durch die Krise zu kommen. In beiden Hütten wurden die Glasöfen, die im Normalbetrieb rund um die Uhr auf bis zu 1.300 Grad laufen müssen, ausgeschaltet um Kosten zu sparen. Es läuft nur die Veredelung wie etwa Gravur und Malerei - jedoch auch nicht voll. Viele Mitarbeiter sind noch in Kurzarbeit.

Onlinehandel kann Delle nicht ausgleichen

Die Glashütte Eisch in Frauenau, die weltweit viele Kunden im Gastrobereich und in Fachgeschäften hat, hofft, dass die Nachfrage bis Jahresende wieder anzieht. Die Glashütte Theresienthal geht davon aus, dass ihre wohlhabenden Kunden so durch die Krise kommen, dass sie hinterher wieder bestellen. Großaufträge wie früher, wo ganze Glasserien für Villen oder Jachten bestellt wurden, fehlen allerdings momentan komplett.

In allen Glashütten hat allerdings der Onlinehandel spürbar zugenommen. Er gleicht aber das sonstige Geschäft nicht aus. Wenn es besser läuft als gedacht, könnte die Glasindustrie parallel zu Gastronomie und Tourismus aber auch von einen Nachholeffekt nach der Coronakrise profitieren. Das muss man aber abwarten.